Clubkultur

Clubs in Berlin: Schwuz-Wiedereröffnung, sechs Jahre Herrensauna

Erst kam das Berghain zurück, dann hat das Sisyphos seine langen Wochenenden zurückgebracht, das Kater wieder geöffnet, jetzt zieht das Schwuz nach: Es ist der Herbst der Clubs, der Rückkehr der ausschweifenden Partys. Inzwischen fühlt es sich in den Clubs in Berlin fast an, als hätte es nie eine Pandemie gegeben. Beinahe alle Clubs haben wieder ihre Innenräume geöffnet (allerdings nur für Geimpfte und Genesene) und man kann sich wieder voll der wogenden Masse aus Körpern und wahlweise schnellem, harten Techno oder funkigem, fröhlichem, vocal-lastigem House, Minimal oder Tech House hingeben. Und den Rausch zelebrieren.

Dieses Wochenende ist die Auswahl besonders groß, vielleicht, weil Halloween ist und die Berliner Partypeople die bösen Geisten vertreiben wollen. Man kann von Party zu Party rauschen und zwischen mehreren sexpositiven Partys auswählen (von der Herrensauna bis Trash Era), die Wiedereröffnung des Schwuz feiern oder sich ganze Wochenende in der Alten Münze bei der Synoid um die Ohren hauen. Und am Sonntag kann man dem ganzen Grusel und den schnellen harten Bässen Disco und gute Laune in der Paloma Bar entgegenhalten.


Das Schwuz ist zurück!

Bei der Wiedereröffnung erwartet die Gäste ein umgebautes Schwuz. Foto: Guido Woller

Lange mussten wir warten, tatsächlich gehört das Schwuz zu den Clubs Berlin, die sich mit dem Re-Opening Zeit ließen – oder lassen mussten. Nichts überstürzen wollte man, erst einmal Personal und Booking organisiert bekommen und zudem den queeren Gästen (und ihren Freund:innnen) das bestmögliche Erlebnis bieten. Am Samstag, 30. Oktober, ist es nun soweit, es darf wieder getanzt werden beim „Comeback of Love“ (Eintritt frei!), los geht es um 23 Uhr. Um sich langsam einzugrooven, wurde noch die Pepsi Boston Bar ersonnen, immer mittwochs bis sonntags geöffnet (und zukünftig zunehmend mit abwechslungsreichem Programm bestückt), immer schon ab 19 Uhr. Das bietet mehrere Vorteile: An Party-Tagen entzerrt sie den Andrang, die Leute sind früher (und kostenlos) im Club – und die Pre-Drinks werden auch gleich in passender Atmosphäre eingenommen.

  • Schwuz Rollbergstraße 26, Neukölln, Sa 30.10., 23 Uhr, Eintritt frei, mittwochs bis sonntags ab 19 Uhr Pepsi Boston Bar (Eintritt frei), mehr Infos hier

Sechs Jahre Herrensauna im Funkhaus

Die Herrensauna feiert ihren Geburtstag im Exil im Funkhaus. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Schon im Sommer nach monatelanger Tanzpause veranstaltete die Herrensauna die besten Partys im Funkhaus, Partys, bei denen die Tanzfläche zu brodeln schien und die Gäste all die angestaute Energie hinaus ließen. Da wackelten twerkende Pobacken mitten in einem Wolkenbruch auf und ab, stolzierten voguende Queens durch die Menge und gingen Wellen von in die Luft gerissenen Händen durch die Tanzenden – mal bei hellem Tageslicht, mal in den kurzen dunklen Stunden der Sommernacht. Jetzt, wo draußen feiern kaum mehr möglich ist und die Nächte lang werden, steht der sechste Geburtstag der Herrensauna an. Der Tresor, der Heimatclub der Herrensauna, hat noch nicht wieder den Partybetrieb aufgenommen, also feiert die Partyreihe auch ihren Geburtstag im Exil im Funkhaus. Musik machen die Residents der Herrensauna.

  • Funkhaus Nalepastraße 18, Oberschöneweide, Sa 30.10., 23 Uhr bis So 31.10., 13 Uhr

Synoid in der Alten Münze

Monatelang gab es keine Partys mehr in der Alten Münze, jetzt eröffnet die Synoid die Saison. Foto: Imago/Bernd Friedel

Lang ist’s her, dass in der Alten Münze eine richtige Party stattfand. Zuletzt beendete die Polizei eine Pornceptual Party, das war im Sommer 2020 und sorgte für eine Menge Aufruhr und die Frage, ob die Polizei die Party nur aufs Korn genommen hatte, weil sie sexpositiv und recht queer ist. Das war noch mitten in der Pandemie und Partys in Innenräumen waren schwer vorstellbar. Jetzt ist Herbst und es ist soweit: Es darf wieder getanzt werden in der Alten Münze. Den Anfang mach die Synoid, früher in der Griessmühle zu Hause und bekannt für harte schnelle Bässe. Zur ersten Synoid in der Alten Münze gibt es zwei Floors und ein fettes Line Up über mehr als 50 Stunden: Im Maschinenraum legen zum Beispiel François X oder Shlømo auf, in der Säulenhalle ist zum Beispiel HKKPTR von der Sachsentrance, dem legendären Leipziger Export, am Start.

  • Alte Münze, Molkenmarkt 2, Mitte, Fr 29. 10., 23 Uhr bis Mo 1.11. 6 Uhr

Boiler Room in der Anomalie

Früher ging es noch umsonst in den Boiler Room, heute braucht es Tickets für die Rave-Platzhirsche, die schon zahllose Partys mit ihren auf YouTube gestellten DJ-Sets gerettet haben. Drei Floors, zwölf Stunden – und leider keine Tickets mehr. Wer beim nächsten Boiler Room in Berlin mittanzen will, sollte mindestens bei Facebook oder Instagram folgen – da werden neue Events bekanntgegeben. Und was dieses Wochenende in der Anomalie gewesen sein wird, werdet ihr dann bald auch online sehen können.

  • Anomalie Storkower Str. 123, Prenzlauer Berg, Fr ab Mitternacht

Mala Junta im Æden 

Inzwischen friert man in der Schlange zum Club mehr, dafür hat das Æden aber auch seine Innenräume geöffnet. Foto: Imago/Jürgen Held

Nachdem die Mala Junta vor ein paar Wochen das erste Mal im Berghain stattfand, in der zweiten Woche nach Wiedereröffnung des Techno-Tempels, kommt sie am Samstag wieder zurück ins Æden. Die Tür ist hart bei der Mala Junta, entsprechend gibt es auch keinen Vorverkauf. Dafür kann man für die Partys am Freitag und am Sonntag im Vorhinein Tickets erstehen: Am Sonntag gibt es wieder Small Great Things im Æden, am Freitag legen aufstrebende Berliner Talente auf.

  • Æden Schleusenufer 3, Kreuzberg, Sa 29.10. ab 23 Uhr, Sa+So ab 22 Uhr

Trash Era in der Renate

Trash Era in der Renate – da dürfte es auch voll werden. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Trash Era ist eine dieser sexpositiven Partyreihen, die viel richtig macht, was Awareness angeht und gleichzeitig für unvergessliche Partynächte sorgt. Es gibt eine Reihe von Performances und ganz wie in alten Renate-Zeiten, sieben verschiedene Floors auf die man durch das Treppenhaus des Clubs gelangt. Die Party geht 25 Stunden lang und nicht nur weil Halloween ist, sind kreative Outfits ausdrücklich erwünscht. Tickets gibt es nur an der Abendkasse.

  • Renate Alt-Stralau 70, Friedrichshain, Fr 29.10., 21 Uhr bis Sa 30.10., 22 Uhr

Rødhåd im Berghain und Palms Trax in der Panorama Bar

Die Schlange vorm Berghain wird am Samstag und Sonntag wahrscheinlich endlos. Foto: imago/Owsnitzki

Seit Anfang Oktober ist in Berlin wieder möglich, worauf tausende monatelang gewartet haben: Das Berghain ist wieder geöffnet, und zwar nicht nur der Garten mit angezogener Handbremse und nicht ganz so lautem Sound oder im Rahmen einer Ausstellung, sondern so richtig. Endlich wieder tanzen im Berghain auf dem Sweet Spot, wo die Musik perfekt austariert ist und die Bässe so klar wie nur möglich ankommen. Endlich wieder in der Panorama Bar die Hände in die Luft werfen, endlich wieder die Augen zusammenkneifen, wenn die Jalousien aufgehen.

Zu den Highlights diese Woche gehören unserer Meinung nach: Rødhåd im Berghain und Palms Trax in der Panorama Bar. Übrigens: Tickets gibt’s im Berghain nicht – es hätte wohl auch alle überrascht, wenn es so gewesen wäre.

  • Berghain Am Wriezener Bahnhof, Friedrichshain, Sa 30.10., 23.55 Uhr

Don’t You Want Me – Taste the 80s

Nick Rhodes, Warren Cuccurullo, John Taylor, Simon Le Bon und Sterling Campbell von Duran Duran. Ob die nun auch alle bei der Party im Bohnengold auftauchen, ist nicht ganz sicher. Foto: Imago/R. Keuntje/Future Image

Die 80er-Jahre sind das Jahrzehnt, in dem die Synthies regierten, der Indiepop cool wurde, Wavepop die Frisuren und Schulterpolster bestimmte und in denen Hits entstanden, die noch heute für volle Tanzflächen sorgen. Ob „Big in Japan“, „Girls Just Wanna Have Fun“, „There’s a Light That Never Goes Out“, „Wild Boys“, „Kiss“, „Billy Jean“, „Into The Groove“, „Dancing With Myself“, „Boys Don’t Cry“ oder „Don’t You Want Me“: Die Party mit dem 80s-Experten DJ Hey My Commander ist eine kultige Zeitreise mit Madonna, Prince, den Smiths, Tears For Fears, The Cure, Duran Duran und Human League.

  • Bohnengold Reichenberger Str. 153, Kreuzberg, 22 Uhr, Eintritt frei

Dynamic beendet die Hofsaison im Mensch Meier

Eine der letzten Outdoor-Partys gibt es am Wochenende im Mensch Meier. Foto: Imago/Tagesspiegel

Das Mensch Meier beendet seine Hofsaison mit High BPM und Glühwein: Bei der Dynamic läuft Trance, Hardtechno und Gabber. Wie bei allen Partys im Mensch Meier ist auch hier das Line-Up nicht dominiert von weißen Cis-Männern, sondern divers. Auch die Tanzfläche könnte noch diverser als sonst aussehen und von Hexen, Monstern und Dämonen gespickt sein, denn: Es ist Halloween und Verkleidungen sind ausdrücklich erwünscht.

  • Mensch Meier Storkower Straße 121, Prenzlauer Berg, Sa 30.10. 14-22 Uhr

Dominik Eulberg feiert Album-Release-Party im Ritter Butzke

Clubs in Berlin: Das Ritter Butzke bringt Leben an den Moritzplatz
Seit 12 Jahren bringt das Ritter Butzke Leben an den Moritzplatz. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Dominik Eulberg, der Biologe und DJ, der Tiere nicht nur im Namen, sondern auch im Herzen trägt, feiert am Freitag Album-Release-Party im Ritter Butzke und stellt „Avichrom“ vor. Außerdem legen Re.You, 1979 und FrauPfau auf.

  • Ritter Butzke Ritterstraße 26, Kreuzberg, Fr 29.10. ab 23 Uhr

Halloween in der Paloma Bar

Zwar ist das Wochenende so vollgepackt mit guten Partys, dass die meisten wohl am Sonntag kaputt ins Bett fallen werden. Wer aber am Sonntagabend noch nicht genug hat oder sich einfach nur nicht alleine zu Hause gruseln möchte, der ist gut beraten, in die Paloma Bar zu gehen. Denn dort vertreiben unter anderen Doctor J und Soundstream die bösen Geister mit einer Party, die gute Laune in die dunkle Nacht bringt mit funky Tunes und Disco.

  • Paloma Bar Skalitzer Straße 135, Kreuzberg, 31.10., 22-4 Uhr

Nur noch Abendkasse im Sisyphos

Hinter dem Tor des Sisyphos liegt ein zauberhafter Ort. Foto: Imago/Schaap

So langsam ist in Berlins Feierszene wirklich wieder fast alles wie vor der Pandemie. Wer noch daran zweifelt, den dürfte diese Nachricht überzeugen: Die langen Wochenenden im Sisyphos sind zurück, wo Gäste tage- und nächtelang in eine Parallelwelt voll bunter Lichter und Laser, verwinkelter dunkler Ecken und absurder Details entdecken können. Gleichzeitig schafft der Club die Vorverkaufs-Tickets ab. Dafür müssen sich Gäste auf der Website des Clubs anmelden, den „Entenpass“ mit QR-Code herunterladen und an der Tür vorzeigen. Es gilt 2G.

  • Sisyphos Hauptstraße 15, Rummelsburg, Fr 22 Uhr bis Mo 8 Uhr

Chillen und Tanzen im Yaam

Endlich wieder im Yaam auf dem Liegestuhl sitzen und auf die Spree schauen! Foto: Imago/Travel-Stock-Image

Der Oktober präsentiert sich unverhofft golden und deswegen bietet es sich an, die Wochenenden und Feiertage im YAAM zu genießen. Das YAAM hat außer Montags von Mittags bis Mitternacht geöffnet und am Wochenende gibt’s meistens tolle Veranstaltungen.

  • YAAM An der Schillingbrücke 3, Friedrichshain, Sa 2.10 ab 15 Uhr, So 3.10. ab 14 Uhr, Eintritt frei

Wieder Feiern im Soda

Lange hatte das Soda nur seinen provisorischen Außenbereich geöffnet, jetzt steigen auch wieder Partys drinnen. Foto: Imago/Pop-Eye

Auch das Soda hat wieder seine Innenräume geöffnet. Freitag und Samstag geht’s um 21 Uhr mit beliebten R’n’B-Sounds, HipHop, Minimal und Charts los. Donnerstags öffnen die Türen ab 19 Uhr für Fans von lateinamerikanischen Klängen wie Salsa Cubana, Bachata, Mambo und Kizomba.

  • Soda Club Schönhauser Allee 36 (Kulturbrauerei), Prenzlauer Berg

Oxi Garten vorerst geschlossen

Der Oxi Garten ist bis auf Weiteres geschlossen, da die Betreiber:innen Ärger mit Lärmbeschwerden haben, der zuvor gelöst werden muss. Genaues zum Ärger des Oxi mit dem Bezirksamt und den Nachbarn lest ihr hier.

  • Oxi Garten Wiesenweg 1-4, Friedrichshain

Bier mit Krone im Frannz Club

Clubs in Berlin: Der Frannz Club hält die Stellung in Prenzlauer Berg
Im kulturellen Zentrum des Prenzlauer Berg, der Kulturbrauerei, liegt auch der Frannz Club. Foto: Imago/Joko

Ja, der Prenzlauer Berg hat noch Clubs. Einer davon ist der Frannz Club auf dem Gelände der Kulturbrauerei. Und der hat nicht nur Innenräume, sondern auch einen Biergarten nach hinten raus. Montags bis samstags von 16 bis 23 Uhr und sonntags von 18 bis 13 Uhr empfängt der Frannz Club wieder Gäste. Es gibt Burger, Flammkuchen, Salate und neben frischem Bier natürlich auch allerlei andere kalte Getränke. Außerdem finden wieder Konzerte im Frannz Club statt – und die Partyreihen „Die Schöne Party“ und „Fisch sucht Fahrrad“ sind auch zurück.

  • Frannz Club Schönhauser Allee 36 (Kulturbrauerei), Prenzlauer Berg, Mo-Fr ab 18 Uhr, Sa ab 13 Uhr, So ab 17 Uhr

Roughe Tunes und kalte Getränke im Revier Südost

Clubs in Berlin: Der Beargarten im Revier Südost ist offen. Foto: Friederike Ossenschmidt
Clubs in Berlin: Der Beargarten im Revier Südost ist offen. Foto: Friederike Ossenschmidt

Wegen eines Rassismus-Vorfalls im Revier Südost ist der Open-Air-Club derzeit geschlossen. In einem Statement gab das Revier Südost an, man wolle sich intensiv mit den Vorwürfen auseinander setzen und das Gespräch mit dem Betroffenen suchen – unter den Augen einer Mediatorin.

  • Revier Südost Schnellerstraße 137, Schöneweide, Baergarten Mo-Fr 14-22 Uhr, Sa+So 12-23 Uhr, weitere Infos hier

Party, Performances, Workshops in der Trauma Bar

Die Trauma Bar ist ein echter Gewinn für die gesichtslose Gegend um den Hauptbahnhof. Und ein Allrounder: Dort werden Filme und Installationen gezeigt und jede Woche gibt es Partys, Konzerte oder Talks – meist mit einem politischen Hintergrund. Jetzt ist die Trauma Bar zurück, wieder mit einem vielfältigen Programm.

  • Trauma Bar und Kino Heidestraße 50, Moabit

Wieder Partys im Suicide Club

Außengelände des Suicide Club: Es geht wieder richtig los. Foto: tipBerlin

Wie auch schon 2020 fuhr der Suicide-Club in diesem Sommer zuerst einen Biergarten-Betrieb, inzwischen werden wieder Partys gefeiert, meist schon donnerstags bei Chantal’s House of Shame (explizit queer), am Wochenende techno-lastig.

  • Suicide Club Revaler Straße 99, Zugang über Warschauer Brücke, Friedrichshain

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