Nachtleben

Club-Öffnungen in Berlin? Clubcommission stellt Sechs-Punkte-Plan vor

Seit einem Jahr steht das Nachtleben in Berlin weitestgehend still. Können Club-Öffnungen in Berlin in der Pandemie irgendwann wieder gelingen? Die Clubcommission stellt einen Sechs-Punkte-Plan vor, um in Zukunft sichere Veranstaltungen anbieten zu können.

Der Schriftzug „Morgen ist die Frage“ des Künstlers Rirkrit Tiravanija an der Berghain-Fassade. Können Clubs bald wieder öffnen? Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Keine Pleitewelle bisher – neue Perspektiven für Club-Öffnungen in Berlin?

300 Mitglieder hat die Berliner Clubcommission, der zentrale Verband des Berliner Nachtlebens. Das allerdings findet derzeit nicht statt, die Clubs und Kulturlocations in der Stadt feiern zwölf Monate nach dem ersten Lockdown keine Partys, sondern einen traurigen Jahrestag.

Dass es noch nicht zu einer großen Pleitewelle gekommen ist, liegt an den Soforthilfeprogrammen von Bund und Land, an Darlehen und an der Spendenbereitschaft der Clubgänger*innen. Das Clubsterben scheint bisher abgewendet, bei den Mitgliedern der Clubcommission ist noch keine endgültige Schließung zu beklagen. Nur die Tanzflächen der Clubs, die sind eben leer, wie ein Fotoband zeigt.

Pilotprojekt, um Teststrategie zu testen

Wie können Club-Öffnungen in Berlin gelingen? Der Verband ist auf der Suche nach Perspektiven. Eine davon ist das „Pilotprojekt Testing“: Ab 19. März finden ausgewählte Kulturveranstaltungen statt, um Abläufe zu prüfen und Möglichkeiten auszuloten. Auch die Clubcommission beteiligt sich und bietet in Kooperation mit dem Holzmarkt ein Event im Säälchen am 27. März an.

Das Projekt soll als Bewährungsprobe für Berlins Schnelltest-Strategie dienen: Einlass ist nur möglich mit tagesaktuellem negativen Antigen-Schnelltest. Die Testpflicht gilt für das Publikum genauso wie für alle Mitwirkenden an der Veranstaltung. Im April werden die Daten zusammen mit der Senatsverwaltung für Kultur und Europa ausgewertet, auf dieser Grundlage soll ein Szenario zur Club-Öffnung entwickelt werden. „Das ist ein kleiner aber wichtiger Schritt, um nach einem Jahr wieder eine Perspektive für die gesamte Branche schaffen zu können,“ so Clubcommission-Vorsitzende Pamela Schobeß.

Sechs-Punkte-Plan für Clubs

Eine generelle Club-Öffnung bedeutet das Pilotprojekt indes nicht. Aber es fügt sich ein in den Sechs-Punkte-Plan für sicheres Nachtleben, den die Clubcommission vorgestellt hat. Neben Schnelltests gehören Online-Portale und Apps, die Nutzung von Grünflächen sowie Konzepterprobung bei Testveranstaltungen zur Strategie. „Die nächsten Monate werden für uns weiterhin eine große Herausforderung sein, aber zumindest haben wir nun eine Perspektive“, so Lutz Leichsenring von der Clubcommission, der zudem auf die Ausschöpfung von Ermessensspielräumen der Verwaltung hofft. Die einzelnen Punkte des Plans sind

  • Risk-Management-Planung: Angedacht ist eine zentrale Plattform mit Informationen zu Hygienekonzepten und aktuell gültigen Verordnungen.
  • Smart Apps und Technologien: Einlasskontrollen sollen standardisiert und mit Apps verwaltet werden. Auch für Informationen zu Schnelltestergebnissen soll es technologische Lösungen geben.
  • Sonderregelungen und Pilotveranstaltungen: Weitere Events wie das Konzert im Säälchen sollen als Testveranstaltung stattfinden – in Clubs und auf Grünflächen. Öffnungszeiten bei Außenflächen sollen flexibel gestaltet werden können.
  • Monitoring: Systematisches Erfassen von Kennzahlen, wenn es Club-Öffnungen gibt. Dazu gehören die Erfassung von Besucher*innenzahlen, Befragungen über das Ausgehverhalten und der Überblick über die wirtschaftliche Situation der Veranstalter*innen und Club-Betreiber*innen.
  • Wissenschaftlicher Austausch: Der fünfte Punkt des Plans sieht die Beteiligung an Forschungsprojekten zur Entwicklung von Innovationen vor.
  • Informationskampagne: Für Club-Öffnungen in Berlin sieht die Clubcommission multimedial vermittelte Infos über die verantwortungsvolle Teilnahme an Events vor.

Wie Club-Öffnungen in Berlin funktionieren können, haben die Veranstalter*innen im vergangenen Jahr erprobt. Im Sommer wurden zahlreiche Außenflächen als Biergärten genutzt und Open-Air-Events organisiert. Der Sechs-Punkte-Plan der Clubcommission könnte dazu dienen, solche Events besser zu koordinieren und mit digitalen Lösungen schneller auf Verordnungen, Einschränkungen und das Infektionsgeschehen zu reagieren.


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