Pop-Kabarett

Dakh Daughters

Einst Maidan-Kult, heute immer noch irritierend: Dakh Daughters

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Als die Welt brannte, schlug die Stunde des Kabaretts. Ob Weltflucht oder politische Erweckungsmomente: Die Kleinkunstbühne, so bewiesen in den Weimarer Jahren Künstler von Karl Valentin bis Erika Mann, kann dem Krisengeplagten beides bieten.
Beinahe hundert Jahre später scheint das noch immer zu gelten. Im Dezember 2013, auf dem Höhepunkt der Unruhen in der Ukraine, betraten sieben puppenblass geschminkte Frauen die Bühne auf dem Kiewer Maidan – und wurden mit ihrem „Freak Cabaret“ zu Galionsfiguren der Proteste. Die Dakh Daughers, ein dem Avantgarde-Theater Dakh entwachsenes Kollektiv, lieferten eine irritierende Performance in irritierenden Tagen: Ukrainische Volksweisen kombinierten sie mit Bukowski-Zitaten, Punk- und Varieté-Einflüssen. Dazu Kopftücher und Zottelmäntel, die an Bauerntrachten erinnern, mit Make-Up im Stil von Klaus Nomi. Ein bisschen Folklore, ein bisschen Reminiszenz an das frühe 20. Jahrhundert, als die osteuropäische Intelligenzija nach Kiew drängte: Ukrainische Identität im Zerrspiegel, und das auf dem Maidan, der nie nur Forum für Progressive, sondern auch Sammelbecken nationalistischer Kräfte war.
Lichtjahre entfernt scheinen heute die Demonstrationen in Kiew. Die Maidan-Töchter jedoch spielen unbeirrt weiter, stellen nun in Berlin ihre erste Studioplatte „If” vor. Gut so, verbindet man mit Kabarett in der einstigen Varieté-Hauptstadt doch heute vor allem müde Politsketche.

HAU1 Stresemannstr. 29, Kreuzberg, Mi 18.1., 20 Uhr, VVK 11–22 €

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