Konzerte & Party

Crystal Castles habe ihr aktuelles Album in Polen aufgenommen

CrystalCastleUm 2007 herum waren Electro-Bands das große Thema. Nicht alle haben am Ende gehalten, was man sich von ihnen versprochen hatte. Crystal Castles aber schon. Das erstaunt durchaus, wenn man bedenkt, wie sehr die beiden Kanadier auf ihrer ersten EP „Alice Practice“ alle möglichen 8-Bit-Synthesizer traktiert hatten. Sie hörten sich nach außer Rand und Band geratenen Videospielen und Gameboys früherer Generationen an.

Doch schon bald zeigte sich, dass Alice Glass und Ethan Kath nicht nur auf Trash aus sind. Auf wilde Momente folgen bei ihnen heute schon mal Ruhepausen wie in „Celestica“. Crystal Castles ist es sogar gelungen, Robert Smith von The Cure einzuspannen, was ihnen ein ganz neues Publikum eingebracht hat. An Kompromissen sind Glass und Kath aber nicht dauerhaft interessiert. Das lässt sich jetzt mit Sicherheit sagen, da das dritte Album vorliegt. Für die Aufnahmen haben sich die beiden nicht Berlin ausgesucht, was bei so einer Band naheliegend gewesen wäre, sondern Warschau.

Die polnische Hauptstadt hat schöne Ecken, aber die Folgen des Zweiten Weltkriegs und der jahrzehntelangen kommunistischen Herrschaft stecken dort immer noch in den Ritzen. An dieser Atmosphäre haben Glass und Kath Gefallen gefunden. Viele Stücke hören sich an, als seien sie in einen düsteren Schleier gehüllt. Sie handeln vom Zorn Gottes und gewalttätiger Jugend und sorgen für eine Stimmung, die Crystal Castles in die Nähe eines Stils bringt, den man Sad Electro nennen kann. Seltsamerweise harmoniert das Finstere problemlos mit den Passagen, in denen es nach freundlichem Techno klingt oder in denen Glass verträumt singt.

Text: Thomas Weiland

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