Statt Ausgehen

Die kleinste Party der Welt: So macht ihr eure Wohnung zum Club

Die Hoffnung, dass wir zeitnah wieder in Clubs gehen können, ist gering. Auch mit Impfbeginn wird es noch einige Zeit dauern, bis wir wieder ins Berghain und Co. können. Macht aber auch nichts: Wir können auch Zuhause feiern. Einfach mal die Watergate-Playlist aufdrehen und im Berghain-Shirt aus Sisy-Gläsern trinken. Geht alles! Und macht sogar alleine Spaß.

Sumiko Iwamuro ist Japans wohl älteste aktive DJane, mehr als 80 Jahre alt. Es ist also für euch auch noch nicht zu spät. Foto: Scherer

In den Rhythmus kommen mit der Berghain-Playlist

Das Berghain hat eine Playlist-Serie gestartet und wie bestellt zum zweiten Shutdown die zweite Folge herausgebracht. DJ Stingray aus Detroit hat dafür eine „Transatlantic selection of deep, futuristic and industrial dancefloor funk“ zusammengestellt. Die könnt ihr bei allen gängigen Portalen finden, von Spotify bis Tidal, oder euch im Buy Music Club auch in bester Qualität kaufen. Schon direkt zum Start holt euch „Ghetto Trash“ von Alavux und JJMC ab und nimmt euch auf knapp drei Stunden Tanzreise mit. Die wunderbare Boros-Ausstellung im Berghain liegt übrigens erstmal auf Eis. Immerhin: Pünktlich zu Weihnachten ist der Katalog zu „Studio Berlin“ erschienen.


United We Stream ist pünktlich zurück

Wer seinen DJs lieber bei der Arbeit zuschaut anstatt nur Playlists zu hören, kann sich freuen: Das Projekt United We Stream wurde pünktlich wiederbelebt. Heißt: Wir können wieder zuschauen, wie unsere liebsten DJs in unseren liebsten Clubs Musik für uns machen – wenn auch nur auf digitalem Wege. „Im Vordergrund stehen die Künstler*innen und die Menschen hinter der Bühne, die das Nachtleben mit Leidenschaft zu dem machen, was es ist und Clubkultur überhaupt erst ermöglichen“, heißt es von der Clubcommission Berlin. Und wie immer sind die Zuschauer*innen angehalten, nach Möglichkeit ein paar Groschen (oder mehr) für die darbende Szene dazulassen. Infos dazu gibt es auch direkt bei #UnitedWeStream.


Selbst machen? DJ-Equipment gehört zum guten Ton

Club-Feeling zuhause: Schätzungen zufolge arbeitet jeder Fünfte in Berlin an einer DJ-Karriere. Foto: Dal Moro
Schätzungen zufolge arbeitet jeder Fünfte in Berlin an einer DJ-Karriere. Foto: Dal Moro

Kaum eine WG oder eine ranzige Raver-Neukölln-Butze, in der nicht irgendwo in der Ecke ein DJ-Controller steht. Das schöne an Berlin ist ja auch, dass hier jede*r träumen darf. Von der Karriere an den Turntables zum Beispiel. Und solange hier an jeder Ecke ein Geburtstag oder ein Busch-Rave gefeiert wird, braucht man sie ja auch, diese Träumer, von denen manche ja auch irgendwann Karriere machen. Wichtig ist vor allem ein gutes Equipment. Sehr populär ist dafür JustMusic – mit Online-Shop.

  • JustMusic Berlin FlagShipStore Oranienstraße 140-142, Kreuzberg, Mo.–Fr. 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr,  030/88 77 55 00

Lieber doch erstmal andere machen lassen? Der Katercast hilft weiter

Kater Blau · KaterCast 46 – Britta Arnold – Heinz Edition

Das Kater Blau hat nicht nur eine Compilation im ersten Lockdown veröffentlicht, um den Leuten ein bisschen Sause zuhause zu liefern. Sondern auch einen Katercast, einen Kater-Podcast also, falls das nicht offensichtlich war. 46 Folgen gibt es es derzeit, die letzte vom Oktober. Selbst, wenn keine neue käme, wären wir damit wohl erst einmal eine Seite versorgt. Alle Folgen hier.


Lesen bildet: Ein bisschen Hintergrundwissen zur Club-Welt schadet nie

Am liebsten würden wir euch natürlich den Katalog zu der tollen C/O-Ausstellung „No Photos on the Dance Floor“ empfehlen, weil, haha, da lauter Fotos von Tanzflächen drin sind. Leider nur noch zu Mondpreisen bei eBay erhältlich. Man kann nicht alles haben.

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Kleine Einblicke gibt es zum Beispiel auch beim griechischen Fotografen Sypros Rennt, der die vor allem queere Welt Berlins in herrlich ungestellten Fotos beim Exzess im Club oder bei der Afterhour oder am griechischen Strand fotografiert. Nicht immer jugendfrei, dafür eine sehr präzise Momentaufnahme. Entsprechend heißen die Werke in seinem Shop auch „Another Excess“ und „New Demons“, zum Beispiel.

Wer die Berliner Club-Welt von Grund auf begreifen will, kann mit „Der Klang der Familie: Berlin, Techno und die Wende“ von Felix Denk und Sven von Thülen nicht viel falsch machen. Darin kommen von DJs bis Szenegestalten alle zu Wort, die den Aufbruch nach dem Mauerfall miterlebten.


Die andern können alle nichts: Eigene Platten kaufen

Über Geschmack lässt sich streiten. Aber ihr legt ja für euch auf. Foto: tipBerlin

Ist ja schön und gut, was die anderen euch so entgegenballern in ihren Playlists. Aber so richtig zündet das alles nicht. Weil es nun leider so mega unsexy ist, Spotify anzuwerfen, wenn man richtig Gas geben will, empfiehlt sich eine Plattensammlung. Fündig werdet ihr in den diversen Berliner Plattenläden, von denen einige auch Online-Shops haben. Egal ob gebraucht oder neu, Jazz oder Hardcore, irgendwer wird die Scheibe zum Glück schon für euch haben.


Merch für alle: Stilecht trinken (und andere Dinge)

Glas oder Poster vom Sisyphos. Gibt es alles, hilft jetzt doppelt. Foto: shopyphos.com

Wer seinen Club zu arg vermisst, hat Glück, ein paar Berliner Clubs machen ihre Popularität auch in Form von Merchandising zu Geld, was vor allem in der Krise allen Beteiligten hilft. So bechert ihr euch zum Beispiel einen aus Sisyphos-Gläser, während ihr die passende Kette und den Turnbeutel tragt.

Berghain- und Ostgut-Shirts gibt es im Berghain-Shop. Foto: berghain.de

Der Berghain-Shop bietet euch zum Beispiel neben T-Shirts auch einen Fanschal. Und wer die heiligen Technohallen lieber seitlich in Richtung lab.oratory betritt, kann sogar den passenden Jockstrap erstehen.

Im Latitude-Shop gibt es Griessmühle-Merch. Eigentlich. Foto: latitude-berlin.de/

Der neuste Stern am Club-Himmel ist zwar eigentlich ein alter – die Griessmühle nämlich. Das „Revier Südost“ in Schöneweide startete entsprechend stark in die – beschränkte – Open-Air-Saison. Und weil die Fans eine treue Gemeinschaft sind, ist der erste Schwung Merch inklusive Griessmühle-Maske auch schon wieder weg. Am besten den Shop im Blick halten, irgendwann wird sicher nachgeliefert.


Direkt beim Label kaufen: Vinyl von Ostgut bis Tresor

Einige Berliner Clubs haben inzwischen (oder schon ewig) eigene Labels. Etwa der Tresor. Das Berghain hat weiter Ostgut Ton, dazu A-TON und Unterton – in der Regel trifft auch hier alles zumindest immer den richtigen Ton. Weiter könnt ihr zum Beispiel mit den Künstler*innen des Watergate-Labels feiern. Auch das Sisyphos hat ein paar Platten im Angebot.

Das tolle: Viele Labels bieten ihre Releases auch auf Spotify an, falls ihr doch keinen Plattenspieler (oder kein Geld mehr) habt.


Ihr braucht Gäste? Schnitzt euch welche

Mit Björk ins Bad, damit es sich ein bisschen wie im Club anfühlt. Foto: tipBerlin

Zwei Haushalte und dann auch zehn Personen maximal – das sind derzeit die Corona-Regeln. Wenn die Butze dann einfach leer aussieht, hilft nur eins – was wir spätestens seit „Kevin – Allein zu Haus“ wissen: Ein paar Pappaufsteller bringen Leben in die Bude. Redaktionstipp: Cut Out Me, die aus Hannover versenden – hier haben wir zum Beispiel unse rauschgoldschöne Björk. Aber auch Anbieter wie Druckzilla und Meine Pappfigur drucken euch (fast) alles und alle, was beziehungsweise die ihr wollt. Kosten je nach Größe. Einen lebensgroßen Sven Marquardt kriegt ihr für um die 60 Euro, kleinere Schnitte auch günstiger.


Doch im Club: KitKat für Zuhause

Club-Feeling zuhause: Das KitKat hat einen Streaming-Member-Dienst und einen Etsy-Shop – hier gibt es definitiv das passende Zubehör für den Privatclub. Foto: etsy/KitaKatShop
Das KitKat hat einen Streaming-Member-Dienst und einen Etsy-Shop – hier gibt es definitiv das passende Zubehör für den Privatclub. Foto: etsy/KitaKatShop

Wer es nicht aushält, zumindest irgendwie zu einem besonderen Kreis zu gehören, kann sich dem KitKatClub TV anschließen. Anders als sonst darf da zwar online jede*r rein. Zehn Euro Eintritt kostet es (oder mehr, wer mag und kann), um auf der Website alle möglichen Streams aus der Vergangenheit und Gegenwart sehen zu können – es gibt regelmäßig neue. Ergänzend dazu findet man einen schönen Etsy-Shop für Drucke, Accessoires und sogar einen echten Teil des Clubs, das „Life is a Circus“-Schild als Replik. Damit macht ihr euren Heimclub definitiv einzigartig. Und wer unbedingt ins KitKat will: Derzeit ist der Club Corona-Teststelle.


Discokugel und ein bisschen Licht fürs Club-Feeling zuhause

Club-Feeling zuhause: Auch zu zweit kann man feiern – Diskokugeln gibt es auch zum Leihen. Foto: Imago Images/Westend61
Auch zu zweit kann man feiern – Diskokugeln gibt es auch zum Leihen. Foto: Imago Images/Westend61

Eure alte Neonröhre in der Küche hat den Charme eines OP-Saals und das Licht im Wohnzimmer flackert in allen möglichen Rhythmen, aber nicht dem passenden? Dann investiert in euren Privatclub. In Berlin gibt es ein paar Shops, die sich auf Partylicht spezialisiert haben. Das Gute: Wenn die Einschränkungen irgendwann vorbei sind, könnt ihr eure Freund*innen mit eurer formidablen Lichttechnik beeindrucken. Wer nicht so viel investieren will, kann auch mieten. Drei Vorschläge, damit das Zuhause wie der Club leuchtet:

  • Popella Licht- und Tontechnik Volkmarstr. 1-7, Halle D, Tempelhof, Mo-Fr 11- 18 Uhr, Tel. 030/751 66 53, Website
  • Discokugel-Shop Website
  • BMUsik Veranstaltungstechnik GmbH & Co. KG Sportfliegerstraße 6, Schöneweide, Mo-Fr 9-17 Uhr, Sa nach Absprache, 030/536 07 22-0, Website

Hat alles keinen Sinn? Bucht euch doch das Sisyphos

Club-Feeling zuhause: Dicht. Wieder. Bis zuletzt hatte es nette Freiluftpartys gegeben, aber auch damit ist nun erstmal Ente, äh, Essig. Foto: Imago/Emmanuele Contini
Dicht. Wieder. Bis zuletzt hatte es nette Freiluftpartys gegeben, aber auch damit ist nun erstmal Ente, äh, Essig. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Im Rahmen des Crowdfundings hat das Sisyphos das einmalige Angebot, einen der Floors zu buchen. Natürlich unter strikten Bedingungen – entsprechend der aktuellen Corona-Verordnung. Gibt es für 2021 zu mehreren Terminen und kostet 133 Euro pro Stunde. So kann man zumindest ein bisschen Club-Feeling erleben – wer seinen USB-Stick anschließen darf, solltet ihr aber vorher klären. Die Aktion heißt übrigens „Gott des Donners“, Vorgaben, was gespielt werden darf, gibt es nicht. Vielleicht endlich mal Sarah Connor im Sisy? Wie ihr wollt.


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Die Clubcommission hat sich kürzlich für Soforttests an der Clubtour ausgesprochen. Bis zuletzt hat Corona die Party-Laune in der Hauptstadt kaum beeinflusst. Und auch eine Realität: In Berlin kommt das Koks per Taxi nach Hause.