Dark Folk

Current 93 und Hypnopazuzu

Sie geben keine Konzerte, sondern halten Andachten, ihre Platten sind magische Artefakte und ihre Musik eine spirituelle Brücke, die uns hilft, mit höheren Wesen in Kontakt zu treten

Foto: Ruth Bayer

Das klingt esoterisch und ist es auch, aber auf eine vom Kitsch und New-Age-Blödsinn befreite, dafür künstlerisch anregende Art. Current 93 oder viel mehr ihr Vordenker, Philosoph, Sänger und einziges kontinuierliches Bandmitglied David Tibet haben eine ganz eigene Welt erschaffen, deren okkultistische Ausrichtung zwischen archaischem Christentum, Buddhismus, düsterem Folk und frühem Industrial der Throbbing-Gristle-Schule pendelt. In keiner Weise ist die 1982 in London erstmals manifestierte Formation jedoch der schnöden Goth-Szene zuzurechnen, wenn es auch seitens des Publikums Überschneidungen geben mag. Schwarz gefärbte Haare, Friedhofromantik und Kajalstift sind Tibets Sache nicht. Seine immerwährende Suche ist tiefgründiger, eine mystische Reise zu den großen Fragen des Seins: Gott, Natur, Leben, Tod, Sex, Liebe. Auf ungezählten Platten gibt sich Tibet seinen Forschungen hin, die ihn ästhetisch von experimenteller Elektronik bis zur Kammermusik führten. Bald soll ein neues Album mit dem Titel „FirstGhostFaceFilm“ erscheinen, vorab spielt Tibet an zwei Tagen in Berlin: erst im Duo Hypnopazuzu zusammen mit dem Produzenten und Killing-Joke-Bassisten Martin Glover alias Youth und am nächsten Tag mit Current 93.

Hypnopazuzu Musikbrauerei, Greifswalder Str. 23a, Prenzlauer Berg, Fr 20.10., 22 Uhr, VVK 36 €

Current 93 Apostel-Paulus-Kirche, Klixstr. 2, Schöneberg, Sa 21.10., 20 Uhr, VVK 52 €

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