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Feiern ohne Lärmbeschwerden – Pilotprogramm für Schallschutz in Clubs startet

Um Clubs vor dem Aus zu bewahren und Konflikte mit Anwohnerinnen und Anwohnern zu entschärfen, legt die Bundesregierung ein neues Förderinstrument auf: Ab Januar 2026 startet das Bundesschallschutzprogramm. Ziel ist es, Clubs und Festivals bei Schallschutzmaßnahmen zu unterstützen – insbesondere dort, wo Lärmbeschwerden die Existenz von Veranstaltungsorten gefährden. Für die Berliner Clubszene könnte das eine große Erleichterung bedeuten.

Vor dem Kater Blau, nicht alle Berliner Clubs sind von Lärmbeschwerden betroffen. Foto: Imago/ dts Nachrichtenagentur
Vor dem Kater Blau, nicht alle Berliner Clubs sind von Lärmbeschwerden betroffen. Hat man aber Ärger mit den Nachbarn, kann die Sache teuer werden. Foto: Imago/dts Nachrichtenagentur

Party oder Lärm? Wenn der Club zur Streitfrage wird

Drei Millionen Euro stellt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) für das Programm bereit. Die Initiative Musik übernimmt die fachliche Umsetzung. Hintergrund der Maßnahme ist der wachsende Druck auf Clubs und Konzertorte, vor allem in dicht bebauten Stadtgebieten. Das Arkaoda in Neukölln ist dafür ein prominentes Beispiel, auch das SO36 in Kreuzberg musste in der Vergangenheit viel umbauen, damit sich die Nachbarn zufriedengeben und zuletzt kam das Schwarzsauer, wenn auch kein Club aber dennoch von ähnlichen Mechanismen betroffen, in die Schlagzeilen wägen Lärmbeschwerden seitens der Nachbarn.

Lärmschutz ist für viele Veranstalter längst ein Dauerthema. Verbesserte Dämmung, technische Lösungen wie Noise-Cancelling oder auch moderierte Dialogformate zwischen Veranstaltenden und Nachbarschaft können helfen, Belastungen zu reduzieren und den Betrieb zu sichern. Viele Häuser könnten solche Investitionen jedoch angesichts stark steigender Gesamtkosten kaum noch aus eigener Kraft stemmen.

In der ersten Pilotrunde richtet sich das Programm an Musikclubs mit bis zu 2.000 Besucher:innen Kapazität sowie an Festivals, deren Durchführung durch erhebliche Lärmbeschwerden gefährdet ist oder die bereits mit Schließungsszenarien konfrontiert sind. Die Auswahl ist mehrstufig geplant: Zunächst soll mithilfe der Expertise von Verbänden und Netzwerken der Livemusikbranche eine Vorauswahl entstehen. Anschließend empfiehlt eine überwiegend fachlich besetzte Jury, welche Projekte tatsächlich gefördert werden. Details zu Förderkriterien und Verfahren will die Initiative Musik zum Start im Januar 2026 auf ihrer Website veröffentlichen.

„Kultur und Zusammenleben Hand in Hand“

Bundesministerin Verena Hubertz beschreibt das Programm als Versuch, den Spagat zwischen lebendiger Stadt und Rücksichtnahme besser zu organisieren. Musik brauche Raum, könne ihre gesellschaftliche Kraft aber nur entfalten, wenn das Miteinander funktioniere. Für die einen sei ein Clubabend prägend, „darf für die anderen nicht zur Belastung werden“, so Hubertz. Das Pilotprogramm solle zeigen, dass Musikorte bestehen bleiben können, ohne dass Anwohnerinnen und Anwohner darunter leiden. Auch in der Branche wird das Programm als Signal gewertet. Katja Lucker, Geschäftsführerin der Initiative Musik, betont, Clubs und Festivals seien Orte, an denen Gemeinschaft entstehe und Kultur erfahrbar werde – ohne wirksamen Schallschutz stehe jedoch vielerorts die Zukunft auf dem Spiel.


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