Konzerte & Party

[email protected] 2015 im Radialsystem

Chor@Berlin

Was darf man sich, bitte schön, unter einem „Intensivkurs Mädchenchorleitung“ vorstellen?! Heil-Kreischen und alles über den Gebrauch von Spucktüten? – Unsinn!! Und doch zeigt die bereits fünfte Ausgabe des Festivals [email protected], dass hier vor nichts haltgemacht wird. Die Chorbewegung gilt zu Recht als die innovativste und verspielteste Klassik-Sparte überhaupt. Mit Basiskontakt und ohne Kompromisse, wenn es darum geht, professionelle Standards aus Laien und Halbprofis herauszukitzeln.
An vier Tagen wird hier durchgesungen. Gleich die Eröffnungskombination einer Uraufführung von zwei Messen von Guillaume de Machaut und Frank Martin zeigt, wo der Hammer hängt (12.2., 20 Uhr). Bei „Schwing!“ verwandelt der Jazzchor Freiburg Miles Davis, Pat Metheny und ABBA in groß besetzte Chorkost (13.2., 19 Uhr). Auf dass anschließend die preisgekrönten Berliner A-cappella-Virtuosen von Delta Q und ONAIR vollends in den Pop rutschen (13.2., 22 Uhr).
Chormusik zählt zu den wenigen Sparten, wo E und U wenig Unterschied macht (sogar Atonales geht hier runter wie Butter). Der Ich-kann-nicht-singen-Chor, längst legendär, fängt alle unerkannten Talente ein, die von sich behaupten, nicht singen zu können. Denn „jeder, der sprechen kann, kann auch singen“. Das Konzert ist für Sonntagmorgen angesetzt (14.2., 11 Uhr) – zu einer Zeit, wo bekanntlich jedem Sänger die Stimme fehlt.
Auf das Abschlusskonzert des Mädchenchor-Intensivkurses („Ladies first!“, 14.2., 15 Uhr) folgen am Abend „Heimatlieder aus Deutschland“. Unter Beteiligung kreuzbunt geflaggter Gruppen wie La Caravane du Maghreb, Klapa Berlin, Sandra Stupar, Dusica Ga?i?, dem Quan Ho Chor Berlin sowie Ricardo, Rafael y Pedro versammeln sich hier 120 Musiker aus 13 Nationen, die in Berlin verwurzelt sind, um Lieder aus ihrer Herkunftsregion vorzustellen (14.2., 20 Uhr).
Der Sonntag gehört halb dem männlichen Teil des Staats- und Domchores Berlin. Da kriegen endlich einmal die pubertierenden Jungs ihr Fett weg. Man verfügt über einen Chor mit „Jungs im Stimmwechsel“ – namens Vox Kräx. Sänger im Alter von 5 bis 25 Jahren führen vor, wie sich der Klang von Knabenstimmen mit dem Alter ändert. Und was singen sie? Klar doch: „Vom preußischen ‚Kriegslärm‘ Wilhelm Tauberts bis zum Kurt-Weill-Marsch ‚Zu Potsdam unter den Eichen‘.“ Was Jungs im Stimmbruch halt interessiert (15.2., 15.30 Uhr). Zum Abschluss – wem die reuige Stunde schlägt – gibt’s Alfred Schnittkes „Zwölf Bußverse“ mit dem gloriosen RIAS-Kammerchor (15.2., 20 Uhr)

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Severin Vogl

[email protected], Radialsystem, Do 12.2. bis So 15.2., ?Karten-Tel. 28 878 85 88

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