Konzerte & Party

Clark, Emika u.a. im Gretchen

Emika

Berlin wird international als Zentrum der elektronischen Musik gepriesen. Musiker ziehen in die Stadt und produzieren hier ihre Tracks. Der neue Wohnort hat aber nicht zwangsläufig Einfluss auf die Entwicklung ihres Stils. Der beim Londoner Warp-Label unter Vertrag stehende Chris Clark ist hier und heute genauso sprunghaft wie früher auf der Insel. Sein Ausgangspunkt war die Kopfmusik von Aphex Twin oder Autechre, später baute er brutale Breakcore-Elemente in sein Repertoire ein. Das jüngste Album „Iradelphic“ ist im Vergleich dazu eine friedliche Angelegenheit, es lassen sich viele Parallelen zu den Ambient-Kulissen von Boards Of Canada feststellen. Berlin war auch nicht der einzige Entstehungsort. Clark nahm seinen Computer nach Australien, Norwegen, Belgien und in verschiedene britische Städte mit, machte dort Aufnahmen unter freiem Himmel und fügte Equipment aus der analogen Zeit ein – man darf gespannt sein, wie sich das auf sein Live-Set auswirkt.  „Es gibt Leute, die meine Musik massiv missbilligen. Andere akzeptieren alles, was ich mache. Ein Mittelding scheint es nicht zu geben“, hat der Wandersmann einmal festgestellt. Seine Landsfrau Ema Jolly, besser bekannt als Emika, macht es dem Publikum leichter. Ihre Musik ist wärmer, subtiler und weiblicher. Sie hat bisher zwei Alben veröffentlicht und befindet sich noch in einem Prozess der Entwicklung. Aber auch sie liebt den Wechsel. Auf ihrem neuen Album „Diva“ gibt es jetzt unterkühlte Electro-Stücke zu hören. Sie hat ein Faible für HipHop und R’n’B, was sich auch an der Wahl des früher bei Public Enemy eingespannten Hank Shocklee erkennen lässt. Sie hat „Wicked Game“ von Chris Isaak gecovert. Und sie versucht mit ihrer Musik eine Welt zu entdecken, die sie nicht genau kennt. Es ist die der ost-europäischen Länder unter besonderer Berücksichtigung der Tschechischen Republik, aus der ihre Mutter stammt. Mama hat sich nie getraut, in der Familie über ihre Vergangenheit als kritische Bürgerin in einem kommunistischen Staat zu reden. Emika will ihr mit Musik eine Stimme geben. Da  ist es schon erstaunlich, dass die Tochter ausgerechnet in der Silvesternacht auftreten wird, in der sensible Momente eher untergehen. Andererseits ist es in Berlin auch sonst unruhig genug. Sie wird wissen, was sie zu tun hat.

Text: Thomas  Weiland

Foto: Karen ven den Berghe

Clark, Emika u.?a., ?Gretchen, Di 31.12., 23 Uhr, ?VVK: 20 Euro zzgl. Gebühr

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