Konzerte & Party

Courtney Pine in der Universität der Künste

Courtney PineErinnert sich noch jemand an „The Journey To The Urge With­in„? 1986 wurde Courtney Pine für dieses sagenhafte Album wie kein anderer britischer Jazz-Debütant seiner Generation gefeiert. Damals schon nahm man bei ihm eine Unberechenbarkeit wahr, die zum Markenzeichen werden sollte.
Der heute 45-Jährige ist keiner, der strikt in der Spur bleibt. Er gehorcht lieber der inneren Stimme und lässt sich von ihr in alle möglichen Richtungen treiben. Er bewundert die großen Saxofonisten John Coltrane und Sonny Rollins, betont mit Reggae-Elementen auch seine jamaikanischen Wurzeln. Abstecher in die Gebiete des Soul, Hip­Hop oder Drum’n’Bass sind für ihn eine Selbstverständlichkeit. Selbst das Instrument wechselt Pine des Öfteren – neben dem Saxofon greift er zu Klarinette, Flöte und Keyboards.
Sein jüngstes Album „Transition In Tradition“ hat der Vagabund Sidney Bechet gewidmet. Pine spielt aber keine Stücke der Jazz-Legende nach. Er glänzt mit eigenem Material, das den Geist Bechets und dessen primärer Wirkungsstätte New Orleans einfangen soll. Der karibische Einfluss wird durch Impressionen aus Haiti und Kuba abgedeckt. Pine webt etwas Ska ein und wechselt im nächsten Moment zu Polka und Tango über. Sein momentanes Lieblingsthema, das Hin- und Hergerissensein zwischen zwei Kontinenten, kommt in „Afropean“ zum Ausdruck. Mit diesem rhythmisch fordernden Stück sollte er die Zuhörer beim kommenden Konzert im Nu von den Sitzen reißen. Aber wer weiß, vielleicht lässt sich der nimmermüde Weltenwanderer von der inneren Stimme wieder mal ganz woandershin führen.

Text: Thomas Weiland

Courtney Pine & Diknu Schneeberger Trio, Universität der Künste, Mi 30.12., 20 Uhr, VVK: 25-47 Euro

Tickets www.tip-berlin.de/tickets

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