Konzerte & Party

Dagobert im Ritter Butzke

Dagobert

Noch bevor Dagobert Jäger sein erstes Album fertig hatte, gab es für ihn schon mal ein Debüt im Kino. In Klaus Lemkes trashiger Hauptstadt-Hommage „Berlin für Helden“ von 2011 spielt der Synthpop-Barde sich selbst: einen Dandy auf Wanderschaft, mit zerschlissenem Frack und spitzen Schuhen, der mit schnell aufzubauendem Synthesizer auch mal spontan einen Gig an der verkehrsstarken Kreuzung am Rosenthaler Platz spielt. Da wirkte der Schweizer mit Adresse in Kreuzberg ein wenig wie der poetische Clown inmitten des Narrenschiffs. Ein Gefühl, das sich so ähnlich auf seiner Debüt-CD überträgt. Hier begegnet einem ebenfalls nur minimales Instrumentalgepäck: Neben besagtem No-Name-Synthesizer samt voreingestellter Rhythmusvariationen ist es die beherzte, ungeübte Stimme Dagoberts, die sich mit alpinem Zungenschlag in einen glühenden Liebeswahn singt. „Morgens um halb vier“ hat es inzwischen zum kleinen Hit gebracht. Darin besingt der 30-Jährige ein makelloses Ideal ewiger Zweisamkeit, samt Haus am Meer und Kindersegen. Je nach Sichtweise erinnert das an die pure Spießerhölle oder an eine drogeninduzierte Hippie-Vision. Schön klingt es nicht immer, wenn Dagobert furchtlos ins Falsett abhebt. Doch hat man sich eingelauscht in die großäugige Wohnzimmer-Extravaganza, dann wirken die Gefühlsexplosionen und Wackler dem Thema gegenüber ziemlich angemessen. Das ironiefreundliche Hamburger Indie-Label Buback hat das spaltende Potenzial seines Neuzugangs längst erkannt. Die freundliche Warnung des Hauses lautet: „Sie werden es lieben oder hassen!“

Text: Ulrike Rechel

Foto: Fabian Frost, www.fabianfrost.de

Dagobert, Ritter Butzke, Fr 24.5., 22 Uhr, VVK: 10 Euro zzgl. Gebühr

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