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Nachtleben in Mitte: Da geht ja doch noch was

Es gab eine Zeit, da war das Nachtleben in Mitte so lebendig wie ein sechsjähriges Kind am Sonntagmorgen. Das war in den 90er Jahren nach dem Mauerfall, als der Stadtteil noch nicht durchgentrifiziert und die Häuser noch nicht gesichtslos saniert waren. Cookies, WMF, Eimer, 103-Bar, Café Burger, die Liste könnte ewig weitergehen. Es ist ein Jammer. Aber so tot wie Mitte immer gesagt wird, ist es dann doch nicht. Hier kommen die Ecken und Clubs in Mitte, in denen nachts noch Menschen Spaß haben.

KitKatClub

Nachtleben in Mitte: Das Kitkat ist eine Institution
Wohl der berühmteste Club in Mitte: Jeans und T-Shirt kommen nicht gut an im Kitkat. Foto: Imago/imagebroker

Das Kitkat ist eine Institution in der Berliner Clublandschaft. Den explizit sexpositiven Club mit Fetisch-Einschlag gibt es bereits seit 27 Jahren – in wechselnden Locations, aber immer erfolgreich. Seit 2007 ist der Club in den Räumen des ehemaligen Walfisch zu Hause – Berlins legendärem ersten Afterhour-Club in den 90ern. Die Partys spielen sich auf zwei Etagen ab: Im Erdgeschoss, wo es zwei Dancefloors, mehrere Bars und Chillbereiche und den Wintergarten mit dem Pool mit Schaukel darüber gibt. Und im Keller. Dort gibt es einen dritten kleinen Dancefloor, der einer Bärenhöhle gleicht, und verschlungene Kellergewölbe mit versteckten Ecken und allerlei Gerätschaften, auf denen Erwachsene Spaß haben können. Es gibt zum Beispiel einen Stuhl, den Menschen mit Vagina von Gynäkologie-Praxen kennen und zwei Krankenhausbetten. Hrhrhr.

Ins Kitkat kommt man nicht einfach so: Man muss an der Tür schon irgendwie glaubhaft machen, dass man sich inmitten all der tanzenden nackten Körper, Lack- und Lederoutfits und lustvollen Praktiken nicht unwohl fühlen, sondern Spaß haben wird. Dafür hilft es, sich bei der Wahl des Outfits Gedanken zu machen, kreativ zu werden und eben nicht in Jeans und T-Shirt zu kommen. „Wenn man die Leute in normalen Klamotten reinlässt, wird nur das Normale passieren“, sagten die beiden Beitreiber:innen Simon Thaur und Kirsten Krüger mal im Interview mit dem Tagesspiegel. Sie scheinen Recht zu haben, denn bei den meisten Partys im Kitkat ist die Stimmung so positiv aufgeladen, dass die Luft zu knistern scheint und auch schüchterne Menschen auf einmal Lust bekommen, sich auszuprobieren.

Tresor und Ohm

Nachtleben in Mitte: Ohm und Tresor bieten immer gute Musik
Anker des Nachtlebens in Mitte: Tresor und Ohm bieten immer wieder beste Musik. Foto: Imago/F. Anthea Schaap

Nur wenige hundert Meter vom Kitkat entfernt befindet sich das Kraftwerk und mit ihm der Tresor und das Ohm. In den Augen vieler Alt-Raver:innen konnte der Tresor am neuen Ort nie mit dem alten Tresor am Leipziger Platz mithalten – obwohl Gründer Dimitrij Hegemann einen Teil des Interieurs, inklusive der alten Schließfächer, einfach mit in den Keller des Kraftwerks nahm. Trotzdem atmet vor allem der Dancefloor im Keller mit seinem Geruch nach altem Gemäuer, den metallenen Stäben und Rohren sowie dem durchgängig harten Sound den Geist der ursprünglichen Techno-Partys der 90er. Nach wie vor ist der Tresor mit den Techno-Pionieren von Underground Resistance aus Detroit verbandelt und DJs wie Juan Atkins oder Robert Hood spielen immer wieder in den Gewölben des Tresor.

Direkt neben dem Tresor ist das Ohm. Sitzen und chillen kann man dort nicht besonders, denn außer der Bank entlang den weiß gefliesten Wänden des Clubs, gibt es keine Sitzgelegenheiten. Die braucht man meistens aber auch gar nicht, weil die Stimmung und die Musik so gut sind, dass es einen eh auf die Tanzfläche treibt. Übrigens: Inzwischen will Tresor-Gründer Hegemann die Clubkultur in kleinere Städte bringen.

Alte Münze

In der Alten Münze gibt es nicht allzu oft Partys. Wenn, dann sind sie aber meistens gut. Foto: Imago/Bernd Friedel

Die Alte Münze ist ein altes Münzprägewerk nahe des Alex an der Spree. Dort finden steigen nicht regelmäßig Partys, aber doch immer wieder. Die berühmte sexpositive Partyreihe Pornceptual zum Beispiel fand dort vor der Pandemie immer wieder statt – in den Kellergewölben eines der Gebäude im Hof. Außerdem befinden sich auf dem Gelände riesige historische Lofts und Hallen, die für Workshops und Präsentationen, aber auch private Partys genutzt werden. In der einen alten Produkationshalle gibt es zum Beispiel eine große Leinwand, die von Privatleuten bespielt werden kann.

Weekend Club und Hafen Bar

Hafenbar und Weekend sind so unterschiedlich wie Meer und Berge. Das Weekend mit seiner phänomenalen Aussicht ist dabei definitiv der Berg. Foto: Imago/Schöning

In direkter Nähe zum Alex tanzt man entweder in schickem Ambiente in luftiger Höhe zu allem von House und Mainstream-Hits über Hip Hop über R’n’B bis zu Latin und Afrobeats – oder zwischen Rettungsringen und freundlich grinsenden Fischen und Oktopussen zu Schlager in der Hafenbar. Das Weekend ist vor allem für seine Dachterrasse mit atemberaubender Aussicht über Berlin bekannt. Die Hafenbar aber hat Kult-Status und zieht ihr Schlagerding bereits seit Jahrzehnten durch. Die Geschichte der Hafenbar reicht bis in die 1920er Jahre zurück – allerdings am alten Standort in der Chausseestraße. 2016 zog sie in die Karl-Liebknecht-Straße, mitsamt dem maritimen Interieur. Berühmt und beliebt ist auch Helga, die Toilettenfrau der Hafenbar, die bei allen Problemchen, die beim Feiern entstehen, Rat weiß und 2002 Toilettenfrau des Jahres wurde.

Golden Gate und Beate Uwe

Hat am Wochenende fast immer auf: das Golden Gate. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Das Golden Gate ist eine sichere Adresse für einen klassischen Rave mit unaufgeregtem Publikum. Dort ist es, anders als im Berghain oder im Kitkat, oder auch im Soho House mit seinem elitären Gehabe, nicht so schwer, an der Tür vorbeizukommen. Wer also vor dem Tresor, dem Ohm oder dem Kitkat an der Tür abgewiesen wurde, könnte es hier probieren. Oder im Beate Uwe direkt um die Ecke an der Schillingstraße. Dort gibt es ebenfalls keine harte Tür und stattdessen die Garantie für eine Tanznacht zu Techno und House.

Der Rosenthaler Platz, Haus am See und ZMF

Nachtleben in Mitte: Rosenthaler Platz, Touri-Falle ,wo immer was los ist.
Touri-Falle, wo immer was los ist: der Rosenthaler Platz. Foto: Imago/Rolf Zöllner

Einen guten Ruf haben der Rosenthaler Platz und das Drumherum nicht gerade, ein Kollege sah schon vor Längerem hier und generell an der Torstraße eine Tendenz zum Ballermann Berlins. Hier landet man, wenn man gerade in Mitte ist, und nicht mehr weiß, wo man sonst hingehen soll. Am Rosenthaler Platz und in den angrenzenden Straßen reihen sich Spätis, mittelmäßige Imbisse und ein paar Bars – zu wenige in Anbetracht von Mittes altem Glanz – aneinander. Dafür trinken Touris und Streuner:innen der Nacht auf den Bänken vor den Spätis – und pinkeln zum Leidwesen von Anwohner:innen in Hauseingänge. Wenn man Glück hat, gibt es eine Party ZMF (Zur Möbelfabrik). Ansonsten besteht immer die Möglichkeit, im Haus am See abzustürzen.

Acud Macht Neu, Schokoladen und Ballhaus

Biergarten, Hostel, Kaffeestube, Kneipe: Das Ballhaus an der Chausseestraße. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Das Ballhaus in der Chausseestraße in Mitte blickt auf eine lange Geschichte und viele verschiedene Namen zurück. Zuerst als Gutshaus und Kaffeegarten unter dem Namen „Zum Alten Banden“ 1905 eröffnet, entwickelte es sich als „Schwankes Festställe“ in den Golden Zwanziger Jahren der Weimarer Republik zu einer der angesagtesten Vergnügungsstätten in Berlin. Heute vereint das Ballhaus ein Hostel, einen Biergarten, eine Kaffeestube und die legendäre Bierstube Alt Berlin, an derem alten Standort in der Münzstraße schon Berthold Brecht, Quentin Tarantino und David Bowie getrunken haben.

Außerdem in der Nähe sind der Veranstaltungsraum Acud macht neu in der Veteranenstraße und der Schokoladen. Das Acud macht neu ist Veranstaltungsraum für Ausstellungen, Performances und Talks, aber auch Konzerte und manchmal Partys. Im Schokoladen in der Ackerstraße gibt es regelmäßig Lesungen, Theater und Indie-Konzerte und ganz selten auch Partys.

Roter Salon und Grüner Salon

Im Roten und Grünen Salon ist öfter mal was los. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Volksbühne bietet nicht nur Theater, sondern auch Partys und Konzerte. Die finden entweder im Roten Salon oder im Grünen Salon statt und bieten eine Abwechslung zu den die Stadt dominierenden Partys mit Techno oder anderer elektronischer Musik. Im Roten Salon zum Beispiel gibt’s regelmäßig eine Tangonacht und jedes Jahr zu Weihnachten Wladimir Kaminers legendäre Russendisko. Im Grünen Salon gibt’s eher Konzerte.

Ist gar nicht in Mitte: Soho House

Nachtleben in Mitte: das Soho House, Inbegriff des Elitarismus
Das Soho House am östlichen Ende der Torstraße ist der Inbegriff des Elitarismus. Foto: Imago/Pop-Eye

Wer glaubt, das Berghain sei elitär, der hat sich noch nie mit dem Soho House beschäftigt – dass sich gern als Ort in Mitte darstellt, in Wahrheit aber zu Prenzlauer Berg gehört. Die Partys im Soho House sind nur für Mitglieder und ausgewählte eingeladene Personen. Mitglied wird man, wenn man pro Jahr mal eben knapp 2000 Euro abdrücken kann (und will). Außerdem muss einen ein anderes Mitglied eine Empfehlung aussprechen, bevor man Fragen in dem Antrag ausfüllen muss. Dabei zählt intellektuelles Kapital. Wer das nicht mitbringt, weil er oder sie dummerweise von den Eltern nicht Thomas Mann, sondern bestenfalls die Bravo in die Hand gedrückt bekommen hat, hat eben Pech gehabt. Die Folge: Im Soho House bleiben die Reichen und Schönen unter sich. Zusammen mit Bankiers, Managern und Immobilienkaufleuten und ihren geschniegelten Söhnchen.


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