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Dr. Mottes „Rave The Planet“ – Wollt ihr die neue Parade? Ein Kommentar von Jürgen Laarmann

Dr. Motte plant einen Loveparade-Nachfolger: Rave The Planet. Unser Autor war selbst von 1991 bis 1997 Gesellschafter der Love Parade – und ist sehr skeptisch, ob des neuen Crowdfunding-Modells

Loveparade vor der Siegessäule, 1999, Foto: Svea Pietschmann / tip Bildarchiv

Mall of Berlin, Donnerstag, 16. Januar, nachmittags, drei Tage nach dem Launch-Event von „Rave the Planet”, dem Loveparade-Nachfolgeprojekt von Dr. Motte und seinen Mitstreitern, der Crew der Techno-Ausstellung „Nineties Berlin“. Die Einkaufenden huschen an einem 50 Meter langen Miniatur-Modell der fast leeren Straße des 17. Juni vorbei. Einer stellt seine leeren Getränkeflaschen auf die Installation.Der Merchandising-Stand ist randvoll mit „Rave the Planet“-Shirts und -Accessoires, allerdings menschenleer. Immerhin an der Love -Parade-Box aus der „Nineties“ -Ausstellung stehen Schaulustige.

Angedacht ist, dass Loveparade-Freunde aus aller Welt „Fundraver“ werden und Miniaturfigürchen kaufen – und zwar am besten 1,5 Millionen Stück zu je 5 Euro. Dann würde erst hier eine Miniatur-Love-Parade entstehen, die dann für 2021 eine richtige Technoparade finanzieren würde. In der Mall of Berlin soll man dem Modell beim Blühen und Gedeihen zusehen – im Moment ist es aber ungefähr genauso spannend wie eine besonders karge Ecke eines Miniatur-Wunderlands ohne Eisenbahn.

Die Figürchen, die man kaufen soll, tragen Namen wie „Anja Ambient“ oder „Gabber Luke“ und bilden alle gängigen Klischees der Szene ab. Wem das zu stulle ist, der kann auch ein Miniatur-Dixi-Klo für schlappe 250 Euro erwerben; ab 200 Euro stellt die gemeinnützige Rave the Planet GmbH auch eine Spendenquittung aus.

„Wollt ihr die neue Parade?“, beschwor Motte die 250 Gäste bei der Vorstellung des Projektes Anfang der vergangenen Woche. Diese Frage lässt sich noch nicht abschließend klären, die Szene ist gespalten (der Techno-DJ Tanith nennt sie eine „Idee aus der Mottenkiste“) bis desinteressiert – sicher ist, dass Motte diese Parade will wie kein anderer.

Vor 15 Jahren hatte Dr. Motte seine Love-Parade-Anteile an Rainer Schaller (McFit) verkauft und Kasse gemacht – direkt danach wurde er vor die Tür gesetzt, und die Geschichte nahm ihren Lauf. Das nagt bis heute an ihm. Nun mit knapp 60 will er offenbar nochmal allen zeigen, dass er eine Parade von der Größe der Loveparade aus dem Boden stampfen kann – ungeachtet der Tatsache, dass es längst ein Dutzend Technoparaden gibt. Doch ein Zug der Liebe – das scheint einem Mann wie Motte zu kleinteiliger Wurstelkram zu sein.

Motte präsentiert sich als ein Mann der Widersprüche. In der Mall of Berlin weist er darauf hin, dass an dieser Stätte einst der Tresorgarten war und schiebt nach: „Der Tresor ist weggezogen, aber der Spirit ist hier“, was angesichts des Einkaufszentrums-Ambientes für  Verwunderung sorgte. Zwei Minuten später erklärt er, dass „Rave the Planet” mit seinem Nebenprojekt Clubforce in der Mall of Berlin in Sichtweite des Bundesrats auch noch eine bunte Panzerinstallation errichten wolle, die für den Erhalt der Clubkultur demonstrieren soll. Motte skandiert: „Es kann nicht sein, dass Einkaufszentren unsere Clubs verdrängen!“

An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, ob nicht der „Rave the Planet“-Sponsor Mall of Berlin schnell die Faxen dicke haben wird – und das riesige Loveparade-Modell von der prominenten Stelle wieder verdrängt.

Am Starttag wurde vermeldet, dass schon dreieinhalbtausend Leute Figürchen erworben haben. Danach ging es aber nur noch sehr kleckernd weiter, wie auf der Website zu verfolgen ist. Der gemeine Raver hat sich bisher nicht als begeisterter Spender gezeigt. Ein Vergleich lässt sich zum Frankfurter Technomuseum MOMEM ziehen, dessen Macher per Crowdfunding fünf Millionen Euro einsammeln wollten und in mehreren Jahren gerade auf knapp 5.000 Euro kamen, bis sie den Liveticker abstellten und einen Zuschuss von der Stadt bekamen. Immerhin verspricht Rave the Planet, wenn die Parade nicht stattfinden kann, das gesammelte Geld für gemeinnützige Ziele zu spenden. Doch welche?

Sicher ist: Die einzigartige Situation, die die Loveparade damals groß gemacht hatte, existiert heute nicht mehr. Deswegen wird es das Vorhaben schwer haben.

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