Konzerte & Party

Christine and the Queens: Chaleur Humaine

Christine and the Queens: Chaleur HumaineBei Christine and the Queens spielt der Performance-Aspekt eine große Rolle. Verantwortlich dafür sind vor allem die Dragqueens in ihrer Backing-Band, die sie bei einem Abstecher nach London kennengelernt hat. Sie dürfen sich gerade live mit Tänzen und Posen richtig gehen lassen. Auf Platte sieht das anders aus. Hier zeigt sich die Sängerin als Verführerin, die den Pop-Charakter ihrer Songs nicht aus den Angeln heben will. Schließlich muss das Gebaren zum Titel des Albums passen. Zu „Chaleur humaine“, zu menschlicher Wärme. Da verbietet sich jeder schrille Aufschrei.
In „iT“ spielt Christine mit der Idee der Geschlechtsumwandlung. Dabei wird sie von einem Synth-Funk-Sound begleitet, der dem aus dem Prince-Lager Mitte der 80er nahekommt. Gerade die Erinnerung an „Raspberry-Beret“ lässt sich beim Zuhören nicht so leicht aus dem Kopf verbannen. Auch sonst kommt es öfter zur Annäherung an den R’n’B und Electro-Pop aus dieser Zeit, aber das heißt nicht, dass Christine die Einflüsse aus ihrer Heimat komplett abgestreift hätte.
In „Paradis perdus“ besingt sie die Herzlosigkeit einer Frau im Stil einer Chansonette. Zwei der besten Songs kommen zum Schluss. „Ugly-Pretty“ fällt mit dezentem House-Beat und einer melancholischen Stimmung wie auf dem Debüt von Massive Attack aus dem Rahmen. „Nuit 17 а 52“ ist eine Piano-Ballade, aus der sich bald ein Refrain von majestätischer Größe erhebt. Auch das Streicher-Outro ist perfekt. Da klingt das durch, was französische Künstler häufig im Sinn haben: Sie wollen, dass ihr Pop die Hochkultur nicht nur tangiert.

Text: Thomas Weiland

Christine And The Queens, Chaleur Humaine
(Because Music/Warner)

Mehr über Cookies erfahren