Konzerte & Party

Das Barcelona – B2B – Berlin – Festival

Michele D'Alesio

Ein Punkmusiker aus Italien veranstaltet zusammen mit einem Theater in Barcelona ein Elektro-Festival in einem Club in Berlin. Das erklärt sich nicht von selbst. Fragt man Michele D’Alessio danach, dann weiß er zuerst nicht so richtig, was er antworten soll. Der 46-Jährige organisiert seit 2008 das B2B-Festival, ein Festival, das die Elektro-Szenen Berlins und Barcelonas zusammenbringt. Die ersten vier Mal fand es in Barcelona statt, in diesem Jahr treffen sich Musiker und DJs aus Berlin und aus der katalanischen Metropole zum ersten Mal auch in einem Berliner Club, im Gretchen in Kreuzberg.
Kreuzberg, Katalonien, Italien, Punk und Elektro. Für Michele D’Alessio ist das alles ganz logisch. Vielleicht, weil es unmittelbar mit seiner eigenen Biografie zusammenhängt. In den 80er-Jahren war der in Turin aufgewachsene D’Alessio Schlagzeuger der italienischen Hardcore-Punkband Negazione. Vier Alben haben sie veröffentlicht, sie tourten durch Europa und spielten auf Festivals. Heute, 20 Jahre nach ihrer Auflösung, genießen sie noch immer einen gewissen Kultstatus, nicht nur in Italien. Auf einer ihrer Touren kamen sie auch in Berlin vorbei. Das war 1986, D’Alessio war Anfang 20, lange Haare, ärmelloses Shirt, zerrissene Jeans. „Wo wir damals aufgetreten sind, weiß ich nicht mehr. Irgendwo beim Bahnhof Zoo„, sagt D’Alessio, trinkt einen Schluck Orangenlimonade, schiebt seine Brille mit dem dicken schwarzen Rand ein Stück hoch und fährt sich durch die kurzen Haare. Beeindruckt sei er damals von der Stadt gewesen, besonders von Kreuzberg: die vielen illegalen Partys, die besetzten Häuser, die Freiräume. „Aus Turin kannte ich so was nicht“, sagt er. Immer wieder sei er deshalb zurückgekehrt und, nach einer kurzen Zwischenstation in New York Anfang der 90er-Jahre, sei er dann eben ganz hier geblieben, wegen der Stadt und wegen einer Frau. Jetzt lebt er seit fast 20 Jahren hier, vor acht Jahren hat er den Plattenladen Piatto Forte in der Schlesischen Straße aufgemacht. „Wir verstehen uns vor allem als Plattform für eher unbekannte Musiker, wir wollen experimentelle Musik unterstützen.“ Und so finden in dem winzigen Laden auch schon mal Live-Konzerte statt. Seit er in Berlin ist, hat D’Alessio auch immer mal wieder Partys organisiert, etwa im Pfefferberg oder im SO 36, und er legt auch selbst als DJ Baroxmix auf. Schon lange dreht sich bei ihm nicht mehr alles nur um Punk und Hardcore. „In New York habe ich mich von HipHop anstecken lassen“, erzählt er. „Dann bin ich von Triphop über Drum’n’Bass und Acid Jazz schließlich bei Elektro gelandet.“
Das alles erklärt schon mal, wie ein Punkmusiker aus Italien zum Veranstalter eines Elektro-Festivals in Berlin werden konnte. Bleibt nur noch die Frage, wie Barcelona dazu passt. „Ach, das war reiner Zufall“, sagt D’Alessio. „Ich war mal wieder in Italien, und dort habe ich Leute kennen gelernt, die in Barcelona das L’Antic Teatre machen. Und so kam eins zum anderen.“ Das L’Antic Teatre ist ein über hundert Jahre altes Theater im Barri Gтtic, im Gotischen Viertel nordöstlich der berühmten Ramblas. Lange war es ungenutzt, bis die Performance-Gruppe Semolina Tomic das Theater vor etwa zehn Jahren entdeckte und als Veranstaltungsort für Theater, Tanz und Musik eröffnete. „In Barcelona interessiert man sich für alles, was in Berlin passiert, in den Clubs und in der Musik-Szene“, sagt D’Alessio. Die Idee für ein Musik-Festival, bei dem es um den Austausch zwischen den beiden Städten geht, war geboren.

Text: Katharina Wagner

Foto: Oliver Wolff

Barcelona – B2B – Berlin, Gretchen, Fr 21. + Sa 22.9., 22.30 Uhr, mit Elle P, The Fake Druid, Mutfak Drt, Miss Q, Carlazz, Mara Bella u.a.

www.gretchen-club.de, www.anticteatre.com

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