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Rassismus-Vorwurf: Revier Südost schließt Club – Pornceptual zieht um

Das Revier Südost hat bis auf Weiteres den Club-Betrieb eingestellt. Hintergrund sind die Vorwürfe eines Gastes, der Mitte August bei der Party „Synoid“ im Griessmühle-Nachfolger gefeiert hat. Die betroffene Person hatte in einem Instagram-Video von Rassismus berichtet, den sie während der Veranstaltung seitens des Sicherheitspersonal erlebt habe. In dem Club soll nun umfassend geklärt werden, wie derartige Situationen zukünftig vermieden werden können – und wie man den Vorfall vernünftig aufarbeiten kann.

Das Revier Südost in Schöneweide. Der Club sieht sich mit einem Rassismus-Vorwurf konfrontiert. Foto: Imago/Emmanuele Contini
Das Revier Südost in Schöneweide. Der Club sieht sich mit einem Rassismus-Vorwurf konfrontiert. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Revier Südost: Schwarzer Party-Gast spricht über Vorfall

„Ein Crew-Mitglied hat mich angesprochen, weil meine Maske nicht richtig gesessen haben soll“, so Nicholas Isaiah King Rose in dem Video. Allerdings sei erstens auch die Nase bedeckt gewesen, zweitens hätte sich der Türsteher nicht um diejenigen um ihn herum geschert, die gar keine Masken trugen. King Rose spricht kein Deutsch, war zu dem Zeitpunkt nur mit einem Tanga bekleidet und hatte keinerlei Wertsachen oder Papiere bei sich – die hatte er, wie viele andere Teilnehmenden der Party auch, an der Garderobe abgegeben.

Ein Gespräch mit dem Sicherheitspersonal sei nicht möglich gewesen, es seien stattdessen Kollegen dazugekommen, die King Rose dann gemeinsam hinausdrängten – ohne Kleidung, ohne den restlichen Besitz. Erst nach mehrmaligem Nachfrage sei ein anderer Türsteher eingeschritten und habe die Sachen geholt. Andere Mitarbeitende hätten Vorfall beobachtet, hätten jedoch ebenfalls nicht reagiert.

King Rose sieht den Vorfall in seiner Hautfarbe begründet und sagt auch, er habe derartiges noch nicht in Deutschland erlebt. Für viele, die das Video sahen, war es überraschend, dass es im Revier Südost geschah – ein Ort, der sich für seine Offenheit rühmt und unter anderem der berühmten Partyreihe „Cocktail D’Amore“ eine Heimat bietet. Oder besser bot. Die Verantwortlichen haben direkt reagiert – und in den Social-Media-Kanälen bekanntgegeben, die Reihe würde fortan anderswo stattfinden. Kurz, nachdem es Anfang August die erste Auflage des Griessmühlen-Klassikers im Revier gegeben hatte.

Party-Reihe Cocktail nicht mehr im Revier

Das „Cocktail“-Team schreibt auf Facebook, man habe immer wieder über derartige Vorfälle mit den Verantwortlichen gesprochen. „Im Prozess, unsere Partys sicherer zu machen, müssen wir aus unserer Komfortzone heraus.“ Die fortwährenden Diskussionen zu dem Thema hätten nicht genug Veränderung gebracht. Zuvor hatte man in einem ersten Statement bereits bekanntgegeben, die entsprechenden Sicherheitsleute seien freigestellt.

Es gebe da keinen „neutralen Grund“ mehr, man stelle sich uneingeschränkt auf die Seite der Community, heißt es in dem Statement weiter. Dabei wird betont, dass es sich um kein exklusives Problem des Reviers Südost handelt, „die Mehrheit des Sicherheitspersonals sind weiße CIS-Männer die die Schwierigkeiten der LGBTQIA+-Menschen nicht verstehen. Die meisten sehen uns kaum als Menschen an.“

Der Vorfall ereignete sich im Revier Südost, aber das Problem betrifft die gesamte Berliner Clublandschaft. Foto: Imago/Emmanuelle Contini
Der Vorfall ereignete sich im Revier Südost, aber das Problem betrifft die gesamte Berliner Clublandschaft. Foto: Imago/Emmanuelle Contini

Gleichzeitig wisse man, dass es nicht um Einzelfälle gehe, sondern um die gesamte Nachtleben-Industrie. „Kennen wir nicht alle diese Horror-Geschichten aus (fast) jedem Club in Berlin?“ Sie verweisen auf das Projekt TS Raver, ein Team, das aus der Community hinaus bei Zwischenfällen in Clubs reagiert. Das Revier Südost wird aufgefordert, Zeit und Geld zu investieren, um besser zu werden.

Revier Südost hat Kontakt gesucht und entschuldigt sich

Beim Revier Südost habe man laut eines Statements den Kontakt zur betroffenen Person gesucht und sei nun in Gesprächen. Man bemühe sich nun um neue Standards und hoffe, dass wir „eine beispielhafte Kraft werden“, wenn es um das Vorankommen gehe. Es werde allerdings einen Moment dauern – doch das Revier Südost solle wieder „ein Haus für alle“ werden.

Bei King Rose entschuldigen sich die Verantwortlichen in dem Statement ausdrücklich. „Wir sind uns den Herausforderungen bewusst und möchten unsere aufrichtige Entschuldigung ausdrücken für alle Unannehmlichkeiten, das Trauma und den Schmerz, den wir verursacht haben.“


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