Konzerte & Party

Broilers im Huxleys

Broilers

Wer nichts erreichen will, kann die Dinge locker angehen. Was profan klingt, verhalf den Broilers jüngst zum Sprung in die Charts. „Wir wollten nie dort landen“, erzählt Sänger Sammy Amara. „Das war unser Vorteil, denn so sind wir über die Jahre nicht verbittert, in denen wir nicht dort aufgetaucht sind.“ Mit Unterstützung der deutschen Punkszene – inzwischen hat die Band das gleiche Management wie Die Toten Hosen – brachte es das Album „Santa Muerte“ bis auf Platz drei der Verkaufsliste. Der plötzliche Erfolg ist vor allem dem musikalischen Wandel geschuldet, den das Quintett seit der Gründung 1994 durchlaufen hat. Vom früheren Oi-Punk hat sich die Band über die Jahre musikalisch dramatisch entfernt. „Die Basis ist für uns immer noch Punk, wir haben aber viele neue Einflüsse aufgenommen“, sagt Amara. „Das fängt bei Folk und Country an, geht über Ska und Reggae, und es ist sicher auch viel Pop dabei.“ Dass die neue, massentaugliche Ausrichtung nicht von allen Fans getragen wird, ist Amara klar: „Ich kann Kritikern nicht viel entgegnen. Ich freue mich, wenn gefällt, was wir machen, aber letztlich können wir es nur für uns tun. Unsere Musik ist jetzt leichter verdaulich. Deshalb haben wir Wert darauf gelegt, zumindest in unseren Texten weiter kritisch zu sein.“
Nichts geändert hat sich auch am Wunsch zu provozieren. In frühen Jahren schlossen sich die Düsseldorfer der Skinheadszene an und wurden aus Unwissenheit oft in die Ecke Rechtsextremer gedrängt. Und auch heute noch begibt sich Amara, Sohn eines Irakers, in Gefahr, falsch verstanden zu werden. Er spielt mit Klischees und Fremdenangst, wenn er in „Schwarz, Grau, Weiß“ singt: „Lass die Kirche im Dorf, nicht die Moschee“. „Dass der Song für Diskussionen sorgen würde, war klar“, erklärt der Sänger. „Ich nehme da aber keine Migranten auf die Schippe, sondern die rechtskonservativen Parteien. Ich glaube, man muss ab und zu zwischen der Lyrik den Leuten was mit dem Lattenzaun vor die Fresse hauen, damit sie was verstehen.“

Text: Nadine Kleber

Broilers, Huxley’s, Sa 29.10., 20 Uhr, ausverkauft

Zusatzkonzert: Do 15.12., 20 Uhr, VVK: 26,40 Euro

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