Konzerte & Party

Bryan Ferry im Admiralspalast

Bryan Ferry

Natürlich ist da diese Stimme, die sich früher mal nervös anhörte und mit den Jahren sanfter und verträumter wurde. Da ist natürlich auch die makellos ausgesuchte Garderobe, die aus ihm den Gentleman des Rock gemacht hat. Der Mann verfügt fraglos über Stil und hat eine unverwechselbare Persönlichkeit. Aber als Songschreiber hat sich Bryan Ferry nie über einen längeren Zeitraum etwas zugetraut. Für einen Musiker seiner Statur ist es erstaunlich, wie viele Alben mit Coverversionen in der Diskografie stehen. Erst im vierten Anlauf veröffentlichte er einen Longplayer mit ausschließlich eigenen Stücken, das war „In Your Mind“ aus dem Jahr 1977.
Seine beste Phase hatte Ferry direkt nach Auflösung von Roxy Music. Damals stand er wirklich einmal kurz davor, ein Solo-Ich zu finden, das über lange Zeit und alle Trends hinweg Wirkung entfalten kann. „Boys & Girls“ und „Bкte Noire“ waren großartige Nachtschwärmer-Platten, auf denen der Bergarbeitersohn aus dem Nordosten Englands mit coolem Funk und elegant-weltmännischer Ausstrahlung glänzte. Aus unerfindlichen Gründen hat er diesen Ansatz dann aber nicht weiterentwickelt und sich lieber wieder Interpretationen von Oldies zugewandt, was sich zunehmend bemüht anfühlte. Vor vier Jahren mit einem Album mit Dylan-Songs zu kommen war schlichtweg überflüssig. Ferry hatte schon vorher mehrfach Songs seines Helden aufgenommen. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Nach dem Fehlschlag mit „Dylanesque“ wagte der Dandy doch noch mal den Sprung in eine Welt, in der man ihn viel eher sieht. Zuerst lockte ihn DJ Hell mit „U Can Dance“ aufs Techno-Parkett, danach eröffnete derselbe Track in anderer Aufmachung sein eigenes Album „Olympia“. Unterstützung leisteten die alten Mitstreiter von Roxy Music inklusive Brian Eno. Model Kate Moss posierte fürs Cover.  Eine gelungene Zusammenarbeit mit dem Dance-Duo Groove Armada im Song „Shameless“ deutete zudem an, dass Ferry sehr wohl in der Lage ist, mit der Zeit zu gehen. Alter spielt dabei überhaupt keine Rolle. Auch ein Mann mit 66 Jahren hat noch Möglichkeiten.

Text: Thomas Weiland

Bryan Ferry, Admiralspalast, Do 8.12., 21.30 Uhr, ausverkauft

Fotoausstellung Bryan Ferry – an exhibition, .HBC, 8.12.11 – 8.1.12, Mo+Di ab 19 Uhr, Mi-So ab 14 Uhr

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