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Common: „The Dreamer/The Believer“

Common, The Dreamer/The BelieverWie man auf Rückschläge reagiert, weiß Common nur zu gut. Vor zehn Jahren hat er das bunt durcheinandergehende Album „Electric Circus“ veröffentlicht. Es war toll, überforderte aber seine Fans. Mit dem bodenständigeren Nachfolger „Be“ fand der Rapper aus Chicago zwischenzeitlich in die Spur zurück, ehe er aus Gründen der Erneuerung Nähe zu Kanye West und den Neptunes suchte. Das Kalkül ging nicht auf. Die elektronischen Flirts auf „Universal Mind Control“ muss man als Tiefpunkt seiner Karriere bezeichnen. Dass er nun wieder höhere Ansprüche an seine Arbeit stellt, merkt man allein schon am Mitwirken von Maya Angelou. „From all over the world they came to America, many shivering in rags, and they still dared to dream, let us dream for today and for tomorrow, let us dare to dream“, sagt die Schriftstellerin und Bürgerrechtsaktivistin in Anspielung auf eine berühmte Rede von Martin Luther King.
„The Dreamer/The Believer“ ist ein Neuanfang für Common. Er hat sich ein anderes Label gesucht und die Tracks seinem Kumpel No I.D. anvertraut, der schon seine ersten drei Alben produziert hatte. Back to the roots. Aber es hört sich schon voller als früher an.
Der 39-Jährige umgibt sich mit dem Soul von Curtis Mayfield, dem Funk von Graham Central Station, dem Soft-Rock von Kenny Loggins oder mit „Mr. Blue Sky“ von ELO. Er verabschiedet sich mit den luftig-leichten Ambient-Arrangements in „Cloth“ und „Windows“ vom brachial-burschikosen Tonfall, der im HipHop die Regel ist. Es ist ihm nicht wichtig, die Härte der Straße zu repräsentieren. Er sieht sich als Romantiker, der sich den Luxus erlaubt, an eine andere Welt zu glauben. Bestärkt wird Common darin von seinem Vater Lonnie Lynn, der in „Pops Belief“ zu uns spricht: „Live the life you believe, the American dream, the black American dream, the universal dream.“ Idealismus und Pathos im Überfluss also. Aber warum auch nicht?

Text: Thomas Weiland

tip-Bewertung: Hörenswert

Common, The Dreamer/The Believer (Warner)

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