Konzerte & Party

Das BeLaSound-Festival im Yaam

Los Van Van

BeLaSound sollte ein Beitrag zur Multinationalität der Hauptstadt sein – ein ausgelassenes, lebensfrohes und kunterbuntes Event mit Tanz und Percussion-Workshops, Sportangeboten, Kulinarik und Livemusik, das die lateinamerikanische Welt umfassend und fernab von Klischees widerspiegelt. Ausgerechnet der Veranstalter, der mit seinem Festival Berlins Offenheit und seinen Kosmopolitismus feiern will, soll nun im Vorfeld bei einem anderen Event am selben Ort rassistische Übergriffe erlebt haben. BeLaSound-Organisator Jan Stens erhebt jedenfalls schwere Vorwürfe. Am 24. Mai, während des Nike­­-Frauenlaufs, bei dem Stens für die Gastronomie zuständig war, soll das dortige Personal seine ausländischen Mitarbeiter mehrfach beleidigt und als „Neger“ verunglimpft haben. Der Pächter des Strandbads Plötzensee, Erik Müller, weist die Anschuldigungen als „reinen Wahnsinn“ ab: „Mein Team besteht selbst zu großen Teilen aus Leuten mit Migrationshintergrund. Außerdem ist mein Geschäftspartner Jude. Bei uns gibt es keine Rechtsradikalen.“ Für Stens hingegen ist das kein überzeugendes Argument. Er hält Müllers Aussage für schlichtweg naiv: „Müllers Team ist nicht multikulti. Er hat ausschließlich Ukrainer und Polen eingestellt. Keine Dunkelhäutigen.“ Und die sollen schließlich beschimpft worden sein. Die Strandbad-Mitarbeiter sollen außerdem eindeutig Kleidung tragen, die sie als rechtsextrem ausweise. Selbst ihre Handyklingeltöne sollen Nazi-Parolen sein.
Alice FrancisWährend bezüglich der rassistischen Anfeindungen Aussage gegen Aussage steht, ist ein weiterer Vorfall wiederum zweifelsfrei bestätigt: Stens wurde am Tag des Nike-Frauenlaufs verprügelt und musste anschließend im Krankenhaus behandelt werden. „Es war keine Schlägerei. Da gehören schließlich zwei dazu. Ich lag am Boden, und der Typ hat auf mich eingetreten.“ Müller betont in diesem Zusammenhang nur, dass es keiner seiner Mitarbeiter gewesen sei und er damit nichts zu tun habe. Es sei ein Streit zwischen Stens und einem anderen Gastronom vor Ort gewesen. Der BeLaSound-Veranstalter soll laut Müller angeblich Rechnungen nicht bezahlt haben, woraufhin es zu einer Auseinandersetzung gekommen sein soll. „Alles Quatsch“, behauptet Stens. „Es gibt keine offenen Beträge.“ Er beschuldigt Müller indes, den Konflikt angestachelt zu haben, und schätzt persönlich den Pächter so ein: „Müller ist ein aggressiver Typ. Das muss ja irgendwann auf die Leute in seinem Umfeld überschwappen.“ Der Strandbad-Pächter sei außerdem am Tag des Nike-Frauenlaufs äußerst angespannt gewesen, weil er kurz zuvor erfahren haben soll, dass sowohl diese Veranstaltung als auch das BeLaSound-Festival vom Bauamt angeblich überhaupt nicht genehmigt worden waren. Wenn das wahr sein sollte, „hätte Müller uns die Veranstaltung gar nicht anbieten dürfen“, ärgert sich Stens. Dabei sei er sogar gewarnt worden, er solle nicht mit Müller zusammenarbeiten, aber da sei es schon zu spät gewesen. Müller wiederum sieht sich nicht in der Verantwortung. Es sei Stens‘ Job, sicherzugehen, dass das Festival von allen Seiten genehmigt ist. „Jetzt, wo das Event nicht stattfinden kann, versucht Stens, sich aus den Verträgen hinauszuflüchten, indem er diesen Skandal heraufbeschwört“, meint Müller.
Bis zu 300.000 Euro Verlust will der BeLaSound-Organisator durch den kurzfristigen Location-Wechsel gemacht haben. Da der neue Austragungsort, das Yaam, weit kleiner ist als das Strandbad Plötzensee, müssten nun auch die Eintrittspreise reduziert werden. Trotzdem will Stens das Festival auf keinen Fall absagen: „Wir planen dieses Event seit acht Monaten! Es wäre eine Enttäuschung für alle, die daran geglaubt haben, wenn wir jetzt aufgeben.“
Einschnitte im Festivalprogramm lassen sich jedoch nicht umgehen. So wird rund ein Drittel der gebuchten Acts nicht auftreten können. Betroffen sind vor allem jene Bands, die für den Freitag eingeplant waren, darunter das französische Percussion-Ensemble Tambours du Bronx. Weiterhin bestätigt sind jedoch Headliner wie Nouvelle Vague, die Salsa-Koryphäe Los Van Van aus Kuba (Foto oben) oder die derzeit vor allem in Amerika sehr erfolgreiche kolumbianische Band Monsieur Perinй, die Rhythmen der 30er- und 40er-Jahre mit Gypsy-Swing, Salsa, Cumbia, Tango und aktueller lateinamerikanischer Musik mischt.

Text: Henrike Möller

BeLaSound – 3 Days of Music, Style & Fun mit Los Van Van, ­Nouvelle Vague, Alex Cuba u.v.a., Yaam, 14.–16.6., 11–23 Uhr, VVK und aktuelle Informationen unter www.belasound.de, Kinder bis 13 Jahre frei

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