Konzerte & Party

Caspar Brötzmann Massaker & DJ Max Dax im Berghain

Caspar Brötzemann MassakerDeutschland und seine Gitarristen – eine traditionell schwierige Geschichte. Auf dem Papier gibt es reichlich davon, aber nur wenige konnten sich mit eigenem Stil hervortun wie Caspar Brötzmann. Der spielt sein Instrument nicht nur. Er malträtiert es. Ohne Rücksicht auf Verluste, Struktur oder Spiellänge steigerte er sich schon 1989 auf seinem ersten viel beachteten Album „Black Axis“ in einen Fieberrausch der Düsternis. Damals erzeugten sogar Gedanken an den eigentlich öden Bezirk Tempelhof in ihm ein Lodern. Das gleichnamige Stück hört sich an, als wollte sich Brötzmann in die Mentalität einer Fliegerstaffel einfühlen. Auch unsere industrielle Lebensumwelt hatte er studiert. Bedrohliche Geräusche von Sägen, Bohrern, Ambossen oder Ketten tauchen in seinen Stücken immer mal auf.
Das Echo auf Brötzmanns Klangattacken fiel unterschiedlich aus. Hierzulande stand man der brachialen Gewalt des Musikers außerhalb von Liebhaberkreisen oft ratlos gegenüber. In den USA wurden die Noise-Ausbrüche des Jazzersohns besser verstanden. Page Hamilton von Helmet ist großer Fan, er hat mit Brötzmann das gemeinsame Album „Zulutime“ aus dem Jahr 1996 aufgenommen. Danach kam nicht mehr viel. Im vergangenen Jahrzehnt hatte sich Brötzmann rar gemacht. Lediglich auf dem Gebiet der Kunstperformance war er gelegentlich aktiv, etwa als musikalischer Begleiter bei einer Lesung von Sibylle Berg. Brötzmann unterstützte die Erzählungen aus ihrem Generalabrechnungsroman „Ende gut“ mit frei improvisiertem Spiel. Mit seinem Auftritt im Rahmen des Elektroakustischen Salons im Berghain, einem sich allmählich etablierenden Treffpunkt der Avantgarde, wagt er sich wieder aus der Deckung. Gut so. Solche Querköpfe werden gebraucht.

 

Text: Thomas Weiland

Foto: Dirk Rudolph

 

Caspar Brötzmann Massaker + DJ Max Dax ?Berghain, Elektroakustischer Salon, Do. 3.6.,  20 Uhr, VVK: 15 Ђ

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