Festival

Burning Man Berlin

Das legendäre „Burning Man“-Festival aus der Black Rock Wüste in Nevada, USA, entwickelt derzeit europaweit Ableger. Auch in Berlin

Foto: Wikimedia Commons, CC 2.0

Der Mythos des „Burning Man“ begann 1984, als ein paar Freunde ein kleines Festival in San Francisco feierten und am Ende eine Holzfigur verbrannten. Seitdem fand die Party mit wachsendem Zuspruch jährlich statt. 1991 zogen die Macher in die Wüste von Nevada, wo seitdem jährlich 75.000 Menschen sechs Tage lang feiern. Mittlerweile übersteigen die weltweiten Ticketanfragen das Angebot – obwohl der Eintritt 400 Dollar kostet, dazu tausende weitere Dollar für Anreise, Automiete, Stromgenerator, Wasser, Verpflegung und eventuell zu bauende Kunstwerke eingebracht werden müssen.

Eine der Besonderheiten beim „Burn“: außer Eis und Kaffee gibt es dort nichts zu kaufen, auch keinen Strom und kein Wasser. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, aber Teilnehmende („Burner“) berichten, dass nahezu alles, was sie in einer Notsituation benötigten, quasi „magisch“ zu ihnen gekommen sei. Zudem gibt es hunderte Helfer, „Ranger“, die sich um eventuelle Notfälle kümmern. Diese besondere Art der Feierkultur mit künstlerischen und artistischen Workshops, wo Gemeinschaftsbildung zählt, kann nun auch ohne großes Reise- und Organisationsbudget genossen werden.

Denn seit vergangenem Jahr ist das Regional-Netzwerk des „Burning Man Projects“ in Europa, Deutschland und auch in Berlin aktiv. Bei den diversen Berliner Ableger-Gruppen, die man über Facebook oder die Webseite findet, werden Teilnehmer dazu aufgefordert, sich mit ihren Fähigkeiten einzubringen, Kunst zu schaffen, Geschenke mitzubringen oder einfach nur in den psychedelischen nächtlichen Farbwelten zu feiern.

Marian Goodell, Vorstandsvorsitzende des „Burning Man Projects“, beschreibt die Party als eine „Einladung zum Spielen, mitzumachen und seinen Geist zu erhöhen“. Die Gemeinschaft, die Grenzerfahrung in der Wüstenhitze des Tages und der Kälte der Nacht, würde von vielen Teilnehmern als „transformativ“ empfunden, das Festival als ein Erlebnis, das auch noch Monate danach positive Veränderungen auf die eigene Persönlichkeit und das eigene Umfeld haben soll. Laut Marian Goodell gibt es seit 1997, seit einer der Google-Macher während des „Burns“ die Idee zu Google Doodle hatte, nach jeder Party eine Online-Befragung zu den individuellen Erlebnissen.

Den ersten kleinen „Kiez Burn“-Event gab es bereits im Juni in einem Wäldchen bei Cottbus, wo rund 200 Eingeweihte bei einem Eintrittspreis von 100 Euro drei Tage lang feierten. Zuvor fand 2016 ein erstes regionales Indoor-Festival von in Berlin lebenden „Burnern“ auf einem Schloss in Sachsen-Anhalt statt. 300 Teilnehmer und freiwillige Helfer kamen an drei Tagen zusammen, beschäftigten sich künstlerisch, belegten und gaben unter anderem Yoga-, Massage- und Fotografiekurse. In dem Kurs „Orgie für Anfänger“ konnten sie aber auch ihren sexuellen Horizont erweitern.

Die Organisatoren aus den USA – 80 feste Mitarbeiter bei einem Jahresbudget von 40 Millionen Dollar – setzen nun auf Expansion. Und haben eine Mission, die in den zehn sogenannten „Principles“ festgeschrieben sind. Diese besagen etwa, dass in „radikaler Offenheit“ jeder willkommen ist. Dass eine „selbstlose Praxis des Schenkens“ praktiziert werden soll. Oder dass „Dekommodifizierung“, also die Weigerung, teilhabende Erfahrung durch Konsum zu ersetzen, hochgehalten werden soll. Außerdem wollen die Veranstalter jeden Einzelnen ermuntern, die eigenen inneren Ressourcen zu entdecken und auf sie zu vertrauen. Aber natürlich solle man sich auch in gemeinschaftliche Anstrengungen einbringen. Selbstverständlich soll die Gemeinschaft beim Feiern Rücksicht auf die Umwelt nehmen und keine Spuren hinterlassen. Da bei 75.000 Menschen, die aus aller Welt nach Nevada reisen, allerdings ein ziemlich großer ökologischer Fußabdruck entsteht, scheint es nur logisch, das Festival zu den Menschen zu bringen statt umgekehrt die Menschen von weither zu dem einen Festival. Die ersten Schritte sind jedenfalls gemacht. Alles weitere soll sich entwickeln. Nach dem Willen der Initiatoren offen, gemeinsam und verantwortungsbewusst.

Burning Man Regionalgruppen An jedem zweiten Dienstag im Monat findet zudem um 20 Uhr ein Treffen in der 12 Grad Aetherloge, Frankfurter Allee 24, Friedrichshain statt

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