Konzerte & Party

Cosmo Jarvis im Comet Club

Cosmo Jarvis

Als Cosmo Jarvis 2009 sein Debütalbum he­rausbrachte, hatten seine Schulfreunde von früher gerade frisch das Abi in der Tasche. Selber verabschiedete sich der Engländer schon mit 16 aus der Schule; zu viele Storys hatten sich in seinem Kopf angesammelt. Blieb nur die Frage, ob er seine Geschichten eher in Popsongs oder Filmen umsetzen würde – oder am besten in beiden Disziplinen. Seither schlägt sich der 22-Jährige als wuseliger Allrounder durch, der alles selber macht: Platten, Label, pfiffige Videos, die eher Kurzfilme als Musik­clips sind: so das selbstgedrehte Filmchen zum Akustik-Ohrwurm „Gay Pirates“, in dem Jarvis einen Meeresreisenden mimt, der sich mit seiner großen Liebe im Kuss vereint: einem Jungen namens Sebastian. Auf Youtube wurde die schwule Romanza zum Hit. Die Kombination aus rustikalem Sea Shanty mit gezupfter Mandoline und kneipentauglichem Chorus nebst queerem Subtext ist in der Tat ungewöhnlich. Man spürt Jarvis’ Vergnügen daran, Erwartungen zuwiderzulaufen. Auf seinem programmatisch betitelten zweiten Album „Is The World Strange Or Am I Strange?“ geschieht das nicht nur textlich, sondern auch musikalisch. Auf Seemannsgarn folgt leise Wohnzimmer-Akustik, skurrile Fabeln wechseln mit persönlichen, jugendlich-verletzten Zeilen an die Eltern, deren Trennung Jarvis schon auf seinem Debütalbum verarbeitete. Sogar im Rap-Fach fühlt sich der Autodidakt zu Hause – was sich dann ein wenig anhört wie die Milchzahn-Variante von Mike Skinners sarkastischen Wortkaskaden.

Text: Ulrike Rechel

Cosmo Jarvis, Comet Club, Mi 18.1., 21 Uhr, VVK: 12 Euro