Konzerte & Party

Bundesvision Songcontest 2009 in Potsdam

Peter FoxDie Geschichte des Bundesvision Song Contest ist natürlich die Geschichte des Stefan Raab. Über ihn kann man denken, wie man möchte, aber den zutiefst biederen und verstaubten Eurovision Song Contest – ehemals Grand Prix d’Eurovison – gleich mehrmals aufzumischen, ist eine Leistung. Bei seinem ersten Auftritt der etwas anderen Art blieb er persönlich noch im Hintergrund. Es war das Jahr 1998, als Raab unter dem Pseudonym Alf Igel (eine Anspielung auf den Schlager­komponis­ten Ralph Siegel) für Guildo Horn das Stück „Guildo hat euch lieb“ komponierte, mit dem dieser beim damaligen Eurovision Song Contest immerhin den siebten Platz belegte. Es war das Ende der deutschen Spießigkeit beim Grand Prix und der Anfang einer Erfolgsgeschichte.
Sein Auftritt mit Guildo Horn war der Beginn einer Hassliebe zwischen Raab und einer Veranstaltung, die seit 1956 in einer teilweise absurden Prozedur den Schlagerkönig oder die Chansonprinzessin Europas kürt. Kübelweise und größtenteils berechtigten Spott goss er seit jeher über Deutschlands dortige Repräsentanten aus, nachdem er sich zuvor schon regelmäßig über den nationalen Vorentscheid publikumswirksam und quoten­trächtig in seiner Sendung amüsiert hatte. Aber hinter Raabs Großmäuligkeit – das unterscheidet ihn von anderen – steckt auch Substanz. Dass er selbst es war, der im Glitzeranzug mit dem dadaistischen Statement „Wadde hadde dudde da„im Jahr 2000 dort mühelos eine der besten Platzierungen der letzten Jahrzehnte für Deutschland einfuhr, spricht ebenso für ihn wie die Tatsache, dass er mit seinem Schützling Max Mutzke und dem Stück „Can’t Wait Until Tonight“ vier Jahre später einen erstaunlich seriösen Beitrag ins Rennen schick­te und auch hier Platz sieben erreichte. Damit hatte Raab sich und der Musiknation bewiesen: Es geht auch geschmackssicher, ohne Ironie, und es ist gar nicht so schwer. Mutzke erkor er zuvor in seiner Sendung „TV Total“ aus einer Schar von Kandidaten, um mit ihm beim deutschen Vorentscheid zu starten – und spielte sich sogleich ins europäische Finale. Die Grundidee für eine eigene Ver­anstaltung war geboren. Nur dachte Raab gleich einen Schritt weiter: Warum weiterhin nur New­comern die Chance geben, sich in seiner Sendung zu präsentieren? Warum nicht gleich den Eurovision Song Contest auf die Bundesrepublik adaptieren? Sollen die Öffentlich-Rechtlichen sich ruhig weiter auf europäischer Linie blamieren, der TV-Entertainer küm­merte sich derweil lieber um die werberelevante Zielgruppe. Medien und Industrie erkannten mit ihm das Potenzial des Formats; die einen un­terstützten mit Kooperationen und Berichterstattung, die anderen buchten gerne die begehrten Werbeplätze in der Sendung.

Text: Jan Schimmang

Foto: Erik Weiss

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 04/09 auf den Seiten 94-95.

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