Kommentar

Darkroom dicht wegen Affenpocken: Problematisch oder notwendig?

Bei der Buttons, einer der beliebtesten queeren und sexpositiven Partyreihen der Stadt, hat es schon Ende Juni keinen Darkroom gegeben – um den Affenpocken Einhalt zu gebieten. Jetzt hat auch die nicht weniger beliebte Cocktail d’Amore beschlossen, den Darkroom vorerst zu beleuchten und der Party so eine wichtige Grundlage für anonymen Sex zu entziehen. Ein problematischer Schritt, findet unsere Autorin, aber wahrscheinlich ein notwendiger.

Bei der Buttons gibt es sonst immer einen Darkroom – dieses Mal nicht.
Affenpocken-Angst in Berlin: Bei der Buttons gibt es sonst immer einen Darkroom – dieses Mal nicht. unsplash/David Jackson

Affenpocken-Hotspot Berlin: Die Buttons zieht Konsequenzen

Erst die Corona-Pandemie, dann gleich noch eine neue Seuche, obendrein eine, zu deren Symptomen unansehnliche, vulkanartige Pickel gehören – das hatte der krisengeschüttelten Menschheit gerade noch gefehlt. Die – noch so genannten – Affenpocken breiten sich aus, die WHO diskutiert darüber, eine „Notlage internationaler Tragweite“ zu empfehlen und Berlin ist Hotspot in Deutschland.

Die Partyreihen Buttons und Cocktail d’Amore, queer und sexpositiv, haben Konsequenzen gezogen. Bei den nächsten Partys wird es erstmal keinen Darkroom geben, den Raum also, der neben dem Dancefloor sowas wie der Nukleus sexpositiver Partys ist. Affenpocken verbreiten sich nach bisherigen Erkenntnissen durch engen Kontakt: durch Berührungen, Speichel, Atemwegsflüssigkeiten, wahrscheinlich auch durch Sperma und Vaginalsekret. Eigentlich klar, dass sie sich besonders schnell in Berlin ausbreiten, wo besonders viele Menschen in Clubs feiern und dort oft auch Sex haben, häufig mit wechselnden Partner:innen.

Fakt ist, dass nicht nur, aber doch zu einem großen Teil homosexuelle Männer diesen Partystil pflegen. Die Affenpocken sind eh schon eine Krankheit, die viel Angriffsfläche für Diskriminierung bietet. Zum einen wegen des Namens. Zum anderen, weil die starke Verbreitung unter homosexuellen Männern wie bei der HIV/AIDS-Epidemie zu Stigmatisierung führen kann, und außerdem dazu dass sich straighte Menschen gar nicht erst als gefährdet wahrnehmen.

Die Gefahr von „Slut Shaming“ besteht

Mit Maßnahmen wie jener der Buttons besteht die Gefahr, dass noch ein weiteres Stigma dazu kommt: nämlich, dass Menschen als „Schlampen“ gebrandmarkt werden, nur weil sie ihre Sexualität freizügig ausleben, „Slut Shaming“ also.

Das Team der Buttons ist sich dessen bewusst und hat in seiner Instagram-Story zum Thema darauf hingewiesen, dass sie genau das nicht tun wollen. Aber geht das überhaupt, wenn man den Darkroom kurzzeitig abschafft, die Verkörperung sexueller Freizügigkeit schlechthin?

Wahrscheinlich nicht. Andererseits ist eine neue Epi- oder Pandemie das Letzte, was die Clubszene und Partyreihen wie die Buttons gebrauchen können, mal ganz abgesehen von den weiterhin stark beeinträchtigten immungeschwächten Menschen. Der Schritt der Buttons ist deswegen eine besonders bittere Pille für alle, die gerne den Darkroom aufsuchen – aber wahrscheinlich eine, um die man nicht herumkommt. Außerdem haben zumindest die Veranstalter der Cocktail versichert, dass diese Maßnahme wieder aufgehoben wird, wenn das Infektionsgeschehen mehr unter Kontrolle ist.


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