Konzerte & Party

Core Tex: Mitinhaber David Strempel im Gespräch

coretex25 Jahre Core Tex, Home of Hardcore and Punk – angesichts der anhaltenden Turbulenzen in eurer Branche ist das eine reife Leistung.
Danke. Wir drei vom aktuellen Betreiberteam sind ja eigentlich erst seit 1996 dabei. Trotzdem sind wir schon stolz, es so lange geschafft zu haben, gerade weil wir in all den Jahren einige lieb gewonnene Firmen und Partner haben dahinscheiden sehen.

Wieso ist euch dieses Schicksal erspart geblieben?
Ein Punkt ist sicherlich, dass wir auf Nischenprodukte setzen, also Dinge, die es nur bei uns gibt, da wir viele Bands und Labels persönlich kennen. Außerdem ist Vinyl zurückgekommen für die Liebhaber. Insofern hat uns die ganze Download-Geschichte nicht so stark geschadet, wobei Firmen wie Amazon schon krasse Konkurrenz sind. Auch wir hatten natürlich schwere Zeiten, vor allem mit unseren eigenen Plattenlabels, an die wir gegen jede Vernunft lange geglaubt haben. Inzwischen passiert da nur noch wenig, stattdessen machen wir eigene T-Shirt-Linien. Letztlich geht es darum, nicht stehen zu bleiben und hart zu arbeiten. Wir können ja nichts anderes.

Glaubst du, dass das Core Tex so auch anderswo funktioniert hätte als in Kreuzberg?
Nein. Wir hatten hier schon viel Glück, etwa dass Läden wie das SO36 nur einen Steinwurf entfernt sind und immer Veranstaltungen in unserer Musikrichtung gemacht haben. Noch heute ist es so, dass unsere Umsätze vor einer gut besuchten Show im SO die besten sind. Genauso zieht auch das Franken entsprechendes Publikum. Hinzu kommt, dass Touristen einen großen Teil unserer Kundschaft ausmachen, seit die Oranienstraße in jedem Reiseführer steht. Gleichzeitig sind wir aber nach wie vor auch so eine Art Sozialstation, ein Platz zum Abhängen, wo die Leute aus der Gegend ihr Feierabendbier trinken und sich ihre Lieblingsplatte wünschen können. All das funktioniert nur in diesem ganz speziellen Kiez.

Passenderweise begeht ihr euer Jubiläum nun mit einem zweitägigen Festival in erwähntem SO36. Gab es für das Line-up eine Leitidee?
Wir machen da wie im Laden den Spagat zwischen Hardcore und Punk. Und wir haben nur Bands ausgewählt, mit denen wir persönlich gerne feiern wollen. Judge aus New York etwa kennen und lieben wir alle aus unseren frühen Tagen. Die waren nie in Europa, weil sie nur so kurz existiert haben, sind aber seit Mai wieder vereint und spielen jetzt bei uns. Außerdem wollten wir eine besondere Berliner Band, worauf sich überraschend Disrespect gemeldet haben. Offiziell haben die sich nie aufgelöst und würden jetzt ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Ihre Show wird daher Comeback und letztes Konzert zugleich und ich freue mich wahnsinnig, die noch mal zu sehen. Die Jungs von Final Prayer wiederum kommen immer wieder zu uns auf die Myfest-Bühne. Sie jetzt vor einem ausverkauften SO36 direkt vor Judge spielen zu lassen, worum sich jede Hardcore-Band aus Europa reißen würde, ist vielleicht eine Möglichkeit, ihnen etwas zurückzugeben.

Nicht wenige in der Szene bemängeln ja den Ausverkauf solcher Ideen. Style zähle oft mehr als Attitüde, heißt es da. Wie nehmt ihr das wahr?
Es stimmt schon, dass es vielfach an Messages fehlt und oft das Geschäft im Vordergrund steht. Das finde ich schade. In der Diskussion darf man aber nicht vergessen, dass die meisten Bands heutzutage vom Merchandise leben und daher neben einer CD auch gleich zehn verschiedene T-Shirt-Motive machen. Ich tue mich schwer damit, das zu kritisieren, weil wir selbst letztlich auch davon zehren. Wir sind schon dankbar dafür, dass wir dadurch nach wie vor unseren Traum leben können, dass wir selbstständig arbeiten und denken können, ohne uns an große Firmen zu verkaufen. Und am Ende sind es dann doch Punk und Hardcore, die von allen Musikrichtungen noch eine direkt politische Botschaft vertreten. Auch mit unserem Laden arbeiten wir mit engagierten Leuten zusammen, die gute Ideen haben. Denn die gibt es nach wie vor.

Welche Platten möchtest du dabei in den nächsten 25 Jahren nicht missen?
Ich würde mich auf „The Age of Quarrel“ von Cro-Mags und irgendwas von unserer Hausband Troopers beschränken, am besten ein neues Studioalbum. Ansonsten werden wir Underground-Musik fördern, solange es diese gibt.

Interview: Roy Fabian

Foto: Oliver Wolff

Core Tex Fest 2013 mit Judge, Troopers, Final Prayer u.?a. SO36, Fr 23.8.?+?Sa 24.8., 18 Uhr, VVK: 20 Ђ (nur noch Sa)

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