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Berghain-Besuch: Diese Fehler solltet ihr drinnen nicht machen

Ins Berghain kommen ist schwer genug. Wer es zum ersten Mal geschafft hat, neigt zu Euphorie. Und kann viel falsch machen. Deshalb unser aus den kollektiven Erlebnissen der Berghain-affinen Ecke der tip-Redaktion zusammengestellter Guide: Diese Fehler solltet ihr im Berghain nicht machen.


Samstagnacht am Berghain anstellen

Endlich imn Berghain, an Türsteher Sven Marquardt vorbei – und dann alles falsch gemacht? Nicht mit uns. Foto: Imago/Contini

Es ist natürlich unglaublich prätentiös und sagt viel über die Menschen aus, die sich das erlauben können, aber: Die Sonntagnacht im Berghain verhält sich zur Samstagnacht ungefähr so wie Shuttle-Service zu Ringbahn. Je später die Klubnacht (geht von Samstag, 23.59 bis Montagmorgen bis -mittag), umso abenteuerlicher die Erlebnisse. Nicht, dass die Samstagnacht per se schlecht wäre, im Gegenteil. Es ist aber schon spürbar, dass man es mit Anfänger:innen und Besucher:innen zu tun hat. Oder eben mit Menschen, die ihren Lohnarbeit am Montag nicht mit Hangover und Comedown bewältigen können.


Keine Wechselkleidung dabei haben

Niemand erwartet, dass ihr euch im Winter zwei Stunden in der Schlange nnur mit Höschen und einem Harness Geschlechtsteile abfriert (speziell nicht die, die ihr drinnen noch braucht). Im Club wird’s dafür in Jeans schnell ziemlich heiß. Deshalb: Kurze Hose einfach drunter oder ins Handgepäck und an der Garderobe schnell umziehen. Und keine Angst, dass da kurzzeitig mal was zu sehen ist: Wer sich an einem Dödel oder ein paar Brüsten stört, sollte eh ganz schnell wieder umdrehen. Und noch ein Tipp: Zieht bloß bequeme Sachen an. Das Berghain ist kein Steh-Club, sondern ein Tanz-Club.


Die Berghain-DJs nicht kennen

Es gibt sie, die Geschichten, dass die Türbewachenden des Berghains gern mal wissen wollen, welche DJs denn so spielen. Das ist lustig, weil das Programm in der Regel an der Tür hinter ihnen hängt und man quasi on the fly ablesen kann, wer noch so auflegt. Wichtiger, sich vorher mal kurz mit dem Line-up zu beschäftigen, ist es, weil es sehr unterschiedliche Herangehensweisen an elektronische Musik im Berghain gibt. Wer mit der Annahme, Techno ist eben Techno an die Nummer herangeht, steht gern mal in einem verstörenden Basshagel oder experimentellen Soundcollagen, in deren Rhythmus man einfach nicht kommt. Klar, es gibt immer noch die Panorama Bar. Aber wer vorher ein paar Minuten investiert, weiß schon vorher, ob es passt.


Unnötigen Ballast mitbringen

Raus kommen sie alle irgendwann. Je weniger ihr mitgebracht habt, umso weniger könnt ihr verlieren. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Das bezieht sich einerseits auf irdische Besitztümer, andererseits auf belastende Bekannte. In Hinsicht auf materielle Dinge: Gebt einfach alles, was ihr nicht wirklich, wirklich braucht, direkt an der Garderobe ab. Je mehr Tineff ihr umherschleppt, umso mehr könnt ihr verlieren. In Hinsicht auf die Bekannten: Wer im Rudel reist, gerät oft in Abhängigkeiten („WIR gehen jetzt ma‘ ALLE zur Bar“) oder verbringt mehr Zeit mit Suchen als ein Pokémon-Trainer („Scheiße, hat in den vergangenen drei Stunden irgendwer irgendwo Lisa gesehen?“). Klar gibt es die Gruppen, die schon lange ihren Rhythmus gefunden haben. Oft ist aber erstaunlich, wie angenehm es ist, mal nur zu zweit oder gar allein ins Berghain zu gehen.


Sensationslustig sein

Was haben wir nicht alle für Geschichten gehört über das Berghain. Sex auf der Tanzfläche ist da noch eine harmlose Variante. Also nicht, dass die heftigeren Legenden nicht auch irgendwie mit Sexualtrieben zu tun hätten. Ihr versteht schon. In jedem Fall sollte niemand nur deshalb ins Berghain, weil er auf Storys auf, die er dann am nächsten Tag im BWL-Kurs kundtun kann. Erstens ist das alles oller Käse, zweitens ist es schlicht unsympathisch, das eigene Geschichtenrepertoire vor allem mit dem Exzess anderer auffüllen zu wollen.


Zu spät auf Toilette gehen

Klos in vielen Berliner Clubs werden nicht nur zur Erleichterung genutzt. Dass zwei, fünf, sieben Leute gleichzeitig in einer Kabine sind, hat andere Gründe. Da hilft nicht viel Schönfärberei: Manchmal haben Menschen in den Kabinen Sex, häufiger konsumieren sie darin Drogen. Leider verquatschen sich einige dabei oder zelebrieren den Vorgang mit biblischer Ruhe. Blöd für alle, die mal schnell einen Bob in die Bahn werfen wollen. Also: Lieber schon beim ersten Drücken losziehen und nicht erst, wenn der Stift schon malt.


Im Berghain mit Drogen experimentieren

Lily Allen hat mal getwittert, sie habe bei den Glamour Awards Koks und Ketamin vertauscht und sei dank einer zu großen Dosis von letzterem latent weggetreten gewesen. Securitys haben sie über den Zaun des Veranstaltungsortes gehievt, von vielen Paparazzi dokumentiert. Allens Hashtag zur Story? #noshame. Keine Schande für Fehltritte. Also: Ja, Drogen sind Mist. Nein, mal was ausprobieren ist nicht der Weltuntergang. Aber: Einfach irgendwas, möglicherweise noch von Fremden, nehmen, ist schlicht gefährlich. Im Zweifel auch schnell tödlich, wenn ihr zum Beispiel G (also GHB beziehungsweise GBL) auf ein paar Gin-Tonic draufkippt. Und auch, wenn Zuhause das Kokstaxi schon ein paarmal vorgefahren vorgefahren ist: macht langsam. Wenn es denn sein muss, tastet euch langsam ran, lernt euch kennen, habt vor allem Freund:innen dabei. Das kann wirklich alles ziemlich hässlich enden, also: Vorsicht. Zumal ihr euch vielleicht auch nüchtern noch im Spiegel angucken wollt.


Sich was aufs Berghain einbilden

Manchmal kommt man auch mit Ticket ins Berghain, zum Beispiel zu Konzerten wie hier Junglepussy. Foto: ImaghoVotos-Roland Owsnitzki

Beim Berghain und Clubkultur allgemein nur an Ballern und Bumsen zu denken und diese Meinung dann auch wahlweise auf- oder abwertend kundzutun, ist als Take ungefähr so fresh wie eine aufgeschnittene Avocado nach etwa 22 Sekunden. Abgrenzungsfetischismus nervt in beide Richtungen. Wer ins Berghain geht oder gehen will, ist in Berlin ungefähr so individuell wie die Musikauswahl großer Radiostationen („Wow, die spielen Ed Sheeran, DAS ist verrückt!“). Also: einfach machen oder eben nicht, beides sollte kein hauptsächliches identitätsstiftendes Merkmal sein.


Alles zu ernst nehmen

Nichts ist unerträglicher als Menschen, die aufgrund ihres Zuganges zu besonderen Orten das Gefühl vermitteln wollen, sie seien in irgendeiner Form besser. Das Berghain ist am Ende ein Techno-Club. Niemand sollte sein Glück davon abhängig machen, ob er da einkommt oder nicht. Es sind schon ganz andere gescheitert.


Zu wenig trinken

Wer stundenlang tanzt, schwitzt. Wer trinkt, schwitzt. Wer was genommen hat, schwitzt. Es ist durchaus üblich, am Wasserhahn im Berghain mal eben schnell die Flasche aufzufüllen. Macht das. Nicht nur dort, sondern bei jeder wilden Party. Verringert den Kater-Faktor und bewahrt euch im Zweifel davor, einfach zusammenzuklappen.


Zu spät gehen

Ruhe nach dem Sturm: Das Berghain im Nichtbetrieb. Foto: Imago/Pemax

Noch so eine Mutti-Nummer: Wenn ihr durch seid, seid ihr durch. Ist Wurscht, ob Boris erst in drei Stunden auflegt oder ob eure Freund:innen, die sieben Stunden nach euch kamen, noch so gut drauf sind. Gönnt euch das Ende, es wird eine neue Klubnacht geben. Wir haben sogar den Lockdown überstanden.


Tschüß sagen

Nein, ihr müsst nicht zu jeder Bar opfern und das gesamte Personal herzen. Beim Verlassen des Clubs mal kurz „Tschüß“ zu den Türstehern zu sagen, bricht keinen Zacken aus der Krone. Und ganz vielleicht erinnern sie sich ja sogar daran, dass da einer auch nach einer wilden Party noch halbwegs freundlich sein kann.


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