Konzerte & Party

Chilly Gonzales in der Philharmonie

Chilly Gonzales

Wer an Torontos Royal Conservatory of Music im Fach Klavier eingeschrieben ist, muss während des Studiums einen klassischen Kanon erüben. Neuerdings zählt auch ein Stück von Chilly Gonzales zum Pflichtstoff. „Chambers heißt das letzte Album des Mannes, den man hier noch lebhaft als Star des neuen Berlin kennt, als Hardcore-Entertainer und Rapper in Saunamantel und Badelatschen.
Damals, zur Jahrtausendwende, dürfte der Songwriter aus jüdischer Familie wohl selbst nicht im Traum daran gedacht haben, eines Tages mühelos im Pop- wie im Klassikfach zu Hause zu sein. Sein Album „Solo Piano“ von 2004 ist bis heute sein erfolgreichstes, „Solo Piano II“ knüpfte daran an, mit „Chambers“ hat der 43-Jährige jetzt seinen Klangkorpus erweitert, ist in gewisser Weise noch klassischer geworden. Begleitet von Cello, Bratsche und zwei Geigen des Kaiser Quartetts ist „Chambers“ von Pop weit entfernt; Gonzales aber empfindet offenbar das Gegenteil und ließ sich für seine angenehm offene, nie zu ausformulierte Kammermusik von Leuten wie Daft Punk oder Drake inspirieren. Für Zweifler führt er auf seinem YouTube-Kanal auch mal gewohnt eloquent vor, was ein Synthesizer-Riff von Daft Punk mit einem Präludium von Bach gemeinsam hat. Schade, dass der alte Barockmeister nicht mehr lebt, mit einem wie Gonzales hätte er sich wohl gut verstanden.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Mark Allan

Chilly Gonzales, Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Tiergarten, ?Mo 11.5., 20 Uhr, ausverkauft

Chilly Gonzales, Konzerthaus Berlin, Gendarmenmarkt, Mitte, So 6.9., 20 Uhr, ?VVK: ab 32 Euro zzgl. Gebühr

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