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Bruce Springsteen: High Hopes

Bruce Springsteen: High HopesWas macht eigentlich Johnny Cashs „American Recordings“-Produzent Rick Rubin gerade? Wir kennen da jemanden, der hätte Bedarf an sparsamen, durchdachten Arrangements. Bruce Springsteen heißt der gute Mann, der, nachdem er sich von Brendan O’Brien drei Alben in einer Klangbreimischung versenken ließ, nunmehr mit Ron Aniello jemanden aufgetan hat, der auch nicht anders kann, als jede akustische Parklücke mit Fiepen, Rumpeln, Gegeige, Loops oder Gospelchören zuzustellen. Dabei ist „High Hopes“ an sich schon merkwürdig genug. Nicht nur, weil es mit einem verzichtbaren Coverstück von einer Band namens Havalinas betitelt ist, das der Boss 1995 schon mal rausgebracht hat. Weitere Fremdkompositionen machen ähnlich ratlos. Das treibende „Just Like Fire Would“ fügt dem The-Saints-Original wenig Neues hinzu, während „Dream Baby Dream“ von Suicide in seiner im Studio ausformulierten Seifigkeit weit hinter Springsteens hypnotische 2005er Live-Version zurückfällt. Dazu werden neun Originale eingetütet: Stücke, die teilweise bei Alben der Nullerjahre liegen blieben – so fiel die lässige Gangster-Pistole „Harry’s Place“ von „The Rising“ (2002) runter – oder aber, live lange vertraut, frisch hochgepimpt wurden. Besonders „The Ghost of Tom Joad“, Titel vom leisen 1995er Album, den Springsteens neuer Buddy Tom Morello, vormals Rage Against The Machine, mit  allem Saitenbudenzauber zum Mehrzweckhallenabwracker aufrüstet. Jener Morello, den Bruce neuerdings Muse nennt und den er prägnant bei sieben Tracks mitgniedeln lässt. Der Vorteil des Nicht-Konzeptes der Platte ist, dass munter rockender Blödsinn in „Frankie Fell in Love“ ebenso draufpasst wie das schön filmsoundtrackige „Hunter of Invisible Game“. Und dass das als Skizze viermal live gespielte „The Wall“ eine überraschend dezent aufgebrezelte Studioversion bekommt. Man wüsste dennoch gern, was Rubin daraus gemacht hätte.

Text: Erik Heier

tip-Bewertung: Zwiespältig (3/6)

Bruce Springsteen, High Hopes (Sony)

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