Konzerte & Party

Chelsea Wolfe in der Berghain Kantine

Chelsea Wolfe

Wenn Chelsea Wolfe nicht den Weg als Musikerin eingeschlagen hätte, wäre aus ihr vielleicht eine Szenenbildnerin beim Film geworden. Derart eng verbandelt ist die visuelle Komponente mit ihren faszinierend ungemütlichen Gothic-Folk-Balladen. Zu den Auftritten der Songschreiberin mit der wandelbaren Sirenenstimme zählten anfangs stets Schleier oder Maske, hinter denen sie ihr Gesicht verbarg; mit ihrer schwarzen Schneewittchenfrisur und bodenlangen Gewändern wirkt die Tochter eines Country-Musikers aus Sacramento, als wäre sie einem expressionistischen Stummfilm entstiegen. Für ihr jüngstes, akustisches Album „Un­known Rooms“ posierte sie in einem abgelegenen Motel an der Küste Kaliforniens, das früher mal als Bordell diente. Der Ort könnte Schauplatz einer ihrer Songs sein, die sich größtenteils um die dunklen Aspekte von Liebe und Begehren drehen. Wo auf dem Vorgänger „Apokalypsis“ noch dichte Klangschichten, treibende Rhythmen und düstere E-Gitarren dominierten, tut sich auf Wolfes drittem Album Stille zwischen den Tönen auf: Der reduzierte Ansatz lenkt die Aufmerksamkeit auf Wolfes schöne, zerbrechlich strahlende Stimme. Auf den ersten Eindruck minimalistisch, öffnen sich in ihren Akustiksongs raffinierte Details: Ob es der fast geflüsterte, aber sehr laut verstärkte Gesang ist, ob flötende Gitarren-Obertöne oder aber ein geisterhafter Chor, den Wolfe mit sich selbst singt. Von den teils vollkehligen Gesängen, die frühere Songs füllten – darunter ein Cover der Black-Metaller Burzum –, ist sie abgerückt, auf die leise Tour aber wirken Chelsea Wolfes Songs sogar noch bezwingender.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Kristin Cofer 

Chelsea Wolfe, Berghain Kantine, So 28.4., 22 Uhr, VVK: 13 Euro zzgl. Gebühr

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