Endlich drin!

Wie komme ich ins Berghain? Tipps für den Club-Besuch

Es ist nicht leicht, ins Berghain zu kommen. Das ist bekannt und inzwischen kann man es auch nicht mehr hören. Trotzdem versuchen es viele, weil es eben doch auch ein richtig guter Club ist. Nicht alle Legenden über den Einlass und die Partys sind wahr, einige aber schon. Und solange nichts Unerwartetes passiert, werden sich noch einige Raver:innen und Neugierige fragen: Wie komme ich ins Berghain? Wir haben Tipps für euch. Wie ernst ihr das alles nehmt, ist natürlich eure Sache.

Ihr wollt ins Berghain, kommt aber nicht rein? Wir haben Tipps. Foto: Imago/Votos-Roland Owsnitzki

Schwarz, schwarz, schwarz sind alle meine Kleider

Schwarz ist und bleibt Trend-Farbe – ob in Berlin oder im oberbayerischen Pullach (Foto von der Gartenmodenschau von Michaela Keune). Um ins Berghain zu kommen, darf es aber gern etwas freizügig sein. Foto: Imago/Future Image

Einer der bekanntesten Tipps für alle, die gern ins Berghain wollen, ist: Zieh dich schwarz an. Nun mag das ein Stück weit stimmen. Das liegt aber nicht unbedingt nur daran, dass das vermeintlich cool ist. Schwarz ist generell die bevorzugte Farbe im Großstadt-Elend. Das liegt daran, dass eine Großstadt schmutzig ist. Auf schwarzem Stoff sieht man die Spuren des Tages und der Nacht am schlechtesten. Es geht hier nicht nur um Stil, sondern auch um Nutzwert. Oder habt ihr schon einmal versucht, Dönersoße, Asche und Vogelscheiße aus einer weißen Bluse zu waschen, um danach wieder frisch auszusehen? Exakt.

Übrigens reicht es nicht, das Büro-Outfit mit einem Nietenhalsband zu pimpen. Reinkommen tun erfahrungsgemäß Leute, die so aussehen, als hätten sie richtig Bock zu tanzen. Die Segelschuhe oder leichten Sandaletten sagen das nicht unbedingt aus. Sportiv bis lasziv ist nicht die schlechteste Wahl.


Nicht verkleiden

Jede:r wie er:sie mag, aber manches eignet sich dann doch besser für den Kölner Karneval als fürs Berghain, Sorry. Foto: Imago/Future Image

Das ist ein generelles Problem mit Mode: Trägst du sie – oder trägt sie dich? Wer im Urban Outfitters den Mannequin-Style nachkauft, sieht nun mal danach aus wie Billie Eilish, ist aber eben nicht Billie Eilish. Ausgefallene Mode wird schnell zum Fasching des schlechten Geschmacks, wenn der Träger das Spiel mit ihr nicht gewinnt. Vielleicht tragen auch deshalb die meisten Menschen im Berghain relativ schlichte, praktikable Kleidung.


In der Schlange ein bisschen benehmen

Ein bisschen Respekt bitte: Vom Dorf anreisen und dann besoffen die Berghain-Schlange aufmischen? Heute leider nicht. Au revoir, Schatzis. Foto: Imago/Manngold

Es ist eigentlich unglaublich, dass man das immer noch erklären muss. Wer in der Warteschlange besoffen Flaschen kaputtwirft, schubst und ungefähr so friedlich wirkt wie Attila Hildmann damals bei seinen Spinner-Demos, der kommt nicht rein. Übrigens so ziemlich überall nicht, wo es gut ist.


Selfie-Time verschieben

Ich bin ein Star, lasst mich hier rein: Georgina Fleur und Kader Loth sind Selfie-Profis. Die Berghain-Schlange wäre trotzdem der falsche Ort dafür. Foto: Imago/Photopress Müller.

Es ist nicht so, dass auch manche Stammgäste nicht schon irgendwann mal einen Selfie vorm Berghain gemacht haben. Dann aber meist nach der Klubnacht. Oder zumindest diskret. Es ist ja nun mal eine Logikfrage. Drinnen herrscht Fotoverbot. Was sollen denn die Leute an der Tür denken, wenn ihr in eurer Reisegruppe schon VOR dem Club 20.000 Selfies macht, wild kichernd und am besten noch mit Blitz? Eben. Persönlicher Höhepunkt war mal einer, der bis kurz vor der Tür laut mit Freunden facetimte.


Kaffeeklatsch in der Schlange muss nicht sein

Ja ist klasse, dass der René jetzt seinen Führerschein hat und die Brigitte endlich schwanger ist. Kann man auch drüber sprechen. Aber muss ja nicht die gesamte Schlange hören. Foto: Imago/Shotshop

Übrigens heißt das alles nicht, dass ihr in der Warteschlange nur depressiv zu Boden starren sollt und schweigend wartet, bis ihr nach Hause geschickt werdet. Ja, man kann sich auch in der Berghain-Schlange unterhalten. Vielleicht einfach ein bisschen zivilisiert und nicht, als solle gleich der ganze Club unterhalten werden.


Nicht zu sehr auftakeln

Ja klar, Karen, du siehst klasse aus. Aber irgendwie nicht so, als würdest du heute noch so richtig steil gehen. Foto: Imago/Panthermedia

Aufhübschen fürs Berghain ist die eine Sache. Wird von den echten Fans ja auch gemacht, mit aufwendigen Ledertops zum Beispiel, mit Strumpfhosen und Gürteln und was nicht allem. Was nicht so gut funktioniert: Hochsteckfrisuren, Perlenketten, Schuhe mit feinem Blümchenprint. Wobei nichts davon per se falsch ist. Es liegt nur eine Vermutung nahe, wenn jemand zu makellos, zu durchgestylt vor der Tür steht: das Outfit ist wichtiger als die Ekstase. Das widerspricht dem, was im Berghain geschieht: Energie, Tanz, Aufregung.

Im Club gibt es keine Spiegel, weil die Menschen sich keine Gedanken über ihr Aussehen machen sollen, sondern loslassen und genießen. Wer dabei darauf achten muss, dass seine Stoffschühchen nicht schmutzig werden, steht eventuell einfach nur im Weg rum.


Zumindest nüchtern wirken

Wenn eure Freunde euch schon ins Boot zum Berghain helfen müssen, dann seid ihr eventuell einfach schon zu besoffen. Bild: Imago/Everett Collection

Niemand mag Besoffene. Sie torkeln in andere Leute hinein, sie sind oft leicht reizbar und kotzen im schlimmsten Fall auf die Tanzfläche. Ja, im Berghain wird getrunken und ja, es werden auch andere Stoffe konsumiert. Muss ja aber nicht heißen, dass man schon so ankommen muss. Und wenn ihr doch irgendwelche Rauschsymptome fühlt – einfach mal zusammenreißen.


Nicht vordrängeln

Auch, wenn ihr euer Pferd mitgebracht habt – es wird sich trotzdem hinten angestellt. Das gilt übrigens auch für alle anderen Schlangen, egal ob Gemüse-Kebap oder Supertalent-Casting (wie auf dem Bild). Foto: Imago/Brigani Art

Ja, es ist Realität, dass sich Menschen vordrängeln. Irgendwo dazwischen huschen und sich eine Stunde sparen. Es sind häufig jene, die sich auskennen. Und/oder die wissen, dass sich kaum jemand traut, lautstarke Diskussionen zu führen. Trotzdem: Wir haben schon erlebt, dass Leute an der Tür gefragt wurden, warum sie sich vorgedrängelt haben. Denn erstaunlich oft bekommen die das da vorne mit. Und weil das einfach kein feiner Zug ist, geht es für die Vordrängler:innen dann meistens auch: Wieder heim.


Nicht zu heteronormativ sein

Hetereosexuelle Glückseligkeit. Symbolbild, mit hoher Sicherheit ein Fake. Foto: Imago Images/Westend61

Das ist selbstverständlich ein Quatschtipp. Heterosexuelle dürfen natürlich ins Berghain. Niemand darf und sollte aber vergessen, dass der Club aus dem Männer-exklusiven Ostgut hervorging und auch heute noch eine stark homosexuelle Prägung hat. Aber eben nicht nur. Die normative Sexualität ist bei den vielen Besucher:innen eher Ausnahme oder wird zumindest nur als eine von vielen Möglichkeiten begriffen. Ein Grund, warum das Berghain genau wie andere tendenziell sexpositive Clubs so gut funktioniert, ist, dass sich Menschen hier ausleben können.

Und manchmal, wenn da so ein Poser mit seinen vier Bros vor der Tür steht, dann fragen sich einige, ob die das alle begriffen haben. Die Vorsicht an der Tür resultiert in einer besseren Atmosphäre drinnen. Denn was wirklich keine:r braucht in Clubs wie dem Berghain: die gleichen Vorverurteilungen und herabwürdigenden Blicke, die es sonst in der Welt schon an jeder Ecke gibt.


Keine Drogen erwünscht

Eins der bescheuertesten Symbolbilder, die wir zum Thema Drogen gefunden haben. Foto: Imago Images/Panthermedia

Hier seid am Bouncer vorbei? Gut, aber drin seid ihr noch nicht ganz. Erstmal Sicherheitskontrolle. Da besser nicht mit Drogen erwischen lassen. Vor allem bei einem Stoff namens „G“ machen die Türsteher kurzen Prozess. Die Flüssigkeit ist der Allgemeinheit als „KO-Tropfen“ bekannt (und wird oft fälschlich als Liquid Ecstasy bezeichnet, obwohl es nichts mit dem Wirkstoff zu tun hat). GHB, wie G auch heißt, kann bei minimaler Überdosierung zum Tod führen. Deshalb sind Berliner Clubs, auch, wenn der Umgang mit Drogen dort vielleicht sonst  auch mal laxer ist als anderorts, bei G besonders hart. Wenn es gefunden wird, bekommt der Besitzer erst einmal Hausverbot.


Nicht Diskutieren

„THIS IS FAKE NEWS“ – nein, Donald, isses nicht. Auf Wiedersehen, vielleicht beim nächsten Mal. Foto: Imago Images/Mediapunch

Es ist wohl noch nie jemand ins Berghain gekommen, weil er mit den die Tür Bewachenden über deren Entscheidung diskutiert hat. Geht nach Hause, versucht es irgendwann wieder. Ist eigentlich allen schon mal passiert.


Nicht alle tollen Tipps glauben

Der Beweis, dass unsere Tipps super sind: Ein Bild von drinnen. Foto: tipBerlin

Das Berghain ist ein besonderer Club. Es wird und wurde viel Unfug geschrieben, und wahrscheinlich gehört das hier auch dazu. Hingehen, gucken, rein- oder weggehen. Wenn es nicht klappt, ist es auch Wurst. Das Wichtigste ist wohl: Locker sein und bleiben, wirklich wollen und sich am Ende weder angegriffen fühlen noch etwas darauf einbilden. Und wenn ihr euch völlig verbiegen müsst oder wollt, um reinzukommen, ist vielleicht eh die Frage, ob das nötig ist.


Clubkultur in Berlin: Ganz langsam geht es voran

Was ihr zur Club-Welt in Berlin wissen müsst, lest ihr hier. Thema Drogen: Was zu viele gut finden: Koks-Taxis – die nerven vor allem die Polizei. Aber die meisten wissen sowieso, dass Club-Kultur viel, viel mehr ist als Bumsen, Ballern und Berghain.

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