Konzerte & Party

Clubsterben: 9999 Jahre Antje Шklesund

Geburtstagssause und Abrissparty in einem. Wenn das Antje Шklesund im April zum neunjährigen Jubiläum lädt, wird die Feiermeute den Putz der charmanten Ruinen-Location wahrscheinlich zum letzten Mal zum Bröckeln bringen. Bereits 2012 wurde der Gewerbehof Rigaer Straße, auf dem sich das Antje Шklesund befindet, an die CG Gruppe verkauft. Diese plant, den Großteil der alten, sanierungsbedürftigen Gewerbegebäude abzureißen, um sie durch Neubauwohnungen zu ersetzen. „Seit etwa anderthalb Jahren verhandeln wir jetzt schon mit dem Investor und dem Bezirk“, erzählt Hajo Toppius, Mitglied des Vereins zur alternativen Stadtraumnutzung, der das Antje Шklesund betreibt. „Wir sind durchaus gesprächsbereit, wir suchen keine Konfrontation, sondern eine Kompromisslösung, an der mehrere Leute beteiligt sind.“ Ein Mittelweg, der die Interessen aller Anspruchsgruppen berücksichtigen würde, läge in einer vielseitigen Bebauung, die sowohl Kleingewerbe als auch Wohnungen und offene Kulturräume vorsieht. Sicher sei zwar noch nichts, meint Toppius, die Chancen stünden aber gut, dass das Antje Шklesund in den neuen Gebäuden unterkommen könne. „Die Frage ist natürlich, in wieweit alternative Kultur überhaupt transformierbar ist. „Funktioniert unser bisheriges Konzept in einem Neubau überhaupt? Kann man irgendwas davon ’rüberretten?“, gibt der Betreiber zu bedenken.
Seit das Antje Шklesund vor neun Jahren eröffnete, gehört es zu Berlins wichtigsten alternativen Veranstaltungsorten. Dies ist vor allem auf seine Organisationsform als Verein zurückzuführen, die es den Mitgliedern erlaubt, spielerisch und ohne Druck oder kommerzielle Absichten mit Kunst, Kultur und Musik zu experimentieren. „Deshalb bezeichnen wir uns auch als Audiovisual Laboratory“, erklärt Toppius. „Unser Schwerpunkt liegt darauf, Ausstellungen zu machen beziehungsweise bestimmte Installationen in den Laden ’reinzubauen, die mehr oder weniger mit Musik zu tun haben.“ Das Austesten verschiedener Aufführungsformen ist dem Verein dabei besonders wichtig. „Wir haben Bands zum Beispiel schon mal in einem Schaufenster spielen lassen“, erinnert sich Toppius. Eine Installation, die es schon bis in die ehemalige Bar 25 geschafft hat, ist das sogenannte „Wohnzimmer“: eine begehbare, komplett eingerichtete Box, deren Wände aus aufeinandergestapelten Fernsehern bestehen, die das Geschehen im Innern nach draußen übertragen.
Bei der aktuellen Ausstellung „Besichtigungstermin“ hingegen geht es weniger um das Experimentieren mit tradierten Formen des Kulturbetriebs als um die konkrete Auseinandersetzung mit der baldigen Schließung. Eine aufgebaute Baustelle samt gemütlicher Wohnung nebenan weist auf die Neubebauung des Geländes hin; Videoinstallationen zeigen Löcher und unterirdische Tunnel, die sich unter dem Antje Шklesund befinden und bereits vorab aufgestemmt beziehungsweise freigelegt wurden.
Inwieweit der Verein seine bisherige Veranstaltungsphilosophie in den neuen Räumen weiterführen kann, ist ungewiss. Natürlich könnte das Antje Шklesund auch an einem anderen Ort weitermachen, der dem jetzigen eventuell ähnlicher ist als ein Neubau, Toppius und die anderen Mitglieder lehnen diese Alternative jedoch ab. „Es gibt zwar ein paar Optionen, die zur Debatte stehen, aber eigentlich ist es doch viel spannender, wenn wir uns jetzt nicht beleidigt verdrücken, sondern versuchen, uns in den neuen Räumen irgendwie weiterzuentwickeln“, sagt Toppius.

Text: Henrike Möller

Foto: Frank Foge

9999 Jahre Antje Шklesund
Fr 11.4. Geburtstagsparty, Antje Шklesund,  Ausstellung jeweils zu den Veranstaltungen,
Infos: www.antjeoeklesund.de

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