Konzerte & Party

Coldair im Madame Claude

Coldair

Tobiasz Bilinski hat sein neues Album „Far South“ genannt, wobei der blutjunge Songschreiber nicht an sonnige Mittelmeerländer dachte, sondern an Krakau. Für den Wahlpolen mit Adresse in Warschau ist das schon ziemlich weit südlich. In dem musikverliebten Uni-Städtchen hat er bis vor Kurzem gelebt. Sein gerade veröffentlichtes zweites Soloalbum ist eine gefühlsbetonte Rückschau auf sein dortiges Seelen- und Beziehungsleben. Es müssen bittersüße Zeiten gewesen sein. Durch die Texte von Stücken wie „Together/Alone“ oder „I Won’t Stay Up“ zieht sich das Gefühl von Abschied und Unsicherheit. Dem gegenüber steht die helle, weitgehend allein eingespielte Instrumentierung um harmonieselige Schrammelgitarren, tröstliche Vokalharmonien und gelegentlich warm tönende Trompeten, mit denen sich die Atmosphäre ins gedämpft Feierliche hebt.
Coldair hat Bilinski, der eigentlich aus dem norwegischen Fredrikstad stammt, sein Soloprojekt genannt. Die Kälte-Assoziation führt allerdings in die falsche Richtung, der dahin wehender Folk-Impressionismus erinnert an sensible Gemüter wie Maximilian Hecker oder Fran Healy. Mit seinem zimmerlauten Wohnzimmer-Pop hat der Skandinavier schon manches Mal in Berlin gastiert – eine natürliche Verbindung, wo hier doch Kompagnon Ludwig Plath alias Touchy Mob zu Hause ist. Der bärtige Barde spielt auch in Bilinskis Experimental-Folktrio Kyst.

Text: Ulrike Rechel

Coldair + Paula i Karol, Madame Claude, Di 3.1., 21.30 Uhr, AK: vor Ort erfragen

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