Konzerte & Party

Conor Oberst im Postbahnhof

Conor Oberst

Conor Oberst ist mit 34 Jahren ein Mann mit sehr jugendlichen Gesichtszügen. Die Produktivität aber, mit der der Songschreiber aus Omaha seit seinen Highschool-Jahren zugange ist, ergibt die gefühlte Lebenserfahrung eines weisen, alten Mannes. Sie umfasst diverse Band- und Labelgründungen, zahllose Tourneen, Ortswechsel und Selbstfindungstrips, Billboardchart-Hits und ein gewaltiges Repertoire großartiger Folk- und Rocksongs. Unlängst hat der Mann mit der zerbrechlichen, hellen Stimme nach langer Zeit mal wieder ein Soloalbum veröffentlicht. „Upside Down Mountain“ ist eine inspirierte, dichte Platte mit feinen Chören und weiter Palette an Gitarrenklängen. In den Songs tritt eine Reihe mal mehr, mal weniger verkrachter Figuren und Zweifler auf – nicht selten mit autobiografischen Zügen. „Es ist gerade eine gute Lebenszeit“, sinniert Oberst. „Es gibt eigentlich nichts Übles daran, abgesehen von physischen Plagen wie meinen Tinnitus oder dass ich nicht mehr so schnell auf der Bühne rumspringen kann wie mit 20. Dem stehen Dinge gegenüber wie die, dass ich mich heute wohl in meiner Haut fühle. Es ist angenehm, die volle Verantwortung für alles zu tragen, was ich tue.“ Nerviges wie Lampenfieber oder Unwohlsein bei Interviews plagen Oberst längst nicht mehr. „Ich hab gelernt, die Gangart zu verlangsamen“, erzählt er. „Denn seit meinen frühen Zwanzigern ging es im pausenlosen Modus voran: Album, Tour, Album, Tour, und so weiter. Es laugt dich aus, und es ist auch aus Autorensicht nicht die beste Art zu leben. Dadurch ist dein Erfahrungsraum eingeengt, denn es gibt nun mal nur eine begrenzte Anzahl Songs, die du darüber schreiben kannst, allein im Hotelzimmer zu sein.“ Zur neuen Ruhe des Tausendsassas gehört es, auch mal die Seele baumeln zu lassen. Und das gelingt ihm offenbar immer noch am besten in Omaha, der Stadt, die ihren Platz auf der musikalischen Landkarte Conor Oberst zu verdanken hat.

Text: Ulrike Rechel

Foto: Butch Hogan

Conor Oberst, Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, Berlin-Friedrichshain, Di 12.8., 21 Uhr, ?VVK: 28,70 Euro

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