Konzerte & Party

Crime And The City Solution im C-Club

Crime And The City Solution

Der weitläufige Konzertsaal wirkt kalt und anonym. Eine Aura von Endzeit und Melancholie hängt in der Luft. Auf der Bühne beschwört der hagere Sänger im düster-erotischen Schlangentanz einen schleppenden Todesblues. Die Szene stammt aus Wim Wenders‘ „Himmel über Berlin“, die Band heißt Crime and the City Solution, der Sänger Simon Bonney. Es ist ein Moment, in dem sich Film, Musik und Stadt zur Einheit vermengen, ein Synonym für den West-Berliner Underground der 1980er Jahre. Bonney zog 1985 in die Mauerstadt, angezogen von der klaustrophobischen Stimmung und dem regen Zuspruch seines alten Kumpels Mick Harvey, den der Australier noch aus alten Tagen in der Post-Punk-Szene von Sydney und Melbourne kannte. Nick Cave, Harvey und die restlichen Bad Seeds lebten bereits hier und zelebrierten die urbane Kaputtheit und den Raubbau am eigenen Körper. Bis dahin verliefen Bonneys musikalische Gehversuche in seiner Heimat und auf kurzer Zwischenstation in London, wo er mit Rowland S. Howard und Epic Soundtracks arbeitete, die später mit These Immortal Souls ihren eigenen Weg gingen, eher unspektakulär. Erst in Berlin erreichte er mit Crime and the City Solution seinen künstlerischen Höhepunkt. Neben Mick Harvey schloss sich Bonneys Lebensgefährtin, die australische Geigerin Bronwyn Adams, dem Berliner Line-Up an. Aus Deutschland kamen Chrislo Haas von DAF und Alexander Hacke von den Einstürzenden Neubauten.
Der rohe Bluespunk und die dunklen Rocksounds paarten sich fortan mit sphärischen Drones und Klangexperimenten, die um Bonneys flehende Stimme einen bedrohlichen Kosmos formten. Zwischen 1986 und 1991, dem Jahr der Auflösung, entstanden fünf stilprägende Alben. Mark Lanegan und 16 Horsepower sind prominente Verehrer. Dann verschwand das deutsch-australische Freundschaftsprojekt, das im Schatten der weitaus erfolgreicheren Bad Seeds und Neubauten stets ein Geheimtipp-Dasein fristete. Bonney, der mittlerweile in Detroit lebt und sich die Zeit mit Country und Americana vertreibt, rief nach 20 Jahren seine Band nun aber noch einmal ins Leben. Hacke und Adams folgen ihm wieder, neu kommen Jim White von den Dirty Three und David Eugene Edwards von Woven Hand dazu. Ein neues Album ist zudem für 2013 angekündigt.

Text: Jacek Slaski

Foto: Danielle De Picciotto

Crime and the City Solution + Anna von Hausswolff & Insect Ark, C-Club, Mi 31.10., 20 Uhr, VVK: 25 Euro zzgl. Gebühr

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