Kommentar

„Cover“ von Stefan Hochgesand

Kürzlich habe ich mich über ein Album geärgert, das harmlos daherkam: „Gentlewoman, Ruby Man“ von Flo Morrissey und Matthew E. White

Stefan Hochgesand

Eine uninspirierte Cover-Wundertüte mit allem drin, was Melancholikern Freude bringen könnte: von Leonard Cohen bis James Blake. „Mit denen kann man nichts falsch machen“, werden sich die beiden gedacht haben. Das Problem: Mit denen kann man es fast nur falsch machen. Weil die Originale unschlagbar sind.

Andererseits: Natürlich geht es beim Covern nicht darum, das Original vom Thron zu hauen, sondern eine unerhörte Facette zu finden. Scott Matthew hat auf seinem Cover-Album „Unlearned“  selbst Whitney Houstons „I Wanna Dance With Somebody“ so sehr im Tempo gedrosselt, in Moll getaucht, mit Klavier und Ukulele versehen, dass die Kritik raunte: „Im Grunde klingen alle von Scott Matthews Coverversionen einfach wie Scott-Matthew-Songs.“ Eben! Ich liebe das Cover-Album „Stuff Like That There“. Und Ryan Adams skelettierte „Wonderwall“ von Oasis so radikal, dass irgendwann selbst Noel Gallagher gestand: Am liebsten würde er den Song auch so spielen, aber das würden die Oasis-Fans nicht verstehen.

Letztens habe ich zum ersten Mal Zwillinge bei einem Konzert im Publikum gesehen. Der Wahnsinn, wie unterschiedlich die beiden trotz gleicher DNA auf die Songs in ihren Bewegungen reagierten. Weil jeder sein eigenes Leben mitbringt. Das hat mich dann fast versöhnt mit den Covern, die mir selbst nichts gaben.

Mehr über Cookies erfahren