Konzerte & Party

Club-Sterben? Muss nicht sein!

Club

Und dann war das große Leuchtschrift-„M“ plötzlich nicht mehr da. Ziemlich überraschend machte der Magnet Club in der Kreuzberger Falckensteinstraße Anfang September dicht. Clubsterben mal wieder, musste einem als erster Gedanke unweigerlich kommen. Aber bereits am 8. September, drei Tage später, öffnete an gleicher Stelle das Musik & Frieden seine Pforten. Nicht mit großem Brimborium, eine richtige Eröffnungsparty ist nach Abschluss der im laufenden Betrieb stattfindenden Renovierungsarbeiten erst für Dezember geplant. Aber doch mit einem kleinen Paukenschlag, denn neuer Betreiber ist Beat Gottwald, Manager von K.I.Z., Casper und Kraftklub sowie Inhaber der Konzertagentur Landstreicher Booking. Die Szene schüttelte ungläubig den Kopf. Warum hatte Vorbesitzer Andor Klippel diesen Ort weggegeben, hier an der Schnittstelle zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, in Laufnähe von S- und U-Bahn? Muss das nicht unweigerlich eine Goldgrube sein, ein Club, so mitten auf dem „Touri-Strich“, wie man die Gegend um Schlesische Tor auch gerne nennt, weil hier an guten Wochenenden die Besucher von Arena, Lido, Watergate, Magnet, Comet und Bi Nuu ihre Wegebiere durch die Gegend tragen.
MagnetGanz so lukrativ war es dort aber wohl doch nicht mehr, berichtet Neubetreiber Gottwald. Sei es, weil die Menschenströme von der Warschauer Brücke doch lieber den Weg rechts raus zum RAW-Gelände nehmen, oder auch, weil der Zauber der Zugereisten gerade ein bisschen am Verblassen ist. So sieht es auch Sascha Disselkamp, Besitzer des Sage Club und Vorstand in der Club Commission: „Es gibt schon Clubs, denen der Tourismus nutzt. Finanziell hilft dies sogar vielen, aber auf Dauer ist das natürlich nicht das, was der Clubbetreiber sucht – einen Besucher, der nur einmal vorbeischaut, auf dessen Ansprüche man sich also gar nicht einstellen kann.“
„Bei den Veranstaltungen, die wir hier zuletzt erlebt haben“, weiß Beat Gottwald, „war allenfalls ein Anteil von 30 Prozent Touristen, das ist nicht so sensationell hoch. Wer auf solch eine Klientel aus ist, der muss eh ein anderes Programm machen. Dann muss man einen Techno-Act aus Detroit aufs Wochenende buchen. Das erwarten die Leute, die mit Easyjet herkommen. Dann hast du Schlangen vor der Tür und wirst auch dein teures Bier noch los. Aber diese Leute kommen doch nicht für eine amerikanische Indie-Band ins Musik & Frieden. Da brauchen wir schon den interessierten Berliner, der darauf vertraut, dass in einem Club mit gutem Ruf auch eine gute Band spielt. Daran wollen wir arbeiten.“
Doch dieses Berliner  Publikum ist durchaus wählerisch – was man bei dem Riesenangebot an lokalen und internationalen Künstlern in der Hauptstadt auch nachvollziehen kann. Nicht zuletzt deshalb haben es die lokalen Konzertveranstalter wie Loft, Trinity oder New Berlin Concerts in den letzten Jahren auch verstanden, sich eigene Spielstatten als Pächter oder gar Eigentümer zu sichern, um so die Kosten entscheidend zu verringern. „Wenn du als örtlicher Veranstalter Konzerte mit 50, 60, 100 Leuten nicht in deinem eigenen Laden machen kannst, dann zahlst du nur drauf. Die Kosten für Anfahrt, Unterkunft, Gage und Clubmiete kriegst Du durch die Abendkasse nicht rein. Das trifft auf Newcomer zu und auch auf Special-Interest-Bands, die wir als Landstreicher gerne veranstalten. Um dies machen zu können, brauchst du einen eigenen Laden, bei dem Du auch an den Getränken verdienst und nicht noch Miete zahlst“, nennt Gottwald deshalb auch ein Motiv für sein Engagement im Musik & Frieden. Und natürlich den Wunsch, einen Club nach eigenem Geschmack zu stylen: „Viele Sachen sind ja beim Magnet schon gut gewesen. Aber man kann einen Laden zum Beispiel auch so gestalten, dass man sich auch nach dem Konzert dort noch gerne aufhält, um sein Bier zu trinken, um zu quatschen. Das haben wir nun vor.“
Und damit ist Gottwald in Berlin nicht allein…

Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen tip 21/15 auf den Seiten 12-15.

Text: Hagen Liebing

Fotos: Benjamin Pritzkuleit

Mehr über Cookies erfahren