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Nachtleben in Prenzlauer Berg: Von Kulturbrauerei bis Mensch Meier

Es gab Zeiten, Mauerfall sei Dank, da florierte das Nachtleben in Prenzlauer Berg, trieb einzigartige Blüten im Untergrund und dort, wo man leicht drüber stolpern konnte. In den 1990er-Jahren gab es zahllose kleine Kellerschuppen mit und ohne Namen, den legendären Knaack-Club und den Magnet. Jetzt ist der Prenzlauer Berg gesittet, gediegen und, es stimmt, ausgesprochen schwäbisch. Aber es gibt sie noch, die letzten Bastionen des Nachtlebens in Prenzlauer Berg. Wir stellen sie vor.


Kulturbrauerei

Kesselhaus, Maschinenhaus, Soda, Frannz, Alte Kantine: Die Kulturbrauerei vereint so viel Kultur wie kaum ein anderer Standort in Berlin. Foto: Imago/Jürgen Ritter

Die Kulturbrauerei ist einzigartig. Dort, wo seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf 25.000 Quadratmetern das von den Berliner:innen heiß geliebte Schultheiss-Bier entstand, ist heute ein riesiges Kulturzentrum mit Clubs, einem Kino, einem Theater, einem Billiardsalon und noch viel mehr – mitten im sonst so gediegenen Prenzlauer Berg. Alle drei Clubs (der Frannz Club, die Alte Kantine und das Soda) bedienen ein sehr unterschiedliches Publikum und breit gefächerte Musikgeschmäcker. Im Soda tanzen eher junge Menschen von 18 bis Mitte 20 zu R’n’B und Hip Hop, Pop und leicht zugänglicher elektronischer Musik.

Der Frannz Club dagegen bedient ein eher älteres Publikum. Hier finden regelmäßig die Single-Party Fisch sucht Fahrrad und die Schöne Party von Radio Eins statt, das Musikprogramm reicht von Indie und Rock bis Pop. Die Alte Kantine, wie der Frannz Club von den beiden Prenzlauer Berger Urgesteinen Ingo Witzmann und Uwe Lippold-Böhm betrieben, war in den Anfangsjahren der Kulturbrauerei in den 1990er-Jahren vor allem für ihre Ost-Rock-Partys bekannt. “Das war aber keine DDR-Nostalgie-Party mit gestellten Grenzkontrollen oder so”, erinnert sich Witzmann im Interview mit tipBerlin. “Es war nur so, dass so viel Kultur von jetzt auf gleich verschwunden ist und als sie weg war, fehlte irgendwie auch etwas.”

Heute bietet die Alte Kantine ein breites Programm vom Pub Quiz über die Nacht der Lesebühnen bis Studierendenpartys und Partys mit einem bunten Musikgemisch, bei der sich die Gäste – anders als in Technoclubs – auch mal einen Song beim DJ wünschen dürfen.

  • Kulturbrauerei Schönhauser Allee 36, Prenzlauer Berg, online

Mensch Meier

Fester Bestandteil des Nachtlebens in Prenzlauer Berg: der Club Mensch Meier an der Storkower Straße. Foto: Imago/Tagesspiegel

Im äußerstem Nordosten des Prenzlauer Bergs, einem Teil der Stadt, den viele nicht unbedingt dem Prenzlauer Berg zuschreiben und wo außer Wohnhäusern und Gewerbeanlagen nicht viel ist, befindet sich das Mensch Meier. Betrieben von einem Kollektiv wie das About Blank, ist der Club einer der Orte in Berlin, wo man am besten linke Clubkultur erleben kann. Von außen über und über mit Graffiti und Tags bedeckt, eröffnet sich den Besucher:innen drinnen ein verwinkeltes Nirvana mit mehreren Floors, bunten Lichtern und Holzaufbauten, die an den letzten Festivalsommer denken lassen.

Noch mehr Festivalfeeling kommt im Mensch Meier auf, wenn der Hof geöffnet ist und dort Open Air gefeiert wird. Je nach Clubnacht kann man zu hartem Techno, Break Beat und Drum’n’Bass oder verspieltem House tanzen. Besonders bekannt ist das Mensch Meier auch für seine Schneckno-Nächte – schleppendem und langsamen Afterhour-Sound.

  • Mensch Meier Storkower Straße 121, Prenzlauer Berg, online

Anomalie Art Club

In direkter Nachbarschaft des Mensch Meier befindet sich einer der jüngsten Clubs Berlins: der Anomalie Art Club. Hinter einer unscheinbaren Wand befindet sich ein kleiner Kosmos, in dem man sich wunderbar für viele Stunden verlieren kann. Im Sommer öffnet der Outdoor-Floor des Clubs, besonders beeindruckend aber ist es innen, wo spitz zulaufende Bogengänge einen fast ehrfürchtig durch den Club schreiten lassen. Eine der beliebtesten Resident-Partys in der Anomalie ist die Hex, wo die Gäste dem Techno fast mit religiösem Eifer frönen und die Wellen des Sounds aus der guten Anlage der Anomalie über sich hinweg waschen lassen.

  • Anomalie Art Club Storkower Straße 123, Prenzlauer Berg

Dunckerclub

Nachtleben ohne Techno in Prenzlauer Berg: Immer donnerstags gibts kostenfreie Konzerte im Dunckerclub. Foto: Imago/Seeliger

Es ist unverkennbar: Berlin ist Technohauptstadt. Wer schnelle Bässe liebt, der kann die Vormachtstellung elektronischer Musik nur genießen. Aber selbst wer sich gerne die Nächte und Tage zum ewigen Viervierteltakt um die Ohren schlägt, dürfte manchmal Lust auf ein paar organische Klänge haben – und gleichzeitig keinen Bock auf Chartmusik mitten in einer Meute von Abiturient:innen. In so einem Fall bietet sich der Dunckerclub an.

Auf der Dunckerstraße gelegen, ist er einer der Überbleibsel des einst wilden Prenzlauer Bergs. Jeden Donnerstag gibt es hier Konzerte bei freiem Eintritt, freitags und samstags ist Party. Meistens läuft Indie und Rock, manchmal aber auch New Wave oder Gothic. Der Dunckerclub ist einer der wenigen rauchfreien Clubs Berlins, zum Quarzen gibt es einen Außenbereich. Besonderes Highlight: der Gothic-Flohmarkt, der alle zwei Monate sonntags im Dunckerclub stattfindet.

  • Dunckerclub Dunckerstraße 64, Prenzlauer Berg, online

Musikbrauerei

In der Musikbrauerei finden nur unregelmäßig Partys statt – wenn, dann sind sie aber meist richtig gut. Foto: Imago/Vistapress/G.Chlebarov

Hinter den Häusern der Greifswalder Straße liegt, etwas versteckt, die Musikbrauerei. Die ehemalige Brauerei hat viel gesehen: rauschende Feste in den wilden 1920er-Jahren, Saalschlachten in der Nazizeit, Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs in ihren Kellern Schutz suchten, die Mitarbeiter:innen der Stasi, die von hier aus Menschen abhörten. Heute finden in der Musikbrauerei zwar nur unregelmäßig Partys statt, aber wenn, dann sind sie für gewöhnlich phänomenal. Das mag am Publikum liegen, das die distinguierten Partyreihen anziehen – oder an der Architektur des alten Gebäudes.

Da ist die Säulenhalle, in der man sich wegen der hohen Decken ein wenig wie in einer Kathedrale fühlt, die Recording Hall, in der die Anlage steht und das Gewölbe, das ein wenig feucht und dunkel ist. Gewölbe und die beiden anderen Räume sind durch eine steinerne Wendeltreppe verbunden, die einen ganz besonderen Charme versprüht, bei deren Besteigen man aber auch aufpassen muss, dass einem nicht schwindelig wird – vor allem angetrunken.

  • Musikbrauerei Greifswalder Straße 23a, Prenzlauer Berg, online

Tipsy Bear

Clubs gibt es nicht mehr viele im einstigen Partybezirk Prenzlauer Berg – aber auch Bars sind selten geworden, vor allem solche, in denen laut Musik läuft und wo man auch unter der Woche nach Mitternacht noch ein Bier bekommt. Immer zählen kann man auf den Tipsy Bear. In der queeren Bar gibt’s leckere Cocktails und meistens irgendeine Form von Entertainment. Das kann eine Drag Show sein, Karaoke, Life Musik, eine DJ, der auflegt oder Bingo. Mehr queere Orte in Prenzlauer Berg findet ihr hier.

  • Tipsy Bear Eberswalder Straße 21, Prenzlauer Berg, online

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Mehr Tipps für den Kiez: Die besten Bars in Prenzlauer Berg. Hungrig in der Nachbarschaft? Hier sind gute Restaurants in Prenzlauer Berg. Der Partybezirk schlechthin: Wir führen euch durchs Nachtleben in Friedrichshain. Auf der anderen Seite der Spree wird ebenfalls gefeiert: Hier ist der Guide zum Nachtleben in Kreuzberg. Neukölln bietet viele Tanzbars und Undergroundläden. Wir führen euch durchs Nachtleben in Neukölln. Mehr Beats und Bässe: Die besten Clubs für Techno in Electro in Berlin. Viele Orte, die Berlin den Ruf der Techno-Hauptstadt einbrachten, sind weg: Hier erinnern wir an die besten Clubs im Berlin der 1990er-Jahre. Legendär war auch das Nachtleben in der Mauerstadt: Hier sind 12 West-Berliner Clubs, die heute nicht mehr existieren. Lust darauf bekommen, auszugehen? Jede Woche empfehlen wir in unserem Club-Update die besten Partys in Berlin.

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