Konzerte & Party

Dance On The Tightrope im Festsaal Kreuzberg

Dance On The Tightrope

Berlin gilt bekanntlich als „place to be“. So sagen es zumindest Bands, die aus aller Welt hergezogen sind. Gerrit Beiersdorf mag seine Heimatstadt auch sehr. Schließlich läuft es ganz gut für seine noch junge Band Dance On The Tightrope. Vergangenes Jahr dagegen fiel dem Sänger und Gitarristen „die Decke auf den Kopf“. Also suchte er die Inspiration eine Weile woanders, und zwar in London. Konzerte hat er dort gehört, Clubs aufgesucht, nach „Couch-Surfing-Prinzip“ übernachtet, sich mit der Gitarre als Straßenmusiker versucht. „Es hat sich eigentlich alles relativ gut gefügt“, erinnert sich der 21-Jährige, „dafür dass ich dort wirklich keine Seele kannte.“ Der Luftschnapper in die Hauptstadt des gelobten Poplandes scheint naheliegend zu sein. Wo doch Bands wie Editors, Radiohead oder Wild Beats, und das kann man nicht überhören, wichtig gewesen sind auf dem Pfad der Berliner von der heftig rockenden Schülerband aus Steglitz zur melodieseligen, feiner nuancierten Truppe mit hervorgehobenem Synthesizer-Einsatz. Frontmann Beiersdorf umarmt den großen Gefühlsausdruck, tanzt selig zwischen den Geschlechtern. „Wenn jemand sagt, ich klinge wie eine Frau und es gefällt ihm, dann ist das doch klasse“, sagt er. Im eingängigen, mit frostiger Wave-Grundierung unterlegten Song „Clouds“ hebt er in hohe Gesangssphären ab, im stillen „At First Sight“ mit kometenhaft schweifenden Keyboards schlägt er zartes Falsett an. Auch die übrigen Stücke auf der neuen EP „Paste“ – schlüssig benannter Nachfolger der EP „Copy“ – pendeln zwischen großäugiger Euphorie und dämpfender Abkühlung. Für die deutliche britische Brise im Sound des Quartetts braucht Beiersdorf derzeit auch keine Londoner Straßenluft mehr. Berlin findet er mittlerweile wieder spannend. „Von mir aus darf alles so weitergehen, wie es gerade ist“, sagt er erwartungsvoll. Die Aussichten auf Einladung des Karrera Klubs, im September ein Headliner-Konzert im Lido – sind rosig. Zumal der Sänger bald wieder „die Flucht ergreift“. Dann lässt er Steglitz hinter sich und testet Neuland: Kreuzberg oder Neukölln.

Text: Ulrike  Rechel

Dance On the Tightrope, Festsaal Kreuzberg, Sa 6.8., 23 Uhr, BÄHM! – Das ultimative Zusammentreffen der Berliner Indie-Szene mit DJs Tim, Christian & Spencer (Karrera Klub), Alex & Fabian (young/and/lost Berlin), AK: 6 Euro

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