Clubs

Nachtleben in Kreuzberg: Tanzen an der Spree und in öffentlichen Toiletten

Die einen lieben es, die anderen hassen, aber das Nachtleben in Kreuzberg mit all seinen Clubs, Kneipen und Bars ist aufregend wie eh und je: Kreuzberger Nächte sind lang. Natürlich hat sich auch der Stadtteil, in dem früher Pflastersteine flogen, Revolutionen geplant wurden und sich eine Kneipe an die andere reihte, mit den Jahren verändert. Die Gentrifizierung hat leider keinen Bogen um Kreuzberg gemacht. 36 ist inzwischen fast wie früher 61 und 61 wie … Prenzlauer Berg, bevor er komplett durchsaniert wurde und die Schwaben kamen? Wie auch immer, wir nehmen euch mit auf eine Reise durch das Nachtleben in Kreuzberg, von 36 und den Clubs an der Spree über die Bars und Tanzlokale am Kotti bis an den Mehringdamm.

Lohmühleninsel und drumherum

Nachtleben in Kreuzberg: Die Lohmühleninsel mit ihren Clubs und Bars drumherum könnte man als Zentrum des Nachtlebens in Kreuzberg bezeichnen.
Wasser, Licht und Musik: Der Club der Visionär gehört zu den Highlights um die Lohmühleninsel. Foto: Imago/Travel Stock Image

Die Lohmühleninsel wäre ganz vorne im Rennen, würde es darum gehen, Kreuzbergs kulturelles Zentrum zu bestimmen – zumindest nachts. Zwar sind die ganz wilden Zeiten, als dort bis zu sieben Clubs waren, vorbei – spätestens, seitdem die Ipse 2020 ausgebrannt ist, vielleicht auch schon, seit das Chalet und Burg Schnabel ihre Türen schlossen.

Trotzdem: Heute tummeln sich dort noch immer der Club der Visionäre, ein Urgestein der Berliner Techno-Szene, das Birgit & Bier und ein neuer Club, der Abwechslung ins Nachtleben in Kreuzberg bringt: Das Æden will ein abwechslungsreiches Programm anbieten und nicht nur Technoschuppen, sondern Kulturstandort sein. In unregelmäßigen Abständen stellen Künstler:innen draußen und drinnen aus. Unter der Woche gibt es Konzerte von Indie-Bands und Singer-Songwriter:innen. Donnerstags wird’s eher funky und jazzig, freitags gibt es Label-Nächte und externe Veranstalter:innen können ihre Partys machen. Samstags erfüllen eher experimentelle und harte Klänge den Club und die Körper seiner Gäste, sonntags geht’s fröhlicher und housig zu.

Nicht weit von der Lohmühleninsel ist außerdem der Festsaal Kreuzberg auferstanden. Der alte Festsaal Kreuzberg am Kotti, eine der beliebtesten Adressen für Konzerte im Berlin der Nullerjahre, war 2013 abgebrannt. Jetzt spielen die Bands ihre Instrumente an der neuen Location heiß, in unmittelbarer Nähe zum heute geschlossenen Arena Club und dem Badeschiff. Offiziell befindet sich der neue Festsaal Kreuzberg übrigens schon in Treptow. Aber wohl zumindest alle, die die Mauer nicht mehr erlebt haben, verorten den neuen Festsaal zumindest vom Gefühl her in Kreuzberg.

Sage Beach und Fies und Zornig

Strand und Techno gibt’s am Sage Beach. Foto: Imago/Tom Maelsa

In der ersten Reihe an der Spree tanzen, mit den Füßen im Sand und gemütlichen Liegestühlen in unmittelbarer Reichweite, oder in den dunklen Räumen des Fies und Zornig mit blitzenden Lichtern, die aus alten Fernsehern kommen und diesem ganz speziellen Techno-Kellergeruch in der Nase, das kann man sich am östlichen Rand von Kreuzberg aussuchen, von der Lohmühleninsel aus ein Stück weiter flussabwärts. Wobei: So ganz stimmt das nicht mit dem Entweder-Oder, denn das Fies und Zornig hat auch einen Außenbereich mit eigenem Dancefloor, zahlreichen Sitzgelegenheiten und einer wunderbaren Empore, von der aus man einen Überblick über das Gelände des Clubs, das mit seinen Scheinwerfern blinkende Auto auf dem Dach und die Tanzfläche.

Angefangen hat das Fies und Zornig als Fiese Remise, dann meldete jemand Klage an wegen der Rechte am Namen, also wurde Fiese Remise die Fiesere Miese und schließlich bekam sie den aktuellen Namen. Das ändert aber nichts daran, dass sich der Club als Fiese Remise ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. Schließlich handelt es sich auch um eine Remise, die in den Anfangszeiten des Beach ungenutzt und leer auf dem Gelände stand und wo früher angeblich wilde After Hours gefeiert wurden.

Das SO36 und die Oranienstraße

Nachtleben in Kreuzberg: Die Oranienstraße und das SO36 sind identitätsstiftend für Kreuzberg
Linkes Zentrum von Kreuzberg: Das SO36 und die Oranienstraße. Foto: Imago/Christian Ditsch

Die Oranienstraße im Wandel der Zeit zeigen wir euch hier. Sie ist vieles: Zentrum des widerständigen Kreuzbergs, Fressmeile, belebte Straße mit vielen Bars und Spätis und Zuhause des legendären SO36. Früher in den 80er Jahren gab es in der O-Straße noch mehr Clubs, in denen man auch tanzen und feiern konnte, zum Beispiel das Trash. Übrig geblieben ist nur das SO36, das über die Jahre noch an Bedeutung gewonnen hat. Denn das SO ist einer der wenigen Orte in Berlin, an denen Punk-Konzerte stattfinden, an denen gepogt und Bier in Massen gesoffen wird, während oben auf der Bühne die Band ins Mikro schreit. Herrlich! Zu den beliebten Veranstaltungen im SO36 gehören außerdem die Rollschuh-Disco, die 80er-Party, die queere Partyreihe Gayhane, die Drag-Party Queens against Borders, organisiert von Geflüchteten und: das Kiez-Bingo!

Von den vielen Bars in der Oranienstraße und drumherum sticht außerdem das Roses hervor: eine Gay Bar mit viel Plüsch, viel Glitzer und leckeren Drinks.

Nachtleben in Kreuzberg 61: Gretchen und die Klappe

Bekannt für bestes Booking: das Gretchen. Foto: Imago/Jürgen Held

Die Gegend um den Mehringdamm und die Bergmannstraße mit dem alten Postkürzel 61 war schon immer das bürgerlichere, gesetztere Kreuzberg. Die Entwicklung hat sich mit der voranschreitenden Gentrifizierung noch verstärkt. Restaurants gibt es dort in einer Dichte wie Hunde im Viktoriapark, Nachtleben allerdings muss man in diesem Teil von Kreuzberg suchen.

Doch es lohnt sich: Da ist zum Beispiel das Gretchen, ein Alleskönner-Club, der sich in ehemaligen Militärstallungen befindet. Im Gretchen läuft alles von Drum’n’Bass und Dubstep über House und Techno bis zu Jazz, Funk, Soul und Hip Hop und Trap, mit Afrika Bambaataa über Dean Blunt bis Modeselektor haben schon die große Musiker:innen die Räume des Gretchen mit ihrer Magie erfüllt.

Ein Stück weiter den Mehringdamm hinunter liegt, versteckt unter den vorbeirauschenden Autos, auf der Mittelinsel der Yorckstraße und hinter einer Klappe, der Club „Die Klappe“. Die Klappe ist einer dieser Clubs, die allein schon wegen ihrer Location gut sind, denn er befindet sich in den Räumen einer ehemaligen öffentlichen Toilette unter der Yorckstraße. Es läuft Trance, House und Techno. Die Stimmung auf der Tanzfläche ist meistens bombig, denn leer kann sie schon mal nur schwer sein, denn: Sie ist, und wen wundert das in einer ehemaligen öffentlichen Toilette, echt klein.

Watergate

Nachtleben in Kreuzberg: Etwas schicker gehts im Watergate zu.
Etwas schicker, aber auch mit elektronischer Musik: das Watergate. Imago Images/Travel-Stock-Image

Das Watergate ist einer der Clubs, die das Berlin der 2010er-Jahre maßgeblich geprägt haben und deretwegen jedes Jahr tausende Tourist:innen nach Berlin kommen. Es liegt direkt an der Spree an der Oberbaumbrücke, besonders beeindruckend ist die Terrasse, auf der man morgens verschwitzt und glücklich getanzt das Morgenlicht einfangen und das Wasser beobachten kann. Der Sound im Watergate ist von House, Tech House und Deep House geprägt und die großen Namen der Szene spielen immer wieder in dem Club. Im Vergleich zu vielen anderen Berliner Clubs ist das Interieur des Watergate schick und nicht so runtergerockt, vollgetaggt und industriell.

Ritter Butzke

Versteckt im Hinterhof liegt das Ritter Butzke. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Die Gegend um den Moritzplatz herum ist eine eher triste: High-End-Bürogebäude mit Räumen, bei denen fraglich ist, ob sie eigentlich irgendjemand braucht, und Häuser mit schicken Eigentumswohnungen stehen neben heruntergekommenen 70er-Jahre Neubauten. Spätis, Kneipen, Restaurants und Geschäfte sind dünn gesät. Ein Club aber hält die Stellung: das Ritter Butzke in einer ehemaligen Fabrik. Der Kreuzberger Club erstreckt sich über mehrere Etagen und Hinterhöfe. Die Floors bespielen regelmäßig Größen des House, Tech House und Deep House. Doch auf dem Programm steht nicht nur Party: Es gibt auch immer wieder Poetry Slam im Kulturgarten des Ritter Butzke.

Paloma Bar, Monarch, und die Kneipenlandschaft ums Kotti

Vom Monarch aus hat man einen einzigartigen Blick aufs Nachtleben in Kreuzberg. Foto: Imago/Pop-Eye
Vom Monarch aus hat man einen einzigartigen Blick aufs Nachtleben in Kreuzberg. Foto: Imago/Pop-Eye

Wenn man die Gäste des Monarch und der Paloma Bar fragen würde, was die beiden Tanzbars besonders macht, würden wohl viele sagen: der Blick aus dem Fenster. Denn, aus den Fenstern der beiden Läden, direkt nebeneinander an der Skalitzer Straße gelegen, blicken die die Gäste aus großen Fenstern auf die U1, die auf gleicher Höhe vorbeifährt. Eine einzigartige Atmosphäre. Im Monarch gibt es auch immer wieder Konzerte, manchmal legt aber auch einfach nur jemand auf. Wenn man von einer Bar in die nächste hoppen will und sich an toleranten, queeren Orten wohlfühlt, bieten sich vorher die Olfe oder der Südblock an, beide sind direkt am Kotti.


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