Konzerte & Party

Cody ChesnuTT im Festsaal Kreuzberg

Cody Chesnutt

Da hat es im Regal geschlummert, ein verkanntes, hässlich geniales Entlein, randvoll mit Grundbausteinen potenzieller Welthits, allein die US HipHop-Band The Roots konnte das mit der erfolgreichen Coverversion von „The Seed“ 2002 beweisen. Das Debütalbum von Cody ChesnuTT, das vom „White Album“ der Beatles inspirierte „The Headphone“-Masterpiece, war zu Underground, zu selbstgestrickt, um aus seinem Schöpfer mehr als einen Geheimtipp werden zu lassen. Der in Atlanta geborene, nach L.A. gewechselte Pionier des experimentellen R&Bs, der Soul, Indie Rock und Pop mit gesellschaftskritischen, sozial verantwortlichen Haltungen in der Tradition eines Curtis Mayfield verknüpft, zog sich, eben erst aus seinem Wohnzimmerstudio gekrochen, gleich wieder zurück. Arbeitete an seinen ethischen Skills, ließ die Rumhurerei hinter sich, über die er gerne als Jimi Hendrix verkleidet lockere Sprüche abließ, und wurde Vater. Das, so sagt er heute, habe ihm das Leben gerettet. Nach zehn Jahren Pause ging er nach Memphis, an denselben Ort, wo schon Al Green und Willie Mitchell Musikgeschichte geschrieben haben, und nahm sein zweites Album auf. „Landing on A Hundred“ ist kein minderes Meisterwerk, nur deutlich klarer und fokussierter. Das, so sagt der stets mit einem Helm bekleidete ChesnuTT, liegt am Inhalt. „Ich möchte mit meiner Musik einen Beitrag zur Gemeinschaft leisten. Und wenn du empfindliche Themen aufgreifst, musst du dich besonders klar ausdrücken.“ Allein schon der erste Song‚ „Till I Met Thee“, legt davon Zeugnis ab – schlagkräftig und soulful trifft er ins Zentrum echter Gefühle und zieht den roten Faden durch das Album, beweist, dass Soul nicht nur ein musikalischer Stil ist, sondern vor allem emotionale Kompetenz. Und warum der Helm? „Ich trage ihn, so lange wie ich mich gefährdet fühle von den Versuchungen einer falschen Welt.“ Seine Mission: zurück zu einem einfachen, aufrichtigen Leben. Seine Sprache: infizierender Soul mit Befreiungscharakter.

Text: Christine Heise

Cody Chesnutt, Festsaal Kreuzberg, Do 7.3., 21 Uhr, VVK: 27 Euro zzgl. Gebühr

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