Konzerte & Party

Club NME im Magnet

Dinosaur-Pile-upLondon calling to the faraway towns“ heißt es in einem der bekanntesten Songs von The Clash. Leider war der „New Musical Express“ am Aufbau so einer Verbindung lange nicht interessiert. Man beschränkte sich darauf, eine Wochenzeitung zu machen und war glücklich, wenn sie auf dem heimatlichen Eiland reißenden Absatz fand. Diese Zeiten sind längst vorbei. Bequemlichkeit kann sich heute niemand mehr leisten, auch nicht die Macher des Klassikers unter den Musikgazetten. Das Internet macht auch ihnen schwer zu schaffen, die beiden Konkurrenzblätter „Sounds“ und „Melody Maker“ sind schon längst vom Markt verschwunden, und auch um den „NME“ gab es schon Gerüchte. Um weiterem Schaden entgegenzuwirken, treibt man in der Redaktion die globale Verbreitung des Markennamens voran. Hauptvehikel ist der Club NME. Er gas­tiert regelmäßig in jeder wichtigen britischen Stadt und beginnt sich allmählich auch darüber hinaus zu etablieren.

Nach New York, Los Angeles, Paris und Hamburg öffnet der Club seine Pforten nun auch zum ers­ten Mal in Berlin. Wie immer greift man dabei auf bestehende Strukturen zurück. In London findet der Club NME immer freitags in den Räumen des ehemaligen Camden Palace statt, der heute KOKO heißt. Das Berliner Gastspiel ist im Magnet angesetzt, wo die beliebte Indie-Rock-Reihe „Thursday’s Child“ zu Hause ist. Deren Erfolg und die unvermindert andauernden Triumphzüge des Karrera Klubs zeigen, dass man mit Auftritten (noch) unbekannter Live-Acts und Tanzpartys, die daran gekoppelt sind, in dieser Stadt nichts falsch macht. Die betreffenden Veranstalter wissen: An einem Abend gibt es dann oft mehr zu ent­decken als bei der schlecht konzipierten British Music Week vor einiger Zeit. Im Magnet werden Dinosaur Pile-Up auf der Bühne stehen, die gerade eine Single mit dem vielversprechenden Namen „My Rock­’n’Roll“ veröffentlicht haben und mit deutlichem Nirvana-Einfluss das Grunge-Revival vorwegnehmen. Wer weiß, vielleicht macht das Trio aus Leeds ja ähnlich Karriere wie die Kaiser Chiefs und Klaxons – beide Bands spielten vor ihrem Durchbruch auch beim Club NME.

nme_london Mindestens genauso wichtig ist der Teil des Abends, für den Mikey Four verantwortlich zeichnet. Der DJ ist seit drei Jahren Stammbeschaller des Club NME und übernimmt im Ausland schon mal die Rolle des Kulturbotschafters. Er spielt nicht nur branchenübliche Hits, die sich auch Berliner Jockeys in die Kiste stellen oder auf die Festplatte laden können. „Bitte nicht nach Oasis fragen“, lautet die ausdrückliche Anweisung auf seiner MySpace-Seite. Die Gebrüder Grimmig aus Manchester sind zwar immer noch eine „“NME“-Band, aber das gilt auch für zig andere Gruppen oder Künstler, die im Schatten der Großen stehen, aber meistens die besseren Songs haben. Ihnen widmet sich Mikey Four mit Vorliebe, ob sie nun Joe Lean and The Jing Jang Jong, Dan Le Sac vs. Scroobius Pip oder Vincent Vincent And The Villains heißen. Beruhigend ist es zudem, dass er sich nicht nur auf Gitarrenbands konzentriert. Grime-Galionsfigur Dizzee Rascal hat bei ihm genauso eine Chance wie Kanye West, Santogold, Rуisнn Murphy oder Jus­­tice. Eindimensionale Abende mit durch­gängigem Sound gibt es wahrlich schon genug, da muss man den DJ nicht extra einfliegen. Einen, der dem Publikum beibringt, wie man seinen Horizont erweitert und wie der heiße Stoff von heute und morgen klingt, aber schon.

Text: Thomas Weiland

Club NME mit Dinosaur Pile-Up (live) + NME- & Karrera-Klub-DJs, Magnet, Fr 16.1., 23 Uhr, AK: 6 Ђ, Tickets unter www.tip-berlin.de/tickets

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