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Chrome im C-Club

Chrome

Die Siebziger waren ein Jahrzehnt der unbegrenzten Möglichkeiten. Musiker konnten sich sowohl mit dem großen Umbruch in den Jahren zuvor als auch mit Neuerungen auseinandersetzen, vor allem mit denen in der elektronischen Musik. Damon Edge und Helios Creed haben diese Bedingungen geliebt. Psychedelia, Punk, Krautrock, Space-Jazz, Avantgarde-Experimente, Industrial – die beiden Furchtlosen aus San Francisco probierten alles aus, was ihnen in den Sinn kam, und wurden unter dem Namen Chrome zu wichtigen Wegweisern.
Auf dem Album „Alien Soundtracks“ hört man in „Slip It To The Android“ ein Funk-Fundament, das an das auf „Fear Of Music“ von Talking Heads erinnert. Außerdem verschaffen sich kosmische Klangmutationen und eine schräge Geige Platz. „Half Machine Lip Moves“ aus dem Jahr 1979 beginnt mit einem wilden Ritt namens „TV As Eyes“, der nicht nur dem Titel nach Ähnlichkeiten zu The Stooges aufweist. Als in der Musik der Post-Punk das Geschehen zu beherrschen begann, reagierten Edge und Creed mit „Red Exposure“ adäquat. Alles klang auf einmal düsterer, tanzbarer und auch klarer. Nach der 1982 veröffentlichten Compilation „Chrome Box“ trennten sich die Wege der beiden Protagonisten. Edge zog nach Paris und machte mit wechselnden europäischen Musikern weiter. Creed nahm nach seinem Ausstieg bei Chrome mehrere Noise-Rock-Attentate für das Prä-Grunge-Label Amphetamine Reptile auf. Nach dem Tod von Edge im Jahr 1995 hielt er den Namen Chrome am Leben und bearbeitete pietätvoll ungenutzte Demos seines Kollegen. Danach schien endgültig Schluss zu sein.
Der Eindruck des Endes auf Ewigkeit bestätigte sich vor drei Jahren durch Veröffentlichung des sehr guten Creed-Alleingangs „Galactic Octopi“. Aber nun belebt der Gitarrist zusammen mit fünf Musikern und dem Album „Feel It Like A Scientist“ doch noch einmal den Namen Chrome. Signale aus dem Weltraum verwandeln sich in wahren Wah-Wah-Wahnsinn. Aus Tape-Aufnahmen, Monologen am Megafon und Versuchen mit echtem Gesang entwickelt sich ein apokalyptisches Szenario. Wie durch ein Wunder gibt ein unnachgiebiger Rhythmus dem Ganzen so etwas wie Erdung. Nach all den Jahren hat Creed noch immer keine Lust auf Kompromisse und Stillstand. Der Mann bleibt ein Beispiel für alle.

Text: Thomas Weiland

Foto: Jeremy Harris Photography 2013

Chrome, ?C-Club, So 8.6., 20.30 Uhr, ?VVK 16 Ђ zzgl. Gebühr

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