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Coldplay: A Head Full Of Dreams

Coldplay: A Head Full Of DreamsLange sah es so aus, als wehrten sich Coldplay mit Händen und Füßen gegen die Rolle der Superstars, doch seit Sänger Chris Martin durch seine Ehe mit Gwyneth Paltrow in Amerikas Celebrity-A-Liga andockte, hat sich die einst bescheidene Arenen-Band von nebenan gewandelt, durchaus zwiespältig: Coldplay sind seither Klatschspalten-Thema, die Gäste auf ihren Platten erinnern zunehmend an Martins Nachbarschaft in Malibu.
Auf dem neuen siebten Album gastiert ?folglich – nach Kylie Minogue oder Rihanna – Popkönigin Beyoncй, wenn auch nur verfremdet im clubbigen „Hymn for the Weekend“. Auch Barack Obama ist zu hören, der berühmte Fan erteilte für seine gesungenen Takte von „Amazing Grace“ freudig die Lizenz zum Sampeln. Ihrem Larger-than-life-Status entsprechend, ist „A Head Full Of Dreams“ das bislang popfreudigste Album der Band, allein Songtitel wie „Fun“, „Up & Up“ oder „Amazing Day“ kehren überdeutlich den Gestus hervor, in schweren Zeiten ein Füllhorn des Optimismus‘ über der Welt auszuschütten. Produzent Stargate – sonst von Rihanna oder Katy Perry gebucht – ist für eine Reihe leichter, gut tanzbarer Tracks um flinke Disco-Bässe und elektro-fizierten R‘n‘B zuständig. Feierliche Standard-Pianoballaden fehlen selbstverständlich auch nicht, und der finale Gospelpop-Bombast von „Up & Up“ hat gar etwas Weihnachtliches. Nach dem leisen, angenehm andersartigen „Ghost Stories“ (2013) bedienen Coldplay die Fanerwartungen nun umso verlässlicher, „Hymn for the Weekend“ und Feuerzeugschwenker „Amazing Day“ werden sicher wieder große Hits. Frustrierend bleibt das Berechnende und oft Aalglatte, das sich in so vielen Einzelheiten zeigt, ob staatstragendes Gesangs-Feature oder mechanisch platzierte „O-o-o“-Chöre. Für Überraschungen sind Coldplay leider die Falschen.

Text: Ulrike Rechel

Coldplay, A Head Full Of Dreams (Parlophone / Warner)

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