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Interview mit Caribou

tip Dem Erscheinen des neuen Caribou-Albums wurde im Vorfeld sehr entgegengefiebert. Haben Sie Erwartungsdruck gespürt?
Dan Snaith Der Druck war für mich früher viel größer. Ich setzte mich hin und wusste nicht, ob ich es richtig mache und ob überhaupt jemand zuhört. Das ist jetzt anders. Ich bin mit dem Gedanken an die Arbeit gegangen, dass da draußen viele Leute an neuer Musik von Caribou interessiert sind. Der Erfolg hat mich motiviert, nicht unter Druck gesetzt.

Caribou
Foto: Thomas Neukum

tip Sie gehen aber nicht den einfachen Weg. Wir bekommen nicht einen zweiten Teil des gefeierten Werks „Swim“ zu hören, sondern ein Album mit anderem Sound. Warum haben Sie sich so entschieden?
Dan Snaith Es kommt vor, dass Musiker einen bestimmten Stil entwickeln. Sobald sie damit Erfolg haben, wandeln sie ihn nur noch geringfügig ab. Das kommt bei mir nicht infrage. Ich finde, dass es im Leben viel zu erforschen gibt. Ich möchte so viel wie möglich kennenlernen und nutzen. Das soll man in der Musik hören können.

tip Warum arbeiten Sie dieses Mal verstärkt mit Elementen aus Soul, Funk und R&B?
Dan Snaith An Soul führt für mich kein Weg vorbei. Mich beeindruckt die Direktheit, mit der die Sänger in diesem Genre von ihren Gefühlen sprechen. Früher war ich wegen meiner Stimme nicht sicher, ob ich das auch kann. Diese Schüchternheit habe ich überwunden. Ich wollte jetzt auf den Punkt kommen und genau sagen, was ich fühle.

tip Damit treffen Sie genau den Sound der Zeit. Nach dem Erfolg von James Blake versuchen sich immer mehr Musiker an minimalem elektronischem Soul. Hat Sie das inspiriert?
Dan Snaith Ich lebe ja in London. Da kommt man an der Musik, die Sie beschreiben, nicht vorbei. Die daran beteiligten Produzenten und Sänger gehen mit der Idee der Unvollkommenheit voll in die Offensive. Sie haben nicht diese Selbstzweifel, die ich früher hatte. Ich beobachte das mit Interesse, aber es inspiriert mich nicht. Meine Schwerpunkte sind andere. Ich kann mit dem Gefühl der Feierlichkeit in Techno und House genauso gut umgehen wie mit experimentellen Spielereien.

tip Auf Ihrem Album gastiert Sängerin Jessy Lanza. Sie kommt wie auch Jeremy Greenspan von den Junior Boys aus der kanadischen Stadt Hamilton, die ganz in der Nähe Ihres eigenen Geburtsorts Dundas liegt. Warum kommt aus dieser Gegend plötzlich so viel gute elektronische Musik?
Dan Snaith Hamilton ist keine Stadt, in der man von den neuesten Trends erschlagen wird. Wenn man das will, muss man nach Toronto fahren, das ist nicht weit weg. In Hamilton hat man seine Ruhe und findet leicht Freiräume, in denen man sein Ding machen kann. Ich habe diese Freiheit immer genossen. Bei Jeremy Greenspan ist es ähnlich. Ich kenne ihn seit der Highschool. Er hat schon immer von Soul und R&B beeinflusste Platten gemacht, lange bevor das unter Indie-Produzenten ein großes Ding wurde.

tip Auch die Musik von Caribou gehört jetzt zu den Attraktionen. Wie groß wollen Sie mit Ihrer Band werden?
Dan Snaith Ich mache Musik für alle Menschen. Aber das bedeutet nicht, dass ich ständig populärer werden will. Man darf es nicht übertreiben.

tip Eine seltene Sicht. Viele Ihrer Kollegen wollen mit der Zeit immer höher hinaus.
Dan Snaith Ich vertraue in erster Linie meinem Instinkt. Wenn ich der Meinung bin, dass ich etwas tun muss, ziehe ich es durch. Man kann doch nie wissen, wie es läuft. Es ist großartig, wenn man die Chance bekommt, vor so vielen Leuten wie in Berlin zu spielen. Im nächsten Jahr kann es aber schon wieder ganz anders aussehen. Man muss auf alle Fälle vorbereitet sein und an seine Sache glauben.

Interview: Thomas Weiland

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