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Club-Update: Lecken im ÆDEN, Allein im Mensch Meier, CTM im Revier Südost

In Berlins Clubs ist Frühling. Draußen lassen der Mai, die saftig grünen Blätter, die vielen Sonnenstunden, die milde Luft den Endorphinspiegel steigen. Drinnen (und in den Club-Gärten) tanzen wir in den Sonnenaufgang. Auch dieses Wochenende stehen mal wieder verlockende Partys an, die Lecken im ÆDEN zum Beispiel, eine der wenigen Partys mit explizitem FLINTA-Fokus, oder die Partyreihe Allein im Mensch Meier, wo nur die reinkommen, die allein unterwegs sind. Welche Partys sich noch lohnen, drinnen und draußen, erfahrt ihr in unserem Club-Update.


Lecken im ÆDEN

Das ÆDEN ist einer der jüngsten Clubs Berlins – aber schon einer der beliebtesten. Foto: Luka Godec

Berliner Raves im Allgemeinen und queere Partys im Besonderen sind voll von gut aussehenden Menschen in sorgfältig zusammengestellten Outfits und einzigartigem Style. Partymacher:innen und Gäste geben sich Mühe, so inklusiv wie möglich zu sein und jegliche Diskriminierung zu unterbinden – auch gegenüber älteren Mitfeiernden.

Aber Schönheit ist vergänglich und das schwindende gute Aussehen, die Komplimente, die weniger werden könnten für das Selbstbewusstsein des einen oder der anderen zum Problem werden. Da hilft es, wenn die Community einen auffängt. Wenn sie einem auch während des Älterwerdens ein sicheres Netz und Zuhause bietet. Genau das ist das Ziel der Lecken am Freitag im ÆDEN. Das queerfeministische Kollektiv wird sechs Jahre alt und feiert seinen Geburtstag unter dem Motto „Let’s get ancient together“.

Dazu hat Lecken ein paar der interessantesten DJs der Stadt eingeladen – und Moesha 13 aus Marseille für ein Liveset. Moesha 13 singt, legt auf und produziert, mischt Rap mit schnellem harten Techno, Atlanta HipHop mit Gabber. Später legen unter anderen Emergent-Bass-Veranstalterin Sarah Farina und Slic-Unit-DJ Yung Wumb.

  • ÆDEN Schleusenufer 3, Kreuzberg, Fr 27.5. ab 23 Uhr

Allein im Mensch Meier

Viel ist nicht los im Nordosten des Prenzlauer Bergs – außer natürlich im Mensch Meier. Foto: Imago/tagesspiegel

So gut sie auch waren: Es ist schwierig, sich nach Jahren im Detail an einzelne Partys zu erinnern. Meistens vermischt sich in der Retrospektive alles zu einem Wust, vielleicht, weil man meistens mit derselben Crew in höchstens unterschiedlicher Besetzung unterwegs ist, vielleicht wegen des Rausches. Verlässt man aber die eigene Komfortzone, prägen sich Erinnerungen gleich viel mehr ein.

Das funktioniert, wenn man sich auf Partys eine zeitlang vom Freundeskreis loseist und sich alleine durch die Clubnacht treiben lässt und erst Recht, wenn man von vornherein allein loszieht. Die perfekte Gelegenheit dafür tut sich am Wochenende im Mensch Meier auf: Bei der Partyreihe „Allein“ kommen, Überraschung, nur Menschen in den Club, die allein unterwegs sind. Den Soundtrack zum Tanzen und neue Leute kennenlernen liefern alte Bekannte aus Berliner Clubs und von Festivals.

  • Mensch Meier Storkower Straße 121, Prenzlauer Berg, Fr 27.5. 23 Uhr bis So 28.5. 10 Uhr

CTM im Revier Südost

Die alte Bärenquell-Brauerei wurde im Sommer 2020 zum Revier Südost. Foto: Imago/Pop-Eye

It’s that time of the year again: Vom 24. bis zum 29. Mai findet die zweite Hälfte des CTM Festivals 2022 statt, das in diesem Jahr coronabedingt in zwei geteilt wurde. Wir freuen uns, denn: Berlin fördert Kreativität und zieht Pioniere elektronischer Musik, keine Frage. Manchmal gerät das aber angesichts von tagelangen Partys und ekstatischem Rausch in den Hintergrund, vor allem, wenn man selbst nicht produziert oder auflegt. Das Festival bietet Gelegenheit, sich ins Gedächtnis zu rufen, was für ein Magnet die Stadt für Kreative ist – gerade für diejenigen, die sich im Feld elektronischer Musik bewegen und gerade während dieser Tage.

Wie immer ist das Festival die perfekte Gelegenheit, in immersive Soundscapes abzutauchen – oder sich auf abwechslungsreiche musikalische Reisen zu begeben, zum Beispiel mit Koloah, der einen mit seinen Synth-Pads mal in Science-Fiction-Welten entführt, mal in sakrale Sphären hebt. Koloah tritt in dieser Nacht vor und nach einer Reihe ukrainischer Künstler:innen auf, denen das CTM eine Bühne gibt.

Oder man geht mit Slimgirl Fat und SENU von Slic Unit auf Reise, die nicht viel auf Genre-Grenzen geben und auch nicht auf die Dominanz elektronischer Musik in Berlin. Zum ersten Mal macht das CTM im Revier Südost Station – dort spielen auch Koloah und die beiden Vertreterinnen von Slic Unit.

  • Revier Südost Schnellerstraße 137, Niederschöneweide, Sa 28. 5. ab 22 Uhr, Tickets und vollständiges Programm des CTM Festivals hier

Toy Tonics Jam im Zenner

Direkt an der Spree liegt der Zenner und damit auch die beste House- und Disco-Party des Wochenendes. Foto: Janek Grahmann

Nach der ersten Party des Berliner House- und Disco-Labels Toy Tonics gab es eigentlich nur eine Schlussfolgerung, nämlich: möglichst bald muss es eine zweite geben. Kein Wunder, schließlich funktionieren Disco und House immer. Am Freitag ist es soweit und zwar wieder im Zenner, der neuen Partylocation, in der man bei der Tanzpause mal kurz hinter einen der schweren Vorhänge schlüpfen kann und ein bisschen auf die Spree blicken kann.

Im altehrwürdigen Tanzsaal des Zenners feierten schon Ende des 19. Jahrhunderts die Teilnehmer:innen des Stralauer Fischzugs, der so etwas wie die Love Parade früherer Zeiten war, bis der Putz von der Decke rieselte. Unter anderen spielen Louie und Anatole von Parcels, der Band, die es wie kaum eine andere versteht, gute Laune in funky Synth-Pop zu packen. Wir verlosen 3×2 Tickets für den Toy Tonics Jam im Zenner. Um teilzunehmen einfach eine Mail bis Freitag, den 27. Mai um 12 Uhr eine Mail an [email protected] schicken.

  • Zenner Alt-Treptow 15, Alt-Treptow, Fr 27.05. 22 Uhr bis 6 Uhr, reguläre Tickets gibt es hier

About Feminism im About Blank

Warum braucht es einen Vatertag, wenn die meisten Väter in unserer Gesellschaft im Vergleich zu Müttern noch immer ein entspanntes Leben fristen und viel mehr Privilegien genießen? Wieso ist es gesellschaftlich akzeptiert, dass versoffene Männerhorden an diesem Tag durch die Stadt und übers Land marodieren? Diese Frage wirft die Crew des About Blank jedes Jahr (wenn nicht gerade pandemie-bedingter Lockdown ist) an Himmelfahrt in die Stadt – und schmeißt eine Party drauf. Es gibt feministische Überraschungen, Lesestoff, Snacks und ein ausgewähltes Line-Up voll weiblicher und queerer Power, darunter zum Beispiel Meg10 von den Hoe Mies und Amperia von der Partyreihe Autopoiesis.

  • About Blank Markgrafendamm 24c, Friedrichshain, Do 26. 5. 14 Uhr bis 27. 5. 6 Uhr

Loyoto’s Sunday Service im Heideglühen

Egal, ob die Chef:innen einem einen Brückentag gegönnt haben oder nicht: Am Sonntag ist das lange Wochenende für die allermeisten von uns vorbei. Das ist aber kein Grund, am Sonntag nicht noch einmal ein wenig zu tanzen. Das geht zum Beispiel bei Loyoto’s Sunday Service im Heideglühen, Berlins liebstem Bretterbuden-Club auf der Grenze zwischen Wedding und Moabit. Da gibt es am Sonntag Loyoto’s Sunday Service funky DJ-Sets, außerdem wird’s ein wenig verrückt, wenn man sich und seine Beziehung von Berlins Party-Agnostiker-Kirche „The Holy Church of Phonk“ segnen lassen kann, deren Mitglieder Nichts anbeten außer Musik und Kunst. Wir haben die Holy Church Of Phonk noch nie in Aktion erlebt, erzählt uns gerne wie es war.

  • Heideglühen Seestraße zwischen Plötzensee und Beusselstraße, So 29.5. 14-22 Uhr

HÖR-Party in der Else

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Feiern zwischen Spree und Ringbahn: Viel Berlinerischer als in der Else kann man draußen gar nicht raven. Foto: Imago/POP-EYE/Ben Kriemann

Wenn etwas in den vergangenen Jahre die Berliner Partyszene aufgemischt hat, dann ist es die Plattform HÖR. Den Youtube-Kanal gibt es seit Sommer 2019, richtig durch die Decke gegangen ist er aber, als die Pandemie begann, die Clubs schlossen, DJs ihr Publikum und die Partyleute ihre Wochenendbeschäftigung verloren. HÖRs Konzept ist einfach: Eine Kamera nimmt DJs dabei auf, wie sie auflegen.

Sie stehen dabei in einem weiß gekachelten Miniraum an der Hasenheide. Manchmal guckt die Entourage der DJs von draußen durchs Schaufenster, das Gros der Zuschauer:innen aber schaut online zu. Bei HÖR haben schon die großen Stars des Techno- und House-Universums gespielt: Berghain-Liebling Boris, Nina Kraviz, Courtesy, Ellen Allien mit Hector Oaks. Die Liste könnte noch lange weitergehen.

HÖR war während der Pandemie für viele Strohhalm an den sie sich klammern konnten, eine letzte Verbindung zum Leben vor der Krise, zu durchtanzten Nächten und einer Community. Der Kanal hat aber noch mehr getan: Er hat aufstrebenden Berliner DJs eine Plattform geboten und so die Szene diverser, abwechslungsreicher, interessanter gemacht.

An Himmelfahrt begeben sich die HÖR-Macher das erste Mal von ihrer gekachelten Streaming-Box in die nicht-virtuelle Partywelt und veranstalten eine HÖR-Party in der Else. Das Line-up ist erst teilweise bekannt, sicher ist aber, dass zum Beispiel MCR-T und DJ Gigola des Avantgarde-Labels Live From Earth auflegen.

  • Else An den Treptowers 10, Alt-Treptow, Do 26.5. 14 Uhr bis Fr 27.5. 6 Uhr, Tickets hier

Die Bar25 ersteht für ein Wochenende wieder auf

Der Holzmarkt steht da, wo früher die legendäre Bar25 war. Foto: Holzmarkt 25/Studio Eyecandy

Zu den legendärsten Clubs Berlins in den 2000ern und wohl auch überhaupt gehört auf jeden Fall die Bar25. Ihr Nachfolger, der Holzmarkt, der lange nicht nur Club, sondern auch Genossenschaft, Ort für Theater und Kino ist, einen Biergarten und eine Kita beherbergt, feiert zehn Tage lang zehnjähriges Bestehen. Es soll Lesungen und Diskussionen, Filmvorführungen und einen Kinderpiratentag geben. Was für diejenigen, die die Bar 25 vermissen und diejenigen, die sie gerne miterlebt hätten, aber wahrscheinlich am wichtigsten ist: Der Holzmarkt baut die Bar25 originalgetreu wieder auf und bespielt die Floors – so wie früher – tage- und nächtelang.

  • Holzmarkt Holzmarktstraße 25, Friedrichshain, Sa 28.5.-Mo 30.5.

Das Ohm macht bald wieder auf

Es ist eine Nachricht, auf die Fans von Mess, Multisex und vielen anderen Partyreihen lange gewartet hatten: Das Ohm öffnet wieder. Nachdem am vergangenen Wochenende der Tresor viel später als alle anderen Clubs wieder geöffnet hatte, macht bald auch sein Schwesterclub wieder auf. Das bedeutet: Es gibt wieder heiße Partys in dem weiß gefliesten Raum mit einer der besten Anlagen der Stadt. Datum der Wiedereröffnung ist Freitag, der 3. Juni. Viel mehr ist noch nicht bekannt, aber allein diese Nachricht lässt unsere Herzen höher schlagen.

  • Ohm Köpenicker Straße 70, Mitte

50 Jahre tipBerlin: 50 Jahre Kunst, Konzert und Club im Zenner

Hier steigt unsere Jubiläumsparty: im Zenner am Treptower Park. Foto: Janek Grahmann

Seit 50 Jahren sagt euch der tipBerlin, was in der Stadt passiert. Am 18. Juni feiern wir im Zenner unseren Geburtstag – mit jeder Menge Kunst, Musik und Clubkultur, ein besonderes Fest in besonderer Kulisse. Jim Avignon macht ein Live-Painting, der Berliner Soul Musiker Lie Ning spielt live und House-Legende DJ Hell legt auf. Das Nachmittagsprogramm im Biergarten ist kostenlos – kommt einfach im Zenner vorbei. Für die Konzerte und die Clubnacht braucht ihr ein Ticket. Alle Infos zur tipBerlin-Jubiläumsparty und den Link zu den Tickets gibts hier.

  • Zenner Alt-Treptow 15, Alt-Treptow, 18.6. ab 17 Uhr

Mehr zur Clubszene in Berlin

Die Berliner Clubszene hat eine lange Geschichte. Wir zeigen euch legendäre Clubs und Bars in West-Berlin, die nicht mehr existieren. Außerdem geht’s hier zu den besten Clubs in Berlin in den 1990er-Jahren. Kreuzberg gehört zu den Partybezirken schlechthin in Berlin. Wo das Nachtleben in Kreuzberg tobt, von der Spree bis zum Mehringdamm, steht hier. Noch mehr los ist wohl nur im Nachbarstadtteil: Alles zum Nachtleben in Friedrichshain von Boxi bis Berghain haben wir hier zusammengestellt. Neukölln ist der Bezirk der Undergroundclubs und Eckkneipen. Den Guide zum Nachtleben in Neukölln gibt’s hier. Alles zu den Berliner Clubs und Nachtleben in Berlin findet ihr hier.