Konzerte & Party

Crystal Stilts im Gretchen

CrystalStiltsStartprobleme kannten sie nicht. „Alight Of Night“ war ein großartiges Debütalbum. Mit ihm hatten es Crystal Stilts auf alle möglichen Aspekte des Indie-Rock abgesehen. Sie holten den Drive des Surf-Punk zurück, machten ständig vom Reverb-Effekt Gebrauch und zitierten statt der üblichen Rock’n’Roll-Verdächtigen britische C86-Sensibelchen. Der Nachfolger „In Love With Oblivion“ war noch besser, weil die Band eine unheimliche Stimmung erzeugte, ohne dabei abschreckend zu wirken. Vereinzelt wurde gemutmaßt, Crystal Stilts hätten damit bereits ihren Höhepunkt erreicht, aber mit ihrem neuen Album „Nature Noir“ demons­trieren sie Entwicklungsfähigkeit. Die Grundhaltung ist entspannter, der psychedelische Touch ist stärker ausgeprägt, Veredlungen durch Streichersätze gibt es auch.

Völlig aus dem Nichts kommt Vex Ruffin. Der Amerikaner mit philippinischen Wurzeln arbeitet tagsüber als Kurier für UPS und produziert abends wahre Lo-Fi-Juwelen. Der erste Track auf dem nach ihm benannten ersten Album heißt „Living For The Future“, aber diesen Titel sollte man nicht programmatisch verstehen. Auch Vex Ruffin orientiert sich an Vergangenem, in diesem Fall besonders am Electro-Punk von Suicide. Vex ist nicht daran interessiert, sich verzweifelt in den Vordergrund zu drängen. Mit einem Gesang, der aus dem Hintergrund kommt, schlüpft er in die Rolle eines zufällig erschienenen Nebendarstellers und lässt monoton surrenden Analogsynthesizern, Funk-Basslinien aus der No-Wave-Ära oder holpernden Beats aus dem frühen HipHop den Vortritt. An sein Rumpeln und Rumsen kann man sich gewöhnen.

Text: Thomas Weiland  

Crystal Stilts + Vex Ruffin Gretchen, Mi 20.11., 21 Uhr, VVK 12 Ђ zzgl. Gebühr

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