Konzerte & Party

In Concert: Klez.e + Glass and Fishes im Lido

In ConcertHeute ist es umgekehrt. Drei Alben haben Klez.e gebraucht, um ihre Umlaufbahn rund um den Pankower Indieklub Garage zu vergrößern. „Leben daneben“ hieß das Debüt 2004. Es fiel durch einen markanten, noch etwas schüchternen eigenen Tonfall auf. Sound-Wälle aus Loops und Gitarren schichteten sich da; Tobias Sieberts Gesangsmelodien wirkten zu spröde und kantig, um etwa als Nahverwandte der Powerpopper Slut durchzugehen. Die Klänge, die Klez.e auf ihrem dritten Album komponieren, sind farbiger geworden, doch auch komplexer. „Vom Feuer der Gaben“, aufgenommen in Sieberts Studio „Radio Buellebrück“, gleicht einem Suchbild: Darin lässt sich per Tunnelblick in die Tiefe dringen. Im Erläuterungstext der kunstvoll gestalteten CD wimmelt es von obskuren Sound-Quellen, darunter Hackbrett, Didgeridoo, Kir­chen­orgel, Schuhe oder ein Reißverschluss.
Zwischen Zither und Zeitung passt gar noch ein 80-köpfiger Chor. Der zieht sich als Leitfaden durchs opulente Klangfest, mal als dezente Flüs­ter­men­ge, mal – etwa im expressionis­tisch übersteigerten Titelstück – schwillen die Stimmen zur Masse der „Carmina Burana“ an. Das Herzstück des Albums bewegt sich somit nah am Schwulst, wie bisweilen auch Sieberts lyrische Sprache, in der es immer ums Ganze geht: um Schmerz und Himmel, Engel und Tod. Es ist ein kühner, doch spannender Pop-Entwurf, den Klez.e sich da trauen. Ein bisschen wie barockes Welttheater – mit hölzernen Schnür­böden, aus denen Blitze und Donner schlagen.


Text:
Ulrike Rechel


Klez.e
+ Glass And Fishes, Lido, Di 10.3., 20 Uhr, VVK: 11,50 Euro

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