Konzerte & Party

The Darkness im C-Club

TheDarkness_c_ScarletPageGäbe es einen Wettbewerb, wer in jüngerer Zeit dem klassischen Cocktail aus Sex, Drugs and Rock’n’Roll am heftigsten zugetan war, Justin Hawkins könnte sich gute Chancen dabei ausrechnen. 2003 avancierten er und seine Band The Darkness aus dem Stand zum heißesten Scheiß des Jahres. Ihr Debüt „Permission To Land“, das Hard-, Glam- und Blues-Rock mit ohrwurmhaften Melodien kombinierte, verkaufte sich wie geschnitten Brot und bewies so manchem ungläubigen Musikmanager, dass quietschender Falsettgesang, breitbeinige Gitarrensoli und hautenge Spandex-Kostüme auch drei Dekaden nach ihrer Erfindung noch zum Megaseller taugen können.

Das Haarspray-Metal-Revival war freilich von kurzer Dauer: Zwar fand selbst Madame Tussauds Gefallen an dem exaltierten Hawkins und verewigte ihn als Wachsfigur am Londoner Stammsitz. Das Original jedoch verließ nach mediokrem zweiten Album und schier endlosen Tourneen seine Mitstreiter in Richtung Entzugsklinik, um angesichts jährlicher Kokainrechnungen von 150?000 Pfund Körper, Geist und Finanzen zu heilen. Anschließend gründete Hawkins die Formation Hot Leg, trat im britischen Vorausscheid zum Eurovision Song Contest auf und musizierte mit Meat Loaf oder Def Leppard, während seine Stammband ihr Heil fortan als Stone Gods suchte. Nachhaltige Befriedigung daraus erwuchs keiner der beiden Seiten, so dass sich The Darkness bald reformierten und 2012 ihre dritte Platte „Hot Cakes“ veröffentlichten.

Mag es darauf auch nicht so explosiv zugehen wie in den Anfangstagen, so zeigt das Album doch, dass noch immer kaum jemand so hübsch zwischen Queen, AC/DC und neuerdings auch Radiohead grooven kann wie das Quartett aus Lowestoft. „Wir sind umgezogen vom Party- in den Chillout-Room“, sagte Hawkins dazu. Passenderweise ernährt er sich heute größtenteils von Gemüse und Wasser, zudem joggt er jeden Morgen mehrere Kilometer. Sogar seine Wäsche macht er selbst, „als Teil des Erdungsprozesses“. Dem Coolness-Faktor scheint dies keinen Abbruch zu tun: Unlängst spielten The Darkness im Vorprogramm von Lady Gaga – auf Einladung der Meisterin höchstpersönlich. Deren Teenie-Publikum reagierte dabei zwar weitgehend fassungs- bis teilnahmslos, aber The Darkness ließen selbst unter solch erschwerten Bedingungen noch ihren gewitzten Charme aufblitzen.

Text: Roy Fabian

Foto: Scarlet Page

The Darkness + Ginger Wildheart C-Club, Mo 18.3., 21 Uhr, VVK: 27,50 Ђ zzgl. Gebühr

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