Konzerte & Party

Das Debüt-Album von Emika

Emika

Musiker hat es in letzter Zeit oft nach Berlin verschlagen. Aber nicht alle haben sich in diese Stadt so hineingebissen wie Emika. Die Engländerin mit tschechischen Wurzeln debütiert dieser Tage mit dem nach ihr benannten Album, das aus ihr eine respektierte Künstlerin machen wird. Ihre Tracks klingen feinfühlig, geheimnisvoll, nachtzentriert und nie so, dass man sie ohne Weiteres einer bestimmten Szene der elektronischen Musik zuordnen könnte. Das Album ist zugleich der Lohn für einen längeren, zum Teil schmerzhaften Lernprozess.
Vor ihrem Umzug lebte Emika einige Zeit in Bristol. Tagsüber studierte sie in der benachbarten Stadt Bath kreative Musiktechnologie, nachts erkundete sie Drum’n’Bass- und Dubstep-Partys. Das änderte sich schlagartig, als sie sich eine Blinddarmentzündung zuzog. Deren Behandlung ist eigentlich eine Routineangelegenheit, aber die Ärzte pfuschten bei der Operation, weshalb Emika mehrere Monate im Krankenhaus bleiben musste. „Meine Augen waren zu, ich konnte die meiste Zeit nicht sprechen und nahm ständig Medikamente. Dadurch fühlte ich mich wie von der Welt abgeschnitten. Aber die Musik ging mir nicht aus dem Kopf. Ich rekapitulierte immer wieder Sinfonien von Rachmaninow und anderen, die ich als Kind gehört hatte“, erinnert sie sich. Die Zeit des erzwungenen und intensiven Musikempfindens bestärkte sie nach der Entlassung im Drang, eigene Stücke schreiben und veröffentlichen zu wollen – auch in Berlin. Hier arbeitete sie zunächst ein paar Monate als Au-pair, bevor sie ihr Herz in beide Hände nahm und bei Native Instruments vorsprach. Die Kreuzberger Firma entwickelt Tools für die digitale Audioproduktion. Emika hatte Glück. Das Designerteam konnte eine Mitarbeiterin mit Musikerhintergrund gut gebrauchen. Und sie selbst lernte bei der Gelegenheit den Umgang mit Geräten und Software-Instrumenten.
Ähnlich selbstbewusst war sie vorher an das Londoner Label Ninja Tune herangetreten. Dem dortigen A&R hatte sie jahrelang Hörproben geschickt. Vor vier Jahren unterschrieb sie dann tatsächlich einen Vertrag. Damit ist sie international bestens aufgestellt. „Ich kann keinen Techno-Track wie Underground Resistance bieten. Aber seltsame elektronische Musik mit Gesang – davon verstehe ich etwas.“ Die Engländer und Amis sind schon gespannt, denn dort wird sie ihr Debütalbum zunächst einmal live vorstellen. Uns bleibt die Vorfreude.

Text: Thomas Weiland

Emika, „Emika“ (Ninja Tune)

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